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Das schrieb die Presse über die StäV


Übersicht PRESSESPIEGEL Berlin:   2008   2007   2006   2005   2004   2003   2002     Zum großen StäV-Pressespiegel

Ein Bonner in Berlin - zum Film



 

PRESSESPIEGEL Berlin 2010


GENERAL ANZEIGER, 29.05.2010 "Mc Rheinland"


RHEINISCHE POST, 19.05.2010 Kölsch auf Berlins Großflughafen


Szenario _7, 17.05.2010 Über den StäV-Lizenznehmer WÖLLHAF am Berliner Flughafen


DIE WELT, 12.05.2010 StäV bald auch auf dem Berliner Flughafen


BERLINER ZEITUNG, 12.05.2010 StäV bald auch auf dem Berliner Flughafen


MÄRKISCHE ALLGEMEINE, 12.05.2010 StäV bald auch auf dem Berliner Flughafen


BILD Berlin/Brandenburg, 12.05.2010 StäV bald auch auf dem Berliner Flughafen


DIE WELT, 12.05.2010 StäV bald auch auf dem Berliner Flughafen


Der Tagesspiegel, 12.05.2010 StäV bald auch auf dem Berliner Flughafen


BERLINER MORGENPOST, 12.05.2010 StäV bald auch auf dem Berliner Flughafen


BILD, 11.05.2010 StäV bald auch auf dem Berliner Flughafen


Airliners, 11.05.2010 StäV bald auch auf dem Berliner Flughafen


BERLIN ONLINE, 11.05.2010 StäV bald auch auf dem Berliner Flughafen


BILD, 10.05.2010 Ernst-Georg Schwill in der StäV


Der Tagesspiegel, 30.04.2010 Besuch der Paralympic-Medailliengewinner in der StäV


Der Tagesspiegel, 23.03.2010 Politiker Michael Cramer gratuliert Ben Wagin


GENIESSEN & MEHR, Magazin, Frühjahr 2010 Erwähnung der StäV als Trendsetter im Schnäppchen-Bereich


TRIERISCHER VOLKSFREUND 22.03.2010 Ein Mauerstück für Wittlich


BERLINER ZEITUNG 22.03.2010 Über den Geburtstag von Ben Wagin


AFTONBLADET (Stockholm - Schweden) 10.03.2010


EXPRESS, 02.03.2010


EXPRESS, 30.01.2010


PRESSESPIEGEL Berlin 2009


 

BILD, 28. Dezember 2009 BILD-Quiz: Wie gut kennen Sie die Hauptstadt


TAGESSPIEGEL 17. Dezember 2009 Bonn bekommt ein Stück Mauer


BONNER STADTSOLDATEN CORPS 2009/2011 Die StäV wurde zur Botschaft ernannt


Trierischer Volksfreund - Wochenjournal 07.11.2009 Ein Mauerstück für Wittlich

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TAGESTHEMEN // WAHLZEIT.TV ODER SWR :

StäV im Wahlkampf: Ständige TV-Präsenz hier klicken


BILD 28.August 2009 Die StäV steht im Mittelpunkt der heutigen BILD-Serie: "Die Lieblingsrestaurants unserer Botschafter"


BILD am Sonntag. 23.August 2009 Ein berühmtes Bild - ein berühmtes Hustenbonbon - und das findet man als Ausstellungsstück in der Berliner StäV!

Wie wir wurden, was wir sind. Das schildert eine große Serie in der BILD am Sonntag zum 60. Geburtstag des modernen Deutschland. In der Folge 33 ging es um das Jahr 1981 und illustriert wurde der Beitrag mit einem berühmten Foto, dass auch in der StäV zu finden ist. Der Staatsratsvorsitzende Erich Honecker schenkt Bundeskanzler Helmut Schmidt beim Abschied nach dem deutsch-deutschen Gipfeltreffen in der DDR auf dem Bahnhof von Güstrow einen Hustenbonbon. Gelutscht hat Schmidt ihn aber nicht. Der Hustenbonbon ist aber nicht "verschwunden", sondern befindet sich im Besitz der StäV und ist in Berlin zu besichtigen. Es befindet sich rechts von Durchgang zum Küchenbereich, an der Stirnseite des Lokals. Das Bild findet sich auch in dem Buch "Phänomen StäV".


Weser Kurier. 20.August 2009 Mauerstück für Bremen


17.07.2009 Tagesspiegel


Mai 2009, Ein Rheinländer in Berlin - Kolumne im Kölner Stadtanzeiger

       

13.Mai 2009  //  20. Mai 2009


15.05.2009

 


SCHWÄBISCHE ZEITUNG, 23.05.2009 Sonderbeilage zu 60 Jahre Bundesrepublik

       

Sonderbeilage der Schwäbischen Zeitung - 1 Seite über die StäV


FEINE ADRESSEN Berlin/Potsdam

       


BERLINER ZEITUNG, 11.05.2009

       

Weshalb die Zeitung mit zwei verschiedenen Bildern erschien, erfahren Sie hier


TAZ 28.04.09 Interview mit Friedel Drautzburg anlässlich des Besuchs von Günter Grass in Bremen


TAGESSPIEGEL, 23.02.2009

Berliner Karnevalsumzug trotzt dem schlechten Wetter

Frohsinn und Publikum kämpften gegen den Regen an: Trotz Schmuddelwetter kamen am Sonntag tausende Berliner zum Karnevalsumzug. Allerdings: Verkleidet waren die wenigsten.

Für die kleine Löwin beginnt der Karnevalsumzug mit Tränen: Weinend klettert die fünfjährige Verena an der Hand ihrer Mutter aus der U-Bahn am Ernst-Reuter-Platz. „Du siehst so schön aus“, sagt Teresa Wagner, die mit ihrer Familie eigens aus Brandenburg angereist ist, und streicht der Tochter über die braun geschminkte Wange. Aber das Mädchen will sich nicht beruhigen – sie wäre heute viel lieber ein Schmetterling, aber aus diesem Kostüm ist sie herausgewachsen. Und die Mutter hat es weitergegeben an Verenas jüngere Schwester, die hinter ihr die Treppe hinauf klettert. Doch auf das Löwenkind wartet süßer Trost: „Kamelle“, bunte Bonbons, außerdem Schokowaffeln und Fruchtgummis. Das alles wurde gestern ab 11:44 Uhr von 72 Umzugswagen geworfen und von den 40 Fußtruppen verteilt, die beim neunten Karnevalszug durch die City West dabei waren. Großer Wermutstropfen: Es regnete – nicht nur „Kamelle“. Dauernieselregen ließ den Umzug buchstäblich ins Wasser fallen: Funkenmariechen mussten über ihre Kostüme transparente Regenmäntel stülpen. Und Besucher, die keinen Schirm dabei hatten, waren innerhalb von Minuten nass geregnet. Egal: 60 Tonnen Süßigkeiten haben die 3000 Narren, die beim Umzug entlang dem Ku’damm gestern unters Karnevalsvolk geworfen. Und leider flog ein Großteil davon in die riesigen Pfützen, die sich schnell auf den Straßen gebildet hatten. Die Bonbons schwammen darin wie kleine, bunte Fische. Aber auch Süßigkeiten, die nicht im Wasser landeten, blieben auf der Straße liegen. „Bückt euch doch erst mal, bevor wir neue Sachen werfen“, rief einer aus dem Zug.
Vielleicht kommen im nächsten Jahr mehr Besucher
Also: Ansingen gegen den Regen. Unterricht in rheinischem Liedgut gaben die Narren der Polit-Kneipe „Ständige Vertretung“. Nach dem hinlänglich bekannten Schlager über den Kölner Dom und „Viva Colonia“ konnten die Berliner weitere Karnevalsgesänge lernen: Das Lied vom „Bickersdorfer Büdche“, eine Samba, zu der die Besucher die Hüften bewegen durften. Das passte gut zum diesjährigen Motto des Umzugs: „Hier tanzt der Bär“ und wärmte.
Allerdings müssen die Berliner von den wahren Karnevalshochburgen noch viel lernen. Denn verkleidet hatten sich für den Umzug die wenigsten, und wenn, dann meist die Kinder. Obwohl sie „Zivilkleidung“ trugen, ließen sich aber auch die Erwachsenen von der närrischen Stimmung anstecken – trotz nur drei Grad plus und dem noch immer andauernden Nieselregen.
Der letzte Wagen im Zug war der des Prinzenpaares: Reinhard I. trug trotz der Wolken eine getönte Brille und winkte der Zuschauermenge zu, ebenso seine Prinzessin Doreen. Mit dem Prinzenpaar auf dem Wagen stand ein Sprecher, der sich beim Publikum bedankte: fürs Kommen, und fürs Verkleiden. „Seien sie bitte auch 2010 wieder mit dabei“, rief er. Vielleicht ist dann das Wetter besser, und es kommen, wie diesmal sehnsüchtig erhofft, tatsächlich eine Million Besucher.

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BERLINER ZEITUNG, 23.02.2009

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BILD, 23.02.2009

Eine Million Narren feierten gestern Karneval in Berlin.

Erste Politiker fordern jetzt Rosenmontag soll bei uns Feiertag werden!

MICHAEL SAUERBIER und CLAUDIA WEINGÄRTNER

Es war kalt, es nieselte ununterbrochen und so manche Bonbons landeten in schlammigen Pfützen. Miese Bedingungen für einen Karnevalsumzug? Eigentlich ja. Trotzdem kamen gestern rund eine Mio. Narren zum Kudamm, sangen, tanzten und feierten im Regen.

„Der Karneval in Berlin muss sich vor den Karnevalshochburgen nicht mehr verstecken, gehört mittlerweile zur Hauptstadt wie Alex und Goldelse“, sagt Edmund Braun (68), Präsident des Festkomitees „Berliner Karneval“.

„2008 hatte unser Zug gerade mal 200 000 Besucher weniger als der große Rosenmontagszug in Köln. Deshalb muss das Thema langsam wirklich ernst genommen werden.“

Das wird es – mehr als das sogar! Denn jetzt fordern erste Politiker: Der Rosenmontag muss auch in Berlin und Brandenburg zum Feiertag werden!

CDU-Chef Frank Henkel (45) feiert selbst gern mit, sagt: „Der immer größere Zuspruch zeigt, wie gern auch die Berliner Karneval feiern. Wir sollten uns aus der Sonntagsnische lösen. Deutschlands Hauptstadt hat einen richtigen Rosenmontagsumzug verdient. Deshalb sollte der Montag kein Arbeitstag wie jeder andere bleiben.“

Am Rhein längst ganz normal: In den Karnevalshochburgen Köln, Mainz und Düsseldorf stehen die Städte von Weiberfastnacht (Donnerstag) bis Karnevalsdienstag kopf: Behörden machen dicht, viele Geschäfte bleiben zu, Schüler haben frei.

Die Karnevalisten feiern durch! Erst am Aschermittwoch ist alles vorbei – zwei Tage später als in Berlin.

Ungerecht, finden auch die Brandenburger! Holger Kelch (41), Bürgermeister der ostdeutschen Karnevalshochburg Cottbus:

„Unser Zug lockt von Jahr zur Jahr mehr Menschen auf die Straßen. Über hunderttausend feiern inzwischen mit. Mehr, als unsere Stadt Einwohner hat. Wir haben einen echten Rosenmontagszug verdient, wünschen uns einen inoffiziellen Feiertag!“

 

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BERLINER ZEITUNG, 23.02.09

Böhm rettet den Regenzug

B.Z.-Reporter Thomas Böhm mischte sich beim Berliner Karneval unter das närrische Volk.

Hustenbonbons statt olle Kamellen und Gardetrachten in Plastikhüllen. Beim neunten Berliner Karnevalsumzug standen die Jecken im Stimmungs-Tief "Wulfdieter". Bis sich B.Z.-Reporter Thomas Böhm unter das närrische Volk mischte. Mit Gummihuhn und kleinkarierter Jacke sprang er auf den Wagen der Stadtgarde Rot Gold und rettete als Gottlieb Wendehals den Regenzug. Ja, da kam Freude auf.
"Na endlich bist du da. Jetzt fliegen gleich die Löcher aus dem Käse", freut sich Zugmarschall Rolf Vieting und weist mir meinen Platz hoch oben auf dem gelben Wagen. Gleich neben Heidi, der ich freundlich von hinten auf die Schulter klopfe.
Pünktlich um 1..44 Uhr ruckelt dann der Umzug in der Hardenbergstraße Richtung Kudamm los. Noch steckt meine Aktentasche voller Süßigkeiten, aber schon wenige Meter weiter ist sie leer - die Pappnasen auf der Straße sind unersättlich. Immer wieder rufen und winken sie mir zu: "Ey, Wendehals komm mal runter und mach’ uns Beine!"
Auf dem Kudamm hält mich dann nichts mehr. Bevor die Jecken ganz durchnässt sind, fordere ich sie zur Polonaise auf. Das hebt die Stimmung ungemein. Küsschen hier Küsschen da, ich bin der Star, holt mich hier bitte nicht mehr raus.
Ich wanke durch die Massen, die Schlange hinter mir wird immer größer. Erst als ich stolpere und das Gummihuhn anfängt erbärmlich zu quieken, fliegt mein Täuschungsmanöver auf. "Ey, das ist doch gar nicht Gottlieb Wendehals, das ist doch Heinz Erhardt", lacht einer, der sich als Knut verkleidet hat.
Egal, die Party geht weiter. Im Qdorf. Und wenn wir nicht umgefallen sind, dann schunkeln wir noch heute.

    

  

  

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BERLINER MORGENPOST, 23.02.09

"Hier tanzt der Bär" - Berliner Karneval im Regen

Beim Karnevalszug in Berlin sind am gestern Vormittag rund 3500 Jecken und Narren durch die City West gezogen.
Unter dem Motto "Hier tanzt der Bär" sorgten die Karnevalisten für närrische Stimmung zwischen Bahnhof Zoo, Kurfürstendamm und Tauentzien. 60 Wagen rollten bei winterlichem Schmuddelwetter über die Strecke. Trotz Temperaturen um zwei Grad Celsius und anhaltendem Nieselregen waren rund 500 000 Zuschauer gekommen, die zwar auch an den 130 Gruppen mit fröhlichen Närrinnen und Narren, aber wohl doch vor allem an den 60 Tonnen "Kamelle" interessiert waren, die von den Wagen in die umgekehrten und nach oben gehaltenen Regenschirme flogen. Zwischenfälle gab es nach Angaben eines Polizeisprechers nicht.

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BERLINER MORGENPOST, 22.02.2009

Berlins Narren toben fröhlich durch den Regen

Von Tanja Kotlorz und Sabine Flatau

Von wegen die Berliner seien humorlos. Selbst das Regenwetter hat sie am Sonntag nicht davon abgehalten, Karneval auf der Straße zu feiern.
Die Kostüme wurden von Folien und Regenschirmen geschützt - und dann ging die Party los.

Der Himmel trägt Trauer und Harald Grunert eine Narrenkappe. Der Missionar des rheinischen Frohsinns und Chef-Organisator des Berliner Karnevalsumzuges lässt sich weder vom Regen noch von den düsteren Wirtschaftsprognosen die gute Laune verderben. Entsprechend munter kommt das diesjährige Karnevalsmotto des Berliner Umzuges daher: „Et hätt noch immer jot jejange.“

Darauf hofft auch Grunert Sonntagmorgen um 11 Uhr, als das närrische Treiben beginnt: dass auch bloß alles gut geht. Zwei Dinge dürfen keinesfalls passieren: ein Verkehrsunfall und Ebbe bei den Wurfelementen. Palettenweise hat der Umzugslaster der Ständigen Vertretung (StäV), der Rheinischen Kult-Kneipe am Schiffbauerdamm, deshalb süße und deftige Wurfgeschosse gelagert: 2,5 Tonnen Pralinen, Blutwürste, Popcorntüten, Gummibärchen, Schokoflocken, Pfefferminzbonbons und Chips. Damit auch die fröhliche 50-köpfige Wurfgemeinde auf dem Laster Nummer 16 bei guter Laune bleibt, hat StäV-Erfinder Grunert 80 Liter Kölsch an Bord.
Um 11.50 Uhr geht ein Ruck durch den Wagen. Start der Narrenfahrt von der Hardenbergstraße Richtung Bahnhof Zoo. Am Mikro macht DJ Charly Stimmung: „Wie heißt der Schlachtruf? Berlin Hei-Jo!“ (Steht für Heiterkeit und Jokus) Ein Clown greift beherzt in die Bonbons und wirft sie in die umgedrehten Regenschirme der Umstehenden. Der Komiker, im Hauptberuf Bankkaufmann und im Ehrenamt Vizevorsitzender der Bezirksverordneten-Versammlung in Mitte für die CDU, heißt Carsten Spallek. Im „normalen Leben“ bekommt er offenbar nicht so viel positives Feedback. „Ich freue mich, heute in so viele strahlende Gesichter sehen zu können“, sagt er.
Denn trotz des Regens kommt auch am Straßenrand keine schlechte Laune auf. Im Clownskostüm, mit Pappnase und Perücke, steht Stefanie Huhn in der Menge und winkt den vorbeifahrenden Narren zu. „Viva Colonia“ heizt die Musikanlage auf dem Karnevalswagen der StäV. Wobei heizen eigentlich übertrieben ist. Der Zug hat eine Lärmauflage bekommen und ist damit vermutlich der einzige Karnevalsumzug der Bundesrepublik, der nicht lauter als 85 Dezibel sein darf.

Chips und Würste für die Jecken

„Sie sind nicht zum Spaß hier!“, scherzt Ober-Karnevalist Grunert. Alle sollen noch mehr Chips und Würste zu den Jecken auf der Straße feuern. Fleisch darf nur nach vorherigem Blickkontakt mit dem potenziellen Empfänger geworfen werden, sonst könnte das ins Auge gehen. Werfer lernen schnell: Männliche Narren freuen sich am meisten über eingeschweißte Blutwürste mit Senf und über Baseballcaps, Frauen über Pralinen und Popcorn, Kinder über einen prasselnden Bonbonregen und fröhliches Winken. Sobald Süßigkeiten durch die Luft fliegen, greift Pippi Langstrumpf alias Katrin Tietmann beherzt zu. Die Achtjährige trägt rote Zöpfe und eine Plastiktüte, die sich schnell mit Bonbons füllt.
Am Breitscheidplatz in Charlottenburg geht unterdessen nichts mehr. Der Zug steht. Ein älterer Herr will ein Bonbon aufheben und stürzt. Überall sind Regenschirme zu sehen, ob als Nässeschutz oder Bonbonfänger. Viele Wurfelemente landen trotzdem in den Pfützen, Kinder springen hinterher, Erwachsene bücken sich für Drops. Ein riesiger Krebs schwenkt fröhlich seine Scherenarme.

„Die Berliner sind tapfer“, lobt Grunert, trotzdem rechnet er mit weitaus weniger Besuchern als im vergangenen Jahr. Zu kalt, zu nass. Vielleicht stehen diesmal nicht Millionen, aber immerhin 500.000 Narren am Weg. Dafür sehen die gut aus. „Schöne Kostüme“, lobt Grunert. Am Straßenrand winkt ihm ein gigantischer weiblicher Brokkoli auf hochhackigen Stiefeln zu. Drei Stunden dauert der Zug der 60 Wagen über die 4,5 Kilometer lange Strecke. 130 Gruppen sind da, 3500 Teilnehmer. Darunter die Narrengilde Berlin, die Prinzengarde, Rote Funken und der Hoppegartener Narrenstall 08. Karnevalisten aus Werder rufen den Berlinern zu: „Mit unseren Blüten stopfen wir Euer Haushaltsloch.“ Ein Traktor zieht den Wagen des Dabendorfer Karnevalclubs. Für die fröhlichen Narren am Straßenrand ist der Karnevalszug wie eine rollende Diskothek. Von einem Wagen tönt das Lied „Biene Maja“ mit Karel Gott, von einem anderen Connie Francis mit „Paradiso“. Wenn die rollenden Jecken das „Humba, humba täterä“ anstimmen, fallen die Berliner ein. Erst am Ende der Karnevalsroute, am westlichen Kurfürstendamm, verliert sich das Publikum.

Ex-Prinz Martin der Erste

So eine Veranstaltung bedarf guter Vorbereitung, davon kann Ex-Prinz Martin der Erste von Berlin ein Lied singen. Im vergangenen Jahr war der Jurist Martin Hortig Karnevalsprinz, absolvierte einen Marathon von 200 Veranstaltungen: „Kanzleramt, Altenwohnheim, Kindergärten, Umzug.“ Ein „richtiges Familienfest“ sei das, schwärmt Hortig und fügt grimmig an, dass der Senat ja leider keinen Cent dafür locker mache. Doch immerhin genehmigte der Senat die Umzüge für die nächsten 41 Jahre. Im Jahr 2050 wird der Narrenzug am 20. Februar stattfinden – diesen Termin kann man sich schon mal vormerken.

Um 14.34 Uhr verkündet DJ Charly auf dem StäV-Wagen: „Das war’s jetzt.“ Die Bilanz: Ein paar Bonbons sind noch übrig, die 80 Liter Kölsch sind alle. „Berlin Hei-Jo“. Bis zum nächsten Mal. Am 14. Februar 2010, hoffentlich bei besserem Wetter.

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TRIERISCHER VOLKSFREUND, 22.02.2009

 

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GENERAL ANZEIGER, Bonn, 18.02.2009

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DER SPIEGEL 7/2009 vom 09.02.2009, Seite 145

Personalien

Friedel Drautzburg

Friedel Drautzburg , 70, Gastronom, und sein Kompagnon Harald Grunert dürfen nach zehn Jahren als Missionare des rheinischen Frohsinns in der Hauptstadt einen bahnbrechenden Erfolg feiern: Bis zum 20. Februar 2050 wurde den Betreibern der "Ständigen Vertretung des Rheinlands in Berlin", unter eingeweihten Kölsch-Trinkern besser als "StäV" bekannt, ein Karnevalszug vom Berliner Senat genehmigt. Das diesjährige Motto, passend zur Wirtschaftskrise, so Festzugsinitiator Grunert, lautet wie das rheinische Grundgesetz "Et hätt noch immer jot jejange". Unter den rund eine Million Zuggästen seien "schätzungsweise zehn Prozent" aus der rheinländischen Heimat. Für die Bonner Emigranten Drautzburg und Grunert, an deren Tresen schon die gesamte Polit-Prominenz das Biergläschen hob, bleibt die überraschende Erkenntnis: "Auch der Preuße kann Karneval feiern."

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POLITIK & KOMMUNIKATION, Februar 2009

 

 

 


BERLIN POCHE, FEBRUAR 2009

  

 

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KÖLNER STADTANZEIGER, 21.01.2009

Tanzender Köbes und zapfende Sänger

Ob im Altstadt-Päffgen, der "Ständigen Vertretung", der Großen Braunsfelder KG oder beim Reiterkorps Jan von Werth: Je näher der Sessions-Höhepunkt rückt, desto ausgelassener und jecker die Feiern. Auch einige Häuser weiter in der Ständigen Vertretung (StäV) war nichts wie sonst. Frei nach dem Motto „Bringse noch'n Bier?“ zapften und kellnerten die Köbesse Peter und Stefan Brings , Harry Alfter , Christian Blüm und Kai Engel - und zwar ausschließlich. Dankbar waren die überraschten Gäste dennoch, denn normalerweise kennen sie Brings eher von der Bühne. Auch der Einsatz dieser Herren diente einem guten Zweck: Den Erlös von 600 Euro stockte die Band auf 1000 Euro auf, das Geld geht an den Verein „Auf Achse Treberhilfe“, der sich um Obdachlose und Straßenkinder kümmert.

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GERMANWINGSMAG, JANUAR 2009

 

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PRESSESPIEGEL 2008




BERLINER MORGENPOST 12.12.2008

Berliner Wirte spüren die Krise

Von Patrick Goldstein
Erste Folgen einer einbrechenden Konjunktur bekommen jetzt auch Berlins Gastronomen zu spüren. In Krisenzeiten sparen Firmen an der Weihnachtsfeier. Am Ende dieses Jahres werden Mitarbeiter nicht mehr so großzügig bewirtet wie noch 2007.
Manche Berliner Unternehmen stornieren komplett. Eine Umfrage des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) zeigt den bundesweiten Trend: So klagt in Deutschland jeder fünfte Wirt über abgesagte Weihnachtsfeiern.
Anjou P. Haufe, Besitzer des "Eiffel" am Kurfürstendamm etwa sagt, Unternehmen orderten für ihre Feier nunmehr weniger opulent. "Auch mal nur ein Gericht statt des gewohnten Fünf-Gänge-Menüs." Zudem gingen die Komplettbuchungen seines Lokals merklich zurück, sei die Zahl der Feiernden geschrumpft. "Es wird auch kurzfristiger reserviert", erklärt Gastronom Haufe. "Während Firmen früher schon lange im Voraus buchten, halten sie sich diesem Jahr mit endgültigen Zusagen noch zurück."
"Ich sehe schwarz", blickt Peter Bischof pessimistisch in die Zukunft. Der Chef der "Schinkel-Klause" im Opernpalais sagt, es werde bei ihm weniger gefeiert als im Vorjahr. "Das Geld sitzt nicht mehr so locker." Bischofs Befürchtung: "Das wird sich auch im nächsten Jahr bei der Buchung anderer Feste in der Schinkel-Klause bemerkbar machen." Viel Spielraum, darauf zu reagieren, habe er nicht: "In der Gastronomie bleibt meist nur die Möglichkeit, beim Personal zu sparen." Also müssen nun seine Mitarbeiter um ihre Anstellung bangen. Bischof: "Setzt sich der Trend fort, werden wir abbauen."
In der rustikalen "Ständigen Vertretung" am Schiffbauerdamm erwartet auch Friedel Drautzburg Verluste. "An Umsatzeinbußen wird das gesamte Gewerbe langfristig nicht vorbei kommen", sagt der Rheinländer. "Bei Essen und Trinken wird zuerst gespart. Da bestellt man bei uns abends dann bald nicht mehr sieben, sondern nur noch vier Kölsch", so Drautzburg.
Aber es gibt auch Restaurants, die von den Vorboten eines Abschwungs verschont bleiben. Aus dem Hause von Berlins Gastro-Riesen Josef Laggner ("Lutter und Wegner", "Kaisersaal Berlin", "Fischerhütte am Schlachtensee") heißt es, von Krise sei nichts zu spüren. "Wir sind sehr gut gebucht", so eine Sprecherin. Ähnlich klingt es aus den ebenfalls im gehobenen Preissegment wirtschaftenden Nobel-Hotels am Potsdamer Platz, Ritz-Carlton und Marriott.
Beim Chef zu Hause feiern
Andernorts justieren Firmen vor der Reservierung ihrer Feiern ihr Budget. "Klagen können wir nicht", sagt etwa Ulrike von Oy im Kudamm-Restaurant "Balthazar" von Spitzenkoch und TV-"Koch-Arena"-Coach Holger Zurbrüggen. Allerdings zögen es Firmen jetzt vor, den Mitarbeitern etwa bei der Weinwahl nicht mehr freie Hand zu lassen. "Statt dessen bestellen sie im Voraus die Weinbegleitung, Wasser und Kaffee zu einem Fixpreis pro Gast", so Ulrike von Oy.
Der Vize-Präsident der Dehoga in Berlin, Klaus-Dieter Richter, sagt, in den Betrieben abseits der Touristenpfade mache sich die Krise bereits bemerkbar. Berlinweit habe die Branche zudem "im Vorfeld von Weihnachten mehr Umatz erwartet." In der bundesweiten Befragung hatten immerhin 42,3 Prozent der Unternehmer angegeben, das Weihnachtsgeschäft sei schlechter angelaufen als im gleichen Zeitraum 2007.
Über sein eigenes Lokal, das Spandauer "Restaurant Kolk", sagt Richter, dass zwar Stornierungen eingelaufen seien, etwa für eine Reservierung aus dem Frühjahr, dass aber noch bedeutender der neue Umfang der Festgruppen sei. "Da kommen jetzt nicht mehr die Firmen mit ihrer gesamten Belegschaft, sondern nur noch einzelne Abteilungen." Mancher Chef eines Geschäfts mit wenigen Mitarbeitern, so weiß Richter aus der Bekanntschaft, bestelle inzwischen gar kurzerhand Catering und lade zu sich nach Hause ein.

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BILD, 12.11.2008

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Le Parisien 05.10.2008 

  

Nos reporters dans une Europe en crise

Alors que le sommet de l’Elysée, hier, a donné de l’Europe une image enfi n rassurante (ci-dessous), notre journal a voulu savoir comment nos voisins et alliés réagissent face à la crise.

A Berlin, « la banque la plus stupide d’Allemagne » au coeur des débats

UN E MAIN PLAQUÉE sur sa jupe, Erika, salariée de la banque KfW, brave les bourrasques de pluie et raconte la nouvelle blague de ses copains : « T’aurais pas quelques millions pour nous ? » Cette quadra est partagée entre le rire et la honte : le 15 septembre, son entreprise, la KfW, a réussi le tour de force de virer 317 millions d’euros à Lehman Brothers, le jour même où sa consoeur new-yorkaise faisait faillite ! Elle y a gagné le titre de « banque la plus stupide d’Allemagne » octroyé par le quotidien « Bild ».
Venus visiter la capitale, Suzanne et Georg jettent un regard amer à l’établissement public. « Tant de stupidité… » souffle juste ce maçon, qui évalue à « 20 € » les impôts de la famille qui viendront renflouer la KfW.
« Mon banquier dit de ne pas m’inquiéter… en faisant attention »
Réfugié au café Ständige vertretung (la « patrie » des habitants de Bonn venus ici après la réunification), le D r Reinhard Hadrich n’en revient toujours pas. « On a appris le virement juste avant la réunion prévue entre la banque et le ministère du Budget », s’emporte ce lobbyiste proche du gouvernement qui en a perdu « toute confiance dans les banques ».
Dans ce pub aux murs recouverts de photos retraçant l’histoire des deux Allemagnes, la crise est sur toutes les lèvres. « Et mon argent, il est sûr ? Et vous, vous êtes solide ? » mime Wolfgang, conseiller à la Commerzbank, qui passe ses journées à rassurer, les « petits retraités notamment ». Serveuse au Staev, Myriam ne cache pas sa peur de voir l’héritage de sa mère continuer à fondre. « Mon banquier dit de ne pas m’inquiéter… en faisant attention », résume-t-elle, interloquée. Même si l’anxiété des uns et des autres est directement fonction de la taille de leur portefeuille, chacun insiste sur la « robustesse » des banques allemandes, qui n’ont jamais renoncé aux règles de prudence. Ici, les crédits sont distribués avec parcimonie, voire pas du tout. « Moi, ça fait dix ans que je suis grillé », grogne Max, un chauffeur de taxi qui désigne l’ennemi : la Schufa. Malheur des uns, garantie pour les autres, cette fameuse Schufa répertorie tout : les emprunts, les factures d’électricité honorées (ou non), les impôts payés à l’heure (ou pas). Implacable. « Si vous sollicitez un crédit, je sais d’emblée si vous avez la Bonität (NDLR : éligibilité à un crédit) », conclut Wolfgang, enjoué. Dans ce pays qui compte plus de 2 000 établissements, contre 830 en France, beaucoup s’attendent à ce que la crise amplifie un régime minceur déjà entamé : la récente absorption de la Dresdner Bank par la Commerzbank « se traduira par la suppression de 6 500 postes », se désole Daniel Hampel, qui préside le comité d’entreprise de la Commerzbank. Déjà, la concurrence entre réseaux est telle que les clients se voient proposer 5 % voire 6 % s’ils placent leur argent pendant un an ! Au Staev, Bernt salarié de Schlinder, un fabriquant d’ascenseurs, redoute que « tout ne dégringole ». « Viens en Suisse avec moi », rigole un collègue. « Pour perdre mon argent chez UBS ? » lui rétorque Bernt. Sur la table d’à côté, un journal oublié là rappelle que « même l’or est un placement à risques. »


Nach dem mittlerweile europaweit bekannten Mord in unseren Toiletten haben wir uns entschlossen, statt einer aufwendigen Reinigung gleich komplett neue Toiletten zu bauen. Diese sind allerdings auch inzwischen ein riesiges Diskussionsthema in der Hauptstadt. Am besten Sie kommen vorbei und lassen sich von Mr. Bird eine persönliche Führung durch die WC-Informationsräume angedeihen.


BERLINER TAGESSPIEGEL, 07.11.2008

Tod in der Kölschkneipe

Die „Ständige Vertretung“ ist Kneipe – und Tatort Hier spielt Jan Bergraths Thriller „Tödliche Energie“

Sie ist bekannt als touristenfreundlicher Treffpunkt der Bonner in der Berliner Diaspora – die „Ständige Vertretung“ am Schiffbauerdamm in Mitte. Jetzt wird sie auch noch Schauplatz eines Verbrechens: Mit einem Mord lässt Jan Bergrath hier seinen neuen Thriller „Tödliche Energie“ beginnen, der in kriminelle Niederungen des Wirtschaftslobbyismus in der Brüsseler EU-Verwaltung führt. Mit freundlicher Genehmigung des Kontrast-Verlages drucken wir eine gekürzte Textprobe ab, vorbereitend auf die Vorstellung des Buches durch den Autor – natürlich am Tatort.
In den letzten Minuten vor der Halbzeit kam noch einmal Spannung auf. Teuscher, sein ehemaliger Redaktionskollege aus Köln, fieberte weiter mit. Eine ältere Frau kam plötzlich ganz aufgeregt aus der Toilette und ging händefuchtelnd an die Theke. (...)
„Jetzt ist sie weg“, riss ihn Teuscher aus seinen Gedanken.
„Wer ist weg?“, fragte er.
„Na diese Rothaarige, die du die ganze Zeit angestarrt hast. Ist gerade zur Tür raus. War aber auch ein Schuss, was?“
„Ganz okay“, wiegelte Brandt ab. Er fühlte sich ertappt. (...)
„Hast du auch so einen Druck?“, fragte Teuscher, wartete aber gar nicht erst auf eine Antwort, sondern startete gleich los. Mit ihm drängte ein Schwung Gäste auf einmal zur Toilette. Urplötzlich tauchte der Toilettenmann wieder auf und versperrte mit seinem Körper die Tür, auch der Kellner kam hinter die Theke zurück und griff zum Telefon.
„Was ist denn da los?“, fragte Brandt einen Gast, der gerade unverrichteter Dinge zurück zu seinem Tisch wollte. Der Mann war genervt.
„Mit Schiffen wird’s vorerst nichts", schimpfte er. „Da liegt eine Drogentote auf dem Damenklo.“
Notarzt und Polizei waren nahezu zeitgleich in die Ständige Vertretung gekommen. Es schien, als hätten nur die Gäste im unmittelbaren Thekenbereich davon Kenntnis genommen. Der Toilettenmann hatte inzwischen die Tür zum Toilettenbereich geschlossen. Das Notdurftmanagement funktionierte. Ein Kellner schickte konsequent alle Leute, die zum Klo wollten, in die Berliner Republik.
Brandt war gar nicht aufgefallen, dass die junge Frau nicht wieder von der Toilette zurückgekommen war. Der Klomann hatte ihm konsequent den Einlass verweigert. Doch Brandts sehr exakte Beschreibung, die er ihm geben konnte, schien, wie er sofort befürchtet hatte, genau auf die Tote zuzutreffen. Sie lag, so viel hatte er dem leichenblassen Mann entlockt, leblos neben der Toilettenschüssel. Und sie hatte nichts dabei, wodurch man sie identifizieren konnte. Dafür hatte man neben der Toten eine Spritze gefunden. (...)
Brandt war zutiefst geschockt. Vor allem über die spürbare Gleichgültigkeit der Gäste. Auch Teuscher nahm das durch nichts bewiesene Gerücht, die junge Frau sei eine Drogentote, als Tatsache einfach so hin. Das enttäuschte ihn am meisten, wie er sich eingestehen musste. Er kannte die junge Frau überhaupt nicht, für die er einige Augenblicke zuvor noch Interesse, ja sogar etwas wie Sympathie empfunden hatte. Er hatte in seiner berufsbedingten Neugier und Fantasie sicher am Ende recht fragwürdige Schlüsse über das Geschehen am Nachbartisch gezogen. Spekuliert. Im Grunde ging es ihn gar nichts an. Doch eins stand für ihn fest: Die Ständige Vertretung war keine Kneipe für einen goldenen Schuss. Und mit Drogen hatte diese junge Frau nichts zu tun. (...)
Teuscher orderte völlig unberührt noch zwei Kölsch. „Prost“, sagte er lächelnd. „Auf den Schreck.“
Brandt bemühte sich, ihn auszublenden und die Bilder in seinem Kopf zu ordnen. Sie machten keinen Sinn. Eine junge und für seine Einschätzung etwas schüchterne Frau traf sich mit einem Mann, den Brandt vom gesamten Habitus spontan, wenn nicht in eine Bank, so doch in die Abteilung Regierungsbeamte, mittlerer Dienst, stecken würde. Die Chance, dass er damit sogar recht haben könnte, stand gar nicht so schlecht. Im Zuge der Vorbereitung für die Feiern zum fünfzigjährigen Jubiläum der Europäischen Union waren genug offizielle Vertreter in der Hauptstadt. (...)
Die beiden waren freundschaftlich, wenn auch distanziert miteinander umgegangen. Sie hatte ihm irgendwelche Papiere gezeigt, die er lächelnd zur Kenntnis genommen und an sie zurückgegeben hatte. Das konnte alles Mögliche gewesen sein. Eine vorbereitete Rede für irgendeinen Festakt. Streng vertrauliche Dokumente für bilaterale Verhandlungen. Ein Vier-Augen-Hintergrundgespräch mit einer jungen Journalistin, wie sie tagtäglich in den Berliner Restaurants und Kneipen stattfanden. Es machte erst gar keinen Sinn zu spekulieren. Nur eines stand fest: Kurz nachdem der Mann sehr überraschend, wie Brandt empfand, seine Gesprächspartnerin zurückgelassen hatte, ging diese zur Toilette und wurde dort wenig später tot aufgefunden.
Ohne ihre Hängetasche.
Bitte, achten Sie auf Ihre Handtasche! Diese Warnung kam definitiv zu spät.
„Das Spiel geht gleich weiter“, stieß ihn Teuscher an (...). „Ich wette mit dir, die Jungs drehen jetzt noch mal so richtig auf.“ „Da stimmt was nicht“, sagte Brandt reflexartig. Das Spiel war ihm mittlerweile völlig egal.
„Was stimmt nicht?“
„Das ist keine Drogentote.“
„Na und? Was kümmert es dich? Auch noch ein Kölsch?“
  

Jan Bergrath stellte sein Buch am 9. Oktober 2008, in der Berliner StäV vor.

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STERN, 08.07.2008

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TAGESSPIEGEL 08.07.2008

Frischer Westwind

Eine frische Brise von Westen versprechen engagierte Nordrhein-Westfalen in Berlin. Künftig wollen sie als Verein Werbung machen für ihr Land und seine Unternehmen und interessanten jungen Künstlern aus ihrer Heimat in Berlin eine Plattform schaffen. Zu den Gründungsmitgliedern gehören Christina Rau und „StäV“-Wirt Friedel Drautzburg. Mit der Eröffnung ihrer Landesvertretung haben sich die Nordrhein-Westfalen nach dem Verlust des Regierungssitzes bewusst lange Zeit gelassen. Während die Baden- Württemberger in Berlin bereits einen Verein mit rund 450 Mitgliedern haben, ließen es die Nordrhein-Westfalen langsam angehen mit der Organisation ihrer gemeinsamen Interessen.

Ditmar Gatzmaga ist in der Landesvertretung zuständig für Kooperationskonzepte zwischen großen Unternehmen und der Politik und außerdem den neuen Verein namens „Westwind“. Er sagt: „Wir sind stolz auf das Land, aus dem wir nach Berlin gekommen sind und wollen das zum Ausdruck bringen, schon um das Image zu verbessern.“ Viele Berliner hätten noch völlig falsche Vorstellungen, verbänden gerade die Region Ruhrgebiet mit ständigem Abstieg. Dass aus der Krise längst ein neuer Aufstieg geworden ist, sei einfach noch nicht bekannt genug. „Das Kulturfestival Ruhr-Triennale kennt man in New York besser als in Berlin.“ Wirtschaftliche Aspekt sind noch unbekannter. So sei vielen nicht bewusst, dass NRW mit Thyssen-Krupp beim Stahl zur Weltmarktspitze gehört. „Bei uns können Qualitäten produziert werden, die es anderswo so nicht gibt, und die Nachfrage durch China und Indien steigt.“ Auch solche Dinge sind Themen für die Sympathiewerbung. Nordrhein-Westfalen in Berlin sahen sich schon vor dem Fall der Mauer zum Teil augenzwinkernd als stabilisierendes Element, im Vergleich etwa zu den Schwaben, deren Heimat der Ruf vorauseilte, so eine Art Autonomen-Exportland zu sein.

Ausdrücklich will der Verein junge Menschen und Projekte fördern. Bei der ersten Mitgliederversammlung stand Kabarett von dem noch jungen Künstler Ludger K. aus Duisburg auf dem Programm. „So jemanden kann man ja auch mal weiterempfehlen." Auch das wäre ein Job für NRWs Hobbybotschafter. Rund 130 Mitglieder hat der Verein schon jetzt, innerhalb eines Jahres soll sich die Zahl verdoppeln und in vier Jahren vielleicht bei 1000 liegen. Man muss nicht unbedingt in NRW geboren sein, um Mitglied zu sein. Willkommen ist auch, wer NRW gut findet, mal zum Fußball gucken ins Westfalenstadion nach Dortmund fährt oder zum Shopping nach Düsseldorf oder beruflich an den Rhein oder die Ruhr verschlagen wurde, wie Vorstandsmitglied Annette Kreutziger-Herr, die von Berlin aus als Professorin an die Hochschule für Musik nach Köln ging. Es reicht, Nordrhein-Westfale im Herzen zu sein. Vereinslokale, die Infomaterial bereit halten, hat der Verein natürlich auch schon, an der Spitze die „Ständige Vertretung des Rheinlandes“, besser bekannt als StäV, aber auch das Gaffel Haus am Gendarmenmarkt und das Maxwell. Das Büro des Vereins findet sich im ältesten Haus von Wilmersdorf im Schoeler-Schlösschen in der Wilhelmsaue 126, wo auch die Privatbibliothek von Johannes Rau untergebracht ist.

Jede Menge Pläne für Vereinsaktivitäten gibt es natürlich auch schon. Vom obligatorischen Stammtisch mal abgesehen sollen „Kulturpralinen aus NRW“ für interessante Künstler aller Sparten eine hauptstädtische Plattform schaffen, als Einsteins Enkel, sollen Nachwuchswissenschaftler eingeladen werden. „Wer kennt schon das Gründerzentrum in Dortmund mit 200 jungen Unternehmen in innovativen Branchen wie Medizintechnik oder Bio- und Gentechnologie?“, fragt Gatzmaga. Nordrhein-Westfalens Botschafter werden das ändern.

Viele gebürtige NRWler, die früher Berlin mit Vorurteilen begegneten, haben hier ein neues Leben und neue Liebe gefunden, wie Friedel Drautzburg, der stolze Vater einer jungen Berlinerin oder auch Ditmar Gatzmaga, der seine Frau in Frankfurt/Oder kennen lernte. Nachdem sich alle etabliert und eingerichtet haben, bleibt nun Zeit, am Image der alten Heimat zu polieren. Und der „Westwind“, so der Name des Vereins, gibt den richtigen Schwung dazu. Elisabeth Binder

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GENERAL ANZEIGER, 03.06.2008

Aus Bonner Nachtschwärmern werden Gipfelstürmer in Königswinter

Grunerts ehemalige Nachtcafé-Gäste feiern mit Gastronomen auf Drachenfels

Wiedersehen auf dem Drachenfels: Harald Grunert (2. von rechts) mit Ehefrau Seija Kreusch sowie Hannes Schöner (rechts), Henning Krautmacher (Mitte) und Peter Werner von De Höhner . Bonn. (die) Seit mehr als zehn Jahren betreiben die Bonner Gastronomen Harald Grunert und Friedel Drautzburg in Berlin mit großem Erfolg das rheinische Lokal Ständige Vertretung (STÄV). "Dort werde ich von ehemaligen Bonnern immer wieder auf mein altes Nachtcafé angesprochen", sagt Grunert. Gemeint ist Grunerts Nachtcafé in der Kaiserstraße, das von 1985 bis 1995 erste Adresse der Bonner Nachtschwärmer war.

Wiedersehen auf dem Drachenfels: Harald Grunert (2. von rechts) mit Ehefrau Seija Kreusch sowie Hannes Schöner (rechts), Henning Krautmacher (Mitte)
und Peter Werner von "De Höhner". Foto: Dietl


Am vergangenen Samstag organisierte Grunert (59) für alte Freunde und ehemalige Gäste eine ungewöhnliche Wiedersehensfeier im Restaurant auf dem Drachenfels in Königswinter. Rund 250 Gipfelstürmer folgten der Einladung, darunter auch diverse Paare, die sich damals im Nachtcafé gefunden hatten. Die Bonner Band Prime Time und der ehemalige Falle-DJ Whalid versorgten die Gäste mit tanzbaren Hits aus den achtziger und neunziger Jahren. Nostalgisch präsentierte sich auch das Büfett: Serviert wurden kulinarische Klassiker aus dem Nachtcafé, unter anderem Tortellini Fellini und Insalata Giorno.
Zu später Stunde gesellten sich befreundete Künstler wie Konrad Beikircher zur Runde. Die Höhner kamen frisch von ihrer Zirkusshow aus dem Roncalli-Zelt in der Rheinaue. Bis drei Uhr wurde gefeiert, gegen vier Uhr brachte die Drachenfelsbahn die letzten Gäste zurück ins Tal.
Harald Grunert fuhr am nächsten Tag gleich weiter nach Köln: Dort eröffnet er in der Altstadt (Fischmarkt 31) mit Drautzburg im Juli eine Filiale der Ständigen Vertretung.

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KÖLNER EXPRESS, 09.03.2008

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MV REGIO, 08.03.2008

Zigarettenindustrie sollte Kosten für Raucherräume übernehmen

Nach Ansicht des Berliner Gastronomen Friedel Drautzburg soll die Zigarettenindustrie die Kosten für die Einrichtung von Raucherräumen in Lokalen übernehmen.
Die Folgen des Nichtraucherschutzgesetzes trage in der Hauptsache der Gastronom, begründet Drautzburg in der "Kolumne der Woche" der Nachrichtenagentur ddp seinen Vorschlag. Er betonte, nirgends treffe es den Gewinn machenden Nikotinproduzenten oder -verkäufer. "Es wäre doch nur logisch, wenn die Nikotinindustrie dem Gastronomen, der sich anschickt, einen Raucherraum einzurichten, die Kosten hierfür - oder zumindest aber einen Teil davon - erstatten würde."
Drautzburg, der unter anderem die legendäre Gaststätte "Ständige Vertretung" in Berlin führt, stellte klar, dass er nicht generell gegen die neuen Regelungen sei. "Ich befürworte durchaus den Nichtraucherschutz zumindest in solchen Lokalen, in denen Speisen verkauft werden", betonte er. Allerdings sollte die mit dem Gesetz verbundene Bürokratie überdacht werden.
Doch es kommt ganz anders. Am Schiffbauerdamm in Berlin wird die „Ständige Vertretung" gegründet. Inzwischen sind zwei dicke Bücher über diese polit-gastronomische Institution erschienen, zuletzt im Kölner Bachem-Verlag „Das Phänomen StäV" mit dem Klappentext: „Die Ständige Vertretung, das ist rheinisch-politische Gastronomie mitten in Berlin. Mit dem Umzug der Regierung von Bonn nach Berlin kamen auch die beiden Bonner Szene-Wirte Friedel Drautzburg und Harald Grunert 1997 in die neue Bundeshauptstadt, um mit Kölsch, rheinischer Gastfreundschaft und politischen Reminiszenzen an fünfzig Jahre „Bonner Republik" ein Stück rheinische Kultur an die Spree zu bringen. Was zunächst vor allem den „Vertriebenen" des Polit-Betriebes ein Stück Heimat bieten sollte, avancierte in kürzester Zeit zu einem der angesagtesten Lokale in Berlin und ist Treffpunkt von Prominenz aus Politik, Medien und Kultur."
Doch Friedel Drautzburg ist nicht nur unser Ständiger Vertreter in Berlin, sondern seit seiner ersten Schüler-Liebe am Pleiner Berg verwurzelt und in jeder Berlin-freien Zeit mit seiner achtjährigen Tochter dort auf Heimat-Urlaub.

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FACTS, Februar 2008

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BERLINER MORGENPOST, 10.02.2008

Gourmet-Spitzen

Zwischen Himmel un Äad

Unser Kritiker hat versucht, in Berlin Karneval zu feiern. Natürlich war er in der "StäV". Da gibt's Gerichte zu Kantinenpreisen, wenn doch nur die Bratkartoffeln nicht so blass wären.
Wo geht man hin in so einer Woche, die von Karneval, Frohsinn und Pappnasen geprägt ist und mit Partys und rauschenden Festen überfrachtet? Ich habe in den aus dem Rheinischen importierten Alaaf- und Helau-Tagen die Keimzelle der Köln-Bonner-Fröhlichkeit gewählt, die Ständige Vertretung, kurz StäV genannt. Natürlich geschieht das wohl wissend, dass, in Meilen ausgedrückt, es aus dieser Küche des Deftigen bis zur Gourmandise ebenso weit ist wie vom Brandenburger Tor zum Kölner Dom.
Internationale Klasse der Kochkunst gab's freilich auch in der zurückliegenden Woche in Berlin. Dafür reicht ein kurzer Seitenblick: Über der Ullstein-Halle und der Axel-Springer-Passage leuchtete frischer Drei-Sterne-Glanz. Juan Amador inspirierte bei der Goldenen Kamera das hauseigene Pace-Team von Lars Tretzack.
Zurück zum Einfachen - und das darf man dabei nicht vergessen - zum Kostengünstigen, hinein in die StäV. Rappelvoll ist es in dem weitläufigen Restaurant mit den blank gescheuerten Tischen und den unzähligen Politiker-Bildern an den Wänden. Anders als in typischen Berliner Restaurants, wo jeder nach einem freien Tisch strebt, setzt sich in der "StäV" jeder zu jedem. Kölsche Kneipen-Philosophie: "Drink doch eene met .. . .."
Natürlich bestellt man in diesen Räumen einer ehemaligen Zigarrenfabrik Hausspezialitäten: den Flammkuchen mit Blutwurst und Zwiebeln beispielsweise, oder mit zehn anderen Aromakombinationen. Und wie in der armen Zeit (nach Kriegsende) werden Reibekuchen mit Rübenkraut (Zuckerrüben-Sirup) serviert. Die Chefs des Hauses, Harald Grunert und Friedel Drautzburg, wählten die Leibgerichte aus dem Köln-Bonner Raum und ergänzten sie mit Berliner Dauerbrennern. "Himmel un Äad" ist angesagt. Mit dem rheinischen Nationalgericht ist gebratene Blutwurst mit Zwiebeln auf feinem Kartoffelpüree und Apfelkompott gemeint. Am Nebentisch wird rheinische Sülze mit Remouladensauce und Kartoffelsalat serviert.
Wir haben diesmal nicht Kölsche Hämchen (Vordereisbein) bestellt, wie das bei Rückfällen in die rheinische Nostalgie üblich ist, sondern gegrillte Schweinshaxe von mittelprächtiger Qualität. Leider war das Sauerkraut kalt, wurde aber von der aufmerksamen Bedienung sofort durch heißes ersetzt. Unberührt blieben die sogenannten Bratkartoffeln auf meinem Teller. Derart unappetitliche Leichenblässe mit Röstaromen zu segnen, kostet in der Küche keinen Cent mehr, würde aber das Produkt deutlich verbessern. Ähnliches ist bei Äpfeln und Zwiebeln zu kritisieren, die bei der gebratenen Kalbsleber als partnerschaftliche Ergänzung serviert werden.
Schlimm, dass zur Leichenblässe an diesem Karnevalsdienstag eine vergleichbare Grabesstille einherging. Die ganze Musik und die Jubelarien waren wohl am Rosenmontag total verheizt, da merkte man einen Tag später eigentlich nicht mehr, wo man war. Nur das Kölsch floss wie zu besten Zeiten. Und die Männerwelt labte sich besonders an am Rheinischen Sauerbraten, der mit (leider erkennbar aufgewärmter) Rosinen-Pumpernickel-Sauce und mit Kartoffelklößen und Apfelkompott wie in Kneipen am Rhein angerichtet war.
Nun verirren sich ja auch mal Frauen in den maskulinen Kölsch-Tempel. Da sind die bunten Salatteller mit Cherrytomaten oder die griechische Variante mit Schafskäse, auch mit marinierter Hähnchenbrust die Favoriten. Auch die Rheinische Fleischwurst frisch aus dem Sud geht weg wie warme Semmeln, pardon, "wärm' Röggelsche", um im Rheinischen zu bleiben.
Die Wochenkarte mit Gerichten zu Kantinenpreisen von 3,90 Euro aufwärts ist vom Preis-Leistungs-Verhältnis ebenso erwähnenswert wie die wechselnden Tagesmenüs mit Hauptgang und Dessert für 6,90 Euro. Am Aschermittwoch (nicht nur dem politischen) wurden Matjes nach "Hausfrauenart" fassweise verkauft. Eine gute Wahl, wieder fit zu werden, ja, wären da nicht auch schon wieder diese traurigsten aller Bratkartoffeln.
In einem Lokal diesen Zuschnitts ist das Kölsch, dieses leichte, obergärige Bier im Getränkebereich konkurrenzlos. Von der Weinkarte zu reden, wäre hier, wo der Gerstensaft ohne Unterbrechung fließt, wohl unangebracht. Der Service funktioniert hemdsärmelig, schnell und unaufgeregt. Wird einmal ein Gericht vergessen, repariert der "Köbes" (der Kölsche Kellner), und verstärkt die weibliche Servicebrigade blitzschnell. "Et hät noch immer jot jejange." Das versteht auch der Berliner. Wirklich wahr, auch in der "StäV" stimmt das einstige Motto vom Kulturforum: "Kölle goes Berlin" oder umgekehrt, ganz wie Sie wollen. Bei soviel Zuspruch würde es sich zweifelsfrei lohnen, einmal einen richtig guten Koch einzustellen oder die vorhandenen am Herd in die Schulung zu schicken, wie man auch einfache Gerichte handwerklich gut ausführen kann.
Ständige Vertretung, "StäV", Schiffbauerdamm 8, Telefon 282 39 65, täglich von 11 bis 1 Uhr geöffnet, www.staev.de

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SÜDDEUTSCHE ZEITUNG, 07.02.2008

Mitte und Midlife-Crisis: Nachtleben in Berlin

Die Stones machen auf jung, Berlin macht auf jung, wenn Mick Jagger kommt, passt also alles
- Tipps für das Berlinale-Nachtleben

Lieber Mick, du kommst in eine Stadt und in ein Alter, wo das alles nicht mehr so leicht ist. Festival-Wonneproppen Dieter Kosslick hat dich zur Berlinale eingeladen, und Du, Keith und die anderen habt zugesagt. „Shine a light“ eröffnet an diesem Donnerstag die Berlinale, ein Dokumentarfilm über die Rolling Stones. Martin Scorsese hat ihn gemacht. Man hat ja immer ein bisschen Angst, wenn Scorsese einen Film dreht, ohne dass De Niro in der Nähe ist.
Hier sagen viele, dass ein Film über die Rolling Stones in etwa so dringlich ist wie einer über Mundspülungen, aber wahrscheinlich ging es Scorsese nicht darum, einen wichtigen Film zu machen. Das sollten Dokumentarfilme ja eigentlich sein. Vermutlich hat Scorsese das Ding nur gedreht, um sich wieder jung zu fühlen. Jugend, die mal war. Schau, wie schön es früher war, ein Weißt-Du-noch-Film - das ist ja in Wahrheit der Grund, warum Du noch da bist, warum seit einiger Zeit immerzu irgendwelche Filme von toten oder fast toten Musikern im Kino laufen.
...
Nun, lieber Mick, da es bei Deinem Aufenthalt in der Stadt eigentlich um Jugend geht und Du die nächsten Tage in einer der jüngsten Hauptstädte Europas sein wirst, einer Stadt, von der alle immerzu schreiben wie wild, wie pulsierend, wie aufgedreht, ja, wie jung sie ist, hier einige Ratschläge. Eine lieb gemeinte Handreichung für das Nachtleben. Nicht mehr.
...
Die wohl entscheidende Frage für einen Popstar während der Berlinale ist, wo man hingeht. Nun, die Berliner Club-Szene wird gerade ein bisschen erwachsen, heißt es. Das bedeutet, dass die Getränke teurer werden, die Läden schicker, die Türsteher hysterischer und die Gespräche der Gäste ironischer. Viele Medienleute, Du kennst das wahrscheinlich aus London. ... Sehr angesagt ist zum Beispiel gerade die Bar Tausend. Den Laden gibt es noch nicht so lange. Der Chef will nicht, dass man die Adresse sagt. Das Ding soll geheim bleiben. Ehrlich gesagt ist das ein bisschen komisch, weil jeder weiß, wo der Laden ist. ...
... lass Dich einfach zu einer Kneipe in Mitte fahren, die Ständige Vertretung heißt - ist gleich neben dem Bahnhof Friedrichstraße - von da 20 Meter links, wo die Schlange ist. ...


EIFFELZEITUNG, Ausgabe 06 / 2008

Kinder der Eifel:

Friedhelm Drautzburg aus Wittlich

„Friedhelm Drautzburg hat Jura studiert und ist Referendar. In kurzen Abständen verlobt er sich, um möglichst viele Mädchen revolutionär zu
stimmen oder, wie er es nennt, „zu verlinkern". Da er, wie ich, einen Schnauzbart trägt, hat er mir später, als wir zusammen auf Reisen gingen, viel Händeschütteln abnehmen können." Das schrieb Günter Grass, den Drautzburg im Jahre 1970 auf einer Wahlkampfreise durch Deutschland begleitet. Über diese Reise finden sich in dem Buch „Schlagt der Äbtissin ein Schnäppchen, wählt SPD" folgende Zeilen: „Zu Beginn fuhr Grass einige Male mit der Bahn an den Ort der Tat. Sehr bald wurde ein VW-Campingbus gekauft, mit dem er durch die Lande fuhr. Dieser Bus wurde von Friedhelm Dautzburg gesteuert, einem verwegen aussehenden und fahrenden ‚Mädchen für alles’. Von Hause aus Jurist, aus Neigung Künstler, der Not gehorchend eine Zeit lang Bundesgeschäftsführer des Sozialdemokratischen Hochschul-Bundes, war er mit ausreichend vielen Wassern gewaschen und Hunden gehetzt, um mit den Zufälligkeiten und Widrigkeiten einer solchen Tournee fertig zu werden, die selbst die beste Vorbereitung nicht vermeiden kann. Drautzburg trug die Verantwortung für das Seelenheil und die körperliche Unversehrtheit von Grass. Er war Reisemarschall und Kameltreiber, Bodyguard und Adjutant, Verbindungsmann zum Bonner Büro und Organisationshilfe der örtlichen Funktionäre für den Tag der Grassschen Anwesenheit, er war Zeitungsverkäufer und Händler mit Plaketten und Plakaten." 1973 gingen Grass und Drautzburg wieder auf Wahlkampfreise. Es lag nahe, dass der Wittlicher Drautzburg seinen Freund davon überzeugte, auch in Wittlich, damals noch Diaspora für die SPD, aufzutreten. Es wurde die bis dahin größte politische Veranstaltung. Später engagierte sich Grass energisch für im Wittlicher Gefängnis einsitzende Gefangene.

Im Jahre1938 geboren, erlebt Drautzburg am 24. Dezember 1944 den schrecklichen Bombenangriff auf Wittlich. Für immer haben sich brennende Altstadt, die Kapitulation, das Hissen der weißen Fahnen, der Einmarsch der Amerikaner, später der Franzosen, das Läuten der Glocken von St. Markus in sein Gedächtnis eingegraben. Auf dem Gymnasium waren die meisten Lehrer Kriegsteilnehmer, und die Schüler bekamen keine politische Witterung mit. Beim Einmarsch der Russen in Budapest 1956 organisierte die Unterprima einen flammenden Protest auf dem Marktplatz. Als Student engagierte sich Drautzburg sofort politisch an den Unis Hamburg, Berlin, später Bonn. Prag 1968: Protest vor der sowjetischen Botschaft in Bonn. Als Bundesgeschäftsführer des Sozialistischen Hochschul-Bundes, ab 1972 als wissenschaftlicher Mitarbeiter des Bundestagsabgeordneten Dietrich Sperling (SPD) lernte er die Mechanismen politischer Strukturen und wichtige Personen kennen. Kurzzeitig macht er als Galerist für zeitgenössische Kunst Furore. Dann eröffnet er die „Schumann-Klause", Bonns bekannteste Studenten-Kneipe, deren Mythos noch heute ungebrochen ist. Insgesamt 16 Lokale hat er in Bonn gegründet. Der Umzugsbeschluss macht Drautzburg als Berlin-Gegner bundesweit bekannt. Er wird Mitgründer von „Ja-zu-Bonn", der großen Bürgerinitiative, deren Sprecher, erhält den Bonner „Bröckemännchen"-Orden ebenso wie den „Rheintal-Taler" des Landschaftsverbandes.
Aus dem Wittlicher war ein „Vorzeige-Rheinländer" geworden.

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PRESSESPIEGEL 2007




BRAUNSCHWEIGER ZEITUNG, 19.12.2007

DDR-Grenzpfähle locken Berliner Szene-Wirt an

Chef der "Ständigen Vertretung" bei Wilhelm Cardinal

Von Doris Comes
LENGEDE. Mit Kennerblick mustert Friedel Drautzburg die Sammlerstücke im Cardinalschen Haus in Lengede, um sich dann augenzwinkernd an den Hausherren zu wenden: "Diese Räume und Wände müssen unbedingt für andere Gegenstände befreit werden."
Zwei Männer mit der gleichen Leidenschaft hatten sich gestern eine Menge zu erzählen. Der Lengeder Wilhelm Cardinal, in früheren Jahren unter anderem erfolgreicher Rennfahrer, und der Rheinländer Friedel Drautzburg, bekannt als Mitinhaber der Berliner Szenekneipe Ständige Vertretung (StäV), "der" Treffpunkt am Schiffbauerdamm, mitten im Regierungsviertel. Die StäV feierte in diesem Jahr ihr zehnjähriges Bestehen.
Auch im StäV sind die Wände voller historischer Dokumente, aus Zeiten der "Bonner Republik" aber auch der ehemaligen DDR, zusammengetragen von Friedel Drautzburg. "Die StäV ist ein geschichtliches Lesebuch", sagt er.
Kein Wunder also, dass der Gastronom auf einen "wundervollen Hinweis" von Wilhelm Cardinal – in seinem Besitz befindliche sechs original DDR-Grenzpfähle – ansprang. Es gab Telefonate, bei denen der Besitzerwechsel perfekt gemacht und die Neugier des Gastronomen mit den Cardinal-Worten "Ich hab noch mehr" geweckt wurde.
Am Montag klingelte bei Cardinals das Telefon, und Drautzburg kündigte sich für Dienstag an. Der Rest der Geschichte: Große Freude bei dem Gast aus Berlin über viele weitere "Fundstücke" aus DDR-Zeiten im Besitz des Lengeders, ein angeregtes Gespräch und nach drei Stunden ging es zurück nach Berlin. Eines allerdings ist sicher: Wenn die Betongrenzpfähle mit dem Lkw abgeholt werden, wird es noch andere Gegenstände geben, die von Lengede nach Berlin umziehen.
Einer der Grenzpfähle wird im Frühjahr nach Köln reisen. Denn inzwischen gibt es fünf "StäV‘s", die sechste soll in Köln eröffnet werden, berichtet Drautzburg.
Eine erfolgreiche "Regierungs-Gastronomie" betrieb der 1938 in der Eifel geborene Drautzburg mit seinem Partner bereits in Bonn.
Der Mann mit dem markanten Schnauzbart war vehementer Streiter für Bonn als Regierungssitz. "Doch Journalisten, die laut darüber nachdachten,
was sie ohne uns in Berlin anfangen sollten, gaben dann den Anstoß für unseren Umzug", berichtet Drautzburg. Das Erfolgsmodell StäV war geboren.

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Food Service 11/2007

Rheinland meets Regierungssitz: Die Ständige Vertretung von Friedel Drautzburg und Harald Grunert, kurz StäV, feiert in diesem Jahr ihr Zehnjähriges an der Spree. Zum Jubiläum: Ein Porträt des polit-gastronomischen Phänomens und seiner Macher – mit heute vier Ablegern und weiteren in Aussicht.













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FOOD-SERVICE NOVEMBER 2007

 

 


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> 10 Jahre StäV in Berlin:

Am 13. September 2008 wurde gefeiert - mit rund 1500 Gästen, DeHöhner, dem Vize-Kanzler und vielen weiteren Prominenten und Freunden im Thomas-Dehler-Haus unweit der StäV am Schiffbauerdamm

 

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HELSINKI SANOMAT - 13.09.2007

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KÖLNER EXPRESS, 14.09.2007

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Cafe-future.net / Redaktion food-service / Branchennews  14.09.2007

StaeV: Buch zum 10. Geburtstag

Ein Restaurant wird spätestens dann zur Legende, wenn es sein eigenes Buch bekommt: Bei der Berliner ’Ständigen Vertretung’, liebevoll ’StaeV’ genannt, ist es bereits zum 10. Geburtstag so weit. Pünktlich zum Jubiläum erschien in dieser Woche ’Das Phänomen StaeV: Ständige Vertretung – Brücke zwischen Rhein und Spree’. Von Rüdiger von Woikowksy mit Fotografien von Frank Ossenbrink.
Nachdem der Bundestag 1991 den Regierungsumzug von Bonn nach Berlin beschlossen hatte, transferierten die beiden Bonner Gastronomen Friedel Drautzburg und Harald Grunert das von vielen Politikern und Regierungsbeamten so geliebte rheinische Lebensgefühl an die Spree: 1997 eröffneten sie am Schiffbauerdamm mitten im neuen Regierungsviertel die Ständige Vertretung - bald der angesagteste Treffpunkt für die Berliner Politprominenz.
Das Buch erzählt die einzigartige Erfolgsgeschichte des Restaurants, entführt den Leser mit einer detaillierten Beschreibung des StaeV-Innenlebens an den Ort vielfältigen politischen Geschehens und lässt prominente Gäste zu Wort kommen, um dem Phänomen StaeV auf den Grund zu gehen. Gastbeiträge lieferten u.a. die Bläck Fööss, Wolfgang Niedecken, Ulrich Wickert, Guido Westerwelle und Gerhard Schröder. Autor Rüdiger von Woikowksy war 18 Jahre lang Redakteur und 6 Jahr Chef vom Dienst bei der ’Welt’ in Bonn. Er hat die Ständige Vertretung von Anfang an aus nächster Nähe begleitet.

direkt zum Phänomen Stäv

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BILD, 14.09.2007

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GENERAL-ANZEIGER (Bonn), 14.09.2007

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RHEIN-ZETUNG (Koblenz), 15.09.2007

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Berliner Morgenpost 13.09.2007

Rheinische Heimat in der Fremde

Das Buch "Phänomen StäV" würdigt die

Gastro-Institution zum 10. Geburtstag


Von Mathias Stengel
Eine gastronomische Institution feiert ihren zehnten Geburtstag, und ein Buch begleitet den Jahrestag. Längst ist die "Ständige Vertretung - StäV" am Schiffbauerdamm 8 in Mitte zum Bollwerk rheinischen Frohsinns und zur Trutzburg heimatvertriebener Bonner Politiker geworden. Wer auf sich hält und zur rheinischen Clique gehören will, kommt um die urgemütliche Schänke mit vielen auf Berliner leicht exotisch wirkenden rheinischen "Gourmet-Highlights" wie Flammekuchen, "Himmel und Ääd" und Kölsch nicht herum. Die StäV ist das heimliche Machtzentrum geworden, wo Politik außerhalb des Parlaments gemacht wird, wo Netzwerker ihre Fäden spinnen.

Bonner Urgesteine

Eigentlich immer gut gefüllt, ist die StäV zur Karnevalszeit bis zum Überquellen ausgebucht und somit längst kein Geheimtipp mehr. Zuzuschreiben ist der anhaltende Erfolg sicher auch den StäV-Protagonisten und Bonner Urgesteinen Friedel Drautzburg und Harald Grunert. Denn schon als kurz nach dem Mauerfall der Deutsche Bundestag mit knapper Mehrheit beschloss, dass Berlin Bundeshauptstadt werden sollte, kehrte nach anfänglicher Depression bei Friedel Drautzburg, dem Sprecher der großen Bürgerinitiative "Ja zu Bonn", wieder Optimismus ein.
Drautzburg betrieb mit Grunert bereits mehrere Lokale in Bonn. Viele Gäste stammten aus dem politischen Umfeld, insbesondere Journalisten zählten seit je zu den Stammgästen. Folglich begann die Diskussion, wer alles nach Berlin umziehen müsse. Wirte und Gäste kamen auf den Einfall, in Berlin ein rheinisches Kölschlokal zu eröffnen.
Das Lokal mit dem Namen "Ständige Vertretung (StäV)" öffnete im Herbst 1997 und wurde schnell Anziehungspunkt im neuen Berliner Regierungs- und Medienviertel. Es transportierte die Geschichte Bonns, die erfolgreichen frühen Jahre der Bundesrepublik, die "Rheinische Leichtigkeit des Seins", verbindet Kölschkneipendunst erfolgreich mit Heimweh und "rheinischer Gefühligkeit" im noch fremden Berlin.
Die Bekanntheit der beiden Gastronomen ermöglichte es, den im Rheinland heiß geliebten Karneval fest in Berlin zu etablieren und StäV auch deshalb in Stadt und Land bekannt zu machen.
Das gastronomische Konzept ging voll auf, und als 1998 der Regierungs-Umzug begann, war die StäV der Anlaufpunkt für alle heimatvertriebenen Bonner Politiker, Abgeordneten, Beamte, Journalisten, Lobbyisten, Diplomaten und den ganze Regierungstross. Mutige Kollegen gründeten zunächst in Hamburg, später in Hannover eine "

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KÖLNER EXPRESS, 10.03.2007

 

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DIE WELT, 20.02.2007

Kölner Grundgesetz

Was man im Karneval über die Mentalität des Dom-Städters lernen kann - Kleine Kulturgeschichte des rheinischen Frohsinns

Dieser Kölner Karneval hätte um ein Haar rund um eine Art Katastrophe getanzt. "Der FC", wie der Fußballverein mit dem Geissbock-Maskottche
in der Domstadt genannt wird, verlor am Sonntag bei Rot-Weiß Essen 5:0. Nun ist es in Köln so, dass der FC verlieren darf. Er durfte in die Zweite Liga absteigen, muss auch nicht sofort wieder aufsteigen und darf trotzdem auf voll besetzte Ränge und treue Fans vertrauen. "Et es wie't es", befindet Artikel eins des rheinischen Grundgesetzes irgendwo zwischen Schicksalsergebenheit und Antriebslosigkeit. Aber der FC darf sich nicht blamieren,
und das hat er bei den abstiegsgefährdeten Essenern sehr wohl getan. "Schämt euch, ihr Pappnasen!", befahl darum der "Express" und verpasste
den Spielern und ihrem Trainer Christoph Daum auf der Titelseite dieses karnevalistische Accessoire. "Deppen alaaf!", hieß es dazu. Aber damit war die Fast-Katastrophe schon wieder in die närrische Zeit eingewoben. "Do laachse dich kapott", erklärt der elfte und letzte Artikel des überschaubaren Grundgesetzes dem Rheinländer. Will also heißen: Wenn sich der FC so richtig blamiert, ist das die schlimmste Sache auf der Welt. Aber auch
wieder nicht so schlimm, dass man nicht am nächsten Tag im Rosenmontagszug darüber schon wieder prima Witze machen kann.
"Dat Hätz vun der Welt, jo dat is Kölle, dat Hätz vun der Welt, dat schlät am Rhin" - das singen die Höhner. Fast jeder Kölner wird ihnen zustimmen.

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PRESSESPIEGEL 2006




BERLINER ZEITUNG, 30.09.2006

Armes Bonn?

Der Regierungsumzug versetzte die Stadt in Schreckstarre. Inzwischen hat man sich ganz gut mit der Situation arrangiert.

Ein Blick zurück ohne Zorn

Hans Wallow
Als am 20. Juni 1991 kurz nach 22 Uhr die Beifallsstürme der siegreichen Berlinfraktion nach der Entscheidung über die zukünftige Hauptstadt der Bundesrepublik Deutschland abebbten, verlor der sonst würdevolle Saaldiener Werner Tondorf aus Bonn-Lannesdorf die Fassung. Unter lautem Schluchzen schrie er zornig: "Die Bahnschranken und der ewige Stau auf der B9! Deshalb is datt schief gegangen! Dauernd sind die Schranken zu! Ständig is Stau auf der B9! Da jibt et hier nur eine breite Straße, und die flicken ständig dran herum, seit den alten Römern wird da gebuddelt!"
So wie der befrackte Saaldiener fühlte wohl auch der Korrespondent der italienischen Zeitung "Luca Romano", als er über das Bundesdorf schrieb: "Bonn ist die einzige Hauptstadt der Welt, die durch eine Eisenbahn zweigeteilt ist. Um im Zentrum die Straße zu überqueren, muss man warten, dass sich die beschrankten Bahnübergänge öffnen. Und das dauert oft lange." Und zum Wahlkampf um die Hauptstadt meinte er: "Sie kämpfen wie wilde Tiere, auf die Bonner Art, nicht auf die Berliner Art. Das heißt, im Umfang ihres Dorfes." Wahr ist, was wirkt.
Von derlei Argumenten war in der elfstündigen Debatte der Parlamentarier nichts zu hören, man hatte in guter deutscher Tradition Höheres im Sinn. Den Politikern ging es um die Identität des größer gewordenen Deutschlands. Dabei befürchteten die Umzugsgegner, mit Berlin als Hauptstadt käme eine Neuauflage preußischer Kommandowirtschaft, während die Berlinbefürworter behaupteten, nur in der verarmten Metropole werde die Politik endlich die Sorgen der kleinen Leute erkennen und vor allem die Probleme des Ostens angehen. Für die einen war Berlin durch Preußen-Nostalgie, Nazi-Verbrechen, SED-Diktatur und kalten Krieg zu rückwärts orientiert, während die anderen, angeführt von der Spitze der damaligen politischen Klasse, an eine prächtige, symbolisch wirkende Hauptstadt glaubten. An ein Haupt, das die Glieder lenkt. In Bonn fehlten ihnen die steinernen Kulissen für ein virtuelles Staatstheater, das bedrohliche Mausgrau der Ministerien.
Aber da wird wohl auch mehr gebastelt als gelenkt.
Nach sechs Jahren des praktischen Regierens in Berlin wissen wir: In Hartz IV, der Gesundheitsreform, den Steuererhöhungen und bildungspolitischer Kleinstaaterei ist kein neuer politischer Stil zu erkennen. Die Reparaturarbeiten mit Beginn der Massenarbeitslosigkeit wären auch von Entenhausen aus zu organisieren gewesen.
Der Umzugswahlkampf war wohl eine zu heiß gelaufene Propagandaschlacht. Die Frage, ob sich da nun Argumente wirklich durchgesetzt haben, eignet sich nur noch als Stoff für Streit unter Historikern. Vielleicht ist das aber auch eine Aufgabe für die Seelenforscher, denn nach Sigmund Freud hat sich im Menschen eine entwicklungsgeschichtliche Anlage erhalten, nach der sich die autoritätssüchtigen Massenindividuen total der Herrschaftswillkür eines Urvaters ergeben. Und die Mehrzahl der Alphamännchen von Brandt bis Kohl war eben für Berlin. Undemokratisch war das nicht, denn Spitzenpolitiker verkörpern auch immer die Neurosen der Gesellschaft.
Tempi passati für Bonn?
Keinesfalls, denn die Berlindebatte mit der anschließenden Bauchentscheidung ist für Bonn ein solides Geschäft geworden. In der Stunde Null gab es weder für Berlin noch für die Bonner Region eine seriöse Folgenabschätzung. Die wird wohl nur bei Straßentunneln für Krötenwanderungen gemacht.
Zunächst hat es Monate gedauert, bis es den Bundespolitikern aus der Bonner Region gelang, die Verantwortlichen der Stadt aus ihrer Schreckstarre aufzuwecken. Sie hatten sich nie, wie im übrigen auch das zweigeteilte Berlin, um eine regionale Wirtschaftsstruktur kümmern müssen. Statt schlüssiger Konzepte hörte man aus den Trauerreden der Montagsdemos auf dem Bonner Marktplatz immer nur neue Wünsche.
Der Entscheidungszwang formte dann allmählich eine Parteienkoalition der mächtigen NRW-Landesverbände von CDU und SPD, die das Bonn-Berlin-Gesetz mit seinen Ausgleichsregeln für Bonn durchsetzten.
Mit diesem Gesetz wurde eine faire Arbeitsteilung zwischen den beiden Städten geregelt. Und um den Wegzug von Regierung, Parlament, Botschaften sowie von Medien und Verbänden auszugleichen, hat man 21 Bundesbehörden aus der Republik nach Bonn verlegt. Sechs Ministerien behielten ihren Dienstsitz in Bonn.
Zusätzlich wurde dann noch die satte Summe von 1,4 Milliarden Euro vom Bund - sprich dem Steuerzahler - über die Region für eine politikfreie Zukunft ausgeschüttet. Mit der Umwandlung des Postministeriums in die privaten Nachfolgeaktiengesellschaften Telekom und Post mit dem Konzernsitz in Bonn gelang ein weiterer lukrativer Schachzug.
Die Bonner Bürger reagierten trotzdem sehr unterschiedlich: Die Herrenausstatter setzten die Preise herunter, Juweliere bedienten wieder freundlich, aber die Taxifahrer und Kneipenwirte fluchten weiter auf die da oben. Während die Makler vom umzugsbedingten Riesengeschäft noch keine Witterung aufgenommen hatten, meldete der schlaue Bonner Wirt des Restaurants "Amadeus" eine Kneipenkonzession beim Bezirksamt in Berlin-Mitte an. Dort serviert der ehemalige "Bonn-Kämpfer" inmitten seines betuchten Publikums in der "Ständigen Vertretung des Rheinlandes" (genannt STÄV) "Himmel und Äd" und Kölsch vom Fass. Sein Kollege Guntram Fischer dagegen antwortete mit rührendem Trotz. An der Bonner Adenauerallee eröffnete er das "bescheidene Gasthaus" namens "Bonner Republik". Allerdings verbot ihm das Bundesverwaltungsamt in Köln, den Namen des Lokals mit dem Bundesadler zu zieren. Nun schmückt ihn ein dickes weißes Huhn, Anspielung an die "fette Henne", so wurde der Bundesadler genannt, der im ersten Bonner Plenarsaal über der Regierungsbank prangte. In der "Bonner Republik" kann der Gast unter dem Porträt von Konrad Adenauer mit roter Jeckennase "Steinbeißerfilet à la Stoiber mit Limonensoße" oder "Rinderroulade à la Rosemarie Nitribitt" genießen.
Währenddessen schwelgte man im Berliner Senat in Bedeutungsträumen und Visionen vom großen Geldsegen aus dem dicken Steuertopf der Bundeskasse. Der "Spiegel" sekundierte und sah Berlin gar als ein "Labor der Zukunft": "Wo sonst Skepsis herrschte, ist hier Aufbruch." "Wo sonst Lähmung lastete, blüht der Spaß am Neuen."
Diese Symbiose aus romantisierenden Schwärmern von Politikern, Schreibern wie Kulturfuzzis war offenbar blind für die ökonomischen Realitäten der einst wichtigsten europäischen Industriemetropole. In dem heutigen Ballungszentrum, bestehend aus vielen kleinen Städten und einverleibten Dörfern mit einem verarmten Umland, sind fast alle Ansätze der früheren Produktivität ausgelöscht. Nur ein Jahr nach dem Jubel über die Berlin-Entscheidung begann der Niedergang der dort stark präsenten New Economy.
Die Mehrheit der oft geschmähten Provinzler wird die Stadt in Zukunft alimentieren müssen. Den fixen Lokalpatrioten, die von ihren drei Opern schwärmen und die Berliner Luft besingen, sei aus der Provinz gesagt: Eine fabelhaft, szenige Stadt schafft noch keinen Mehrwert. Sexy und arm hilft keinem Arbeitslosen.
Wer glaubte, dass die Bundesregierung mit ihrem Gefolge bei der Aufnahme der Amtsgeschäfte in der "weltoffenen, toleranten" Stadt laut Senatsprospekt empfangen worden wäre, sah sich enttäuscht. Der große Treck aus Politikern, Beamten, Journalisten und Funktionären, der in den polierten Betonklötzen in Berlin-Mitte Quartier machte, stieß auf geballtes Misstrauen, ja sogar Ablehnung der Ortsansässigen. Das musste auch der Bonn-Emigrant Friedel Drautzburg erleben: "Bonner verpisst Euch" stand wenige Tage nach der Renovierung auf der Hauswand seiner "Ständigen Vertretung", die jetzt zum Treffpunkt vieler Bonn-Emigranten aufgestiegen ist. Die Begründung lieferten die Sprayer gleich mit: "Kiez gleich STÄV gleich Yuppies". Der Gastronom verstand die Welt nicht mehr und jammerte vor Journalistenfreunden: "Wir übernehmen hier Läden, die ewig leer stehen, und schaffen damit Arbeitsplätze."
Aus Angst vor steigenden Mieten wollten die Bewohner zwischen dem Bahnhof-Friedrichstraße und dem Hackeschen Markt keine Veränderung durch die Gutmenschen aus Bonn. Die übrigens fast alle keine Ur-Bonner waren, sondern aus allen deutschen Landen in die ehemalige Bundeshauptstadt am Rhein gespült wurden.
So mancher Neuankömmling rieb sich auch die Augen, als er bei der Wohnungssuche im Anzeigenteil einer Berliner Zeitung las: "Luxusappartement Unter den Linden zu vermieten - auch für Bonner!" - War das nun ein Vorkämpfer gegen die Fremdenfeindlichkeit oder ein Abzocker? Die Leuchtreklame des regionalen Fernsehsenders BTV "Keine Angst, Bonner haben noch nie viel verändert" wirkte auf die Berliner nicht beruhigend. Im Hinblick auf Berlin-Mitte war das wohl eine Fehleinschätzung.
Trotzdem wird der Berliner Schriftsteller Peter Schneider Recht behalten, als er im Kursbuch 137 für die aus Bonn eingeflogene Politikprominenz prophezeite, "dass sie es neben zahlreichen Minoritäten - Ausländer, Schwule, Lesben, Alternative, Autonome, Sprayer, PDS-Wähler, Radikale aller Sparten, Künstler, DDR-Nostalgiker, Hundehalter - nur zum Status einer weiteren Minderheit bringen könnten und nicht besonders auffallen".
Die Spree-Athener waren wohl immer zu weit weg vom Rhein, um die Konsensdemokratie, den Wesenskern des rheinischen Kapitalismus, mit seinen Spielregeln zu begreifen. Bei diesen Regeln, auch gelegentlich Kungelei genannt, rangiert der Konsens vor dem öffentlich zur Schau gestellten Effizienzgebaren der Politiker. Dieser Stil konnte nur im vertraulichen Gespräch die volle Wirkung entfalten - Handy, Fax und E-mail sind dazu ungeeignet, denn nachhaltige Konsenspolitik braucht kurze Wege und ein gemütliches Plätzchen, die Edelkantine Restaurant "Borchardt" am Gendarmenmarkt oder das "Café Einstein" Unter den Linden sind dafür genau richtig.
Das lernten die Neuberliner der politischen Klasse schon im politischen Vorschulalter in Bonn. Nur da waren sie in den Bonner Lokalen weniger unter sich. Die Zugereisten haben aber nicht nur die Lokalitäten in Berlin-Mitte besetzt, sondern auch das Regierungsviertel in Fahrradweiten zwischen Wohnung und Arbeitsplatz vermessen. Es ist beinahe so, als ob sie am Kollwitzplatz oder in der Schönhauser Allee ihre Bonner Südstadt wiederfinden wollten.
Selbst die Zwangsübersiedelten stellen heute nüchtern fest, dass die manchmal bizarre Diskussion mit schrillen Befürchtungen und abenteuerlichen Hoffnungen einer praktischen Betrachtung gewichen ist. Es ist wohl richtig, dass Berlin die Größe und Niederlagen des vereinten Deutschlands symbolisiert. Die Stadt mit preußischem Militarismus und Nazi-Barbarei und der kommunistischen Erziehungsdiktatur gleichzusetzen war so falsch, wie Bonn als verschlafene Provinzidylle abzutun. Es ist eine Großstadt mit über 300 000 Einwohnern.
Aber auch nach formalen Kriterien war Bonn niemals eine Hauptstadt. Wiederum war es etwas mehr als eine gut funktionierende Verwaltungszentrale in einem föderalistisch organisierten Staat.
Es gab nie eine "Bonner Republik", sondern eine unfertige, deutsche Demokratie. Deshalb heißt selbst der schicke Neubau der ehemaligen Parteizentrale der Sozialdemokraten im Volksmund bis heute: "SPD-Baracke". Die sieben Pressehäuser - mittlerweile wie die traditionsreiche Parlamentarische Gesellschaft plattgemacht - nannte man: "Presse-Baracken". Man arbeitete in einem Provisorium ohne kreischenden Bedeutungswillen. Trotz aller Klimaunterschiede bei den wechselnden Regierungen traten die Politiker im Bundesdorf "eher als Gäste auf", in Berlin-Mitte wirken sie wie in die Pleite gerutschte Eigentümer.
Im Bonner Parlament wurde nicht nur ein soziales Gewissen verankert, sondern auch Typen wie Joseph Fischer zumindest ansatzweise demokratisch resozialisiert. So ließ er die legendäre Beschimpfung des Vizepräsidenten Richard Stücklen flugs aus dem Protokoll streichen. Für drei Tage wurde er von den Sitzungen des hohen Hauses ausgeschlossen. Im Berliner Reichstag geht es dagegen brav und sittsam zu.
Nur der Erfinder der "Berliner Republik", Gerhard Schröder, fühlte sich 1980 als junger Bundestagsabgeordneter im Regierungsviertel unangemessen beachtet und flüchtete in eine zunächst verpatzte Kandidatur zum Ministerpräsidenten nach Niedersachsen. Nicht von Berlin, sondern schon von Bonn aus betrieb er gemeinsam mit Fischer durch die Kampfeinsätze von 14 Tornados in Jugoslawien die Militarisierung der Außenpolitik. Dabei hatten die beiden Berlin und den Weltsicherheitsrat der UNO fest in den Augen.
Zweifellos hat es die problembeladene Hauptstadt viel schwerer, in eine erfolgreiche Zukunft zu starten, als die Bonner Region. Denn die Wirtschaftskraft Europas liegt in der sogenannten "blauen Banane" zwischen London, Brüssel und Mailand. Diese Lage ist für die Region eine ideale Voraussetzung für einen international ausgerichteten Wirtschaftswandel.
Schon heute arbeiten 35 000 Menschen in dem ehemaligen Regierungsviertel für Post, Telekom, Deutsche Welle und UNO-Sekretariate. Das sind mehr Beschäftigte als vor dem Umzug. Wen kümmert es da, dass die geplante Wissenschaftsregion Bonn fehlgeschlagen ist. Man hat die 380 Millionen Euro für das Projekt CAESAR (Center for Advanced European Studies and Research) in Beton statt in Köpfe oder intelligente Projekte investiert.
Aber auch die Berliner lassen in den Wiederaufbau des Stadtschlosses investieren. Der mündige Steuerbürger wird es für beide Städte schon richten.
Die Bonner Lokalpolitiker sind mit Erfolgsmeldungen zurückhaltend. Denn die würden garantiert stärkere Begehrlichkeiten aus Berlin nach den sechs verbliebenen Ministerien auslösen. Deshalb liegen bei derartigen Forderungen der Berliner Politiker die in Bonn verbliebenen Ministerialbeamten wie die Hasen in der Ackerfurche und denken: "Et is noch immer alles jut gegangen."
Sie hoffen darauf, dass die umtriebige Oberbürgermeisterin alle aus dem Osten kommenden politischen Unwetter weglächelt. Im Ernst: Sie sollte ihren Besitzstand - die sechs verbliebenen Ministerien - unter einer Bedingung verschenken: Für eine Reform der Bundesverwaltung.
Zweifellos war die vertikale Aufteilung der Regierung auf zwei Städte auch für den Autor, der 1991 als Bundestagsabgeordneter entschieden für Bonn eingetreten ist, grober Unfug. Diese Entscheidung war mehr Ausdruck eines schlechten Gewissens der politischen Führungen als von Rationalität getragen. Vielleicht ist aber die durch den Haushaltsausschuss des Bundestages angestoßene Diskussion über die Verlagerung der sechs in Bonn verbliebenen Ministerien die letzte Gelegenheit zur Modernisierung und Reform der gesamten Bundesverwaltung.
Seit 1949 haben sich die 16 Ministerien einschließlich des Kanzleramtes zu einem bürokratischen Monster mit über 21 000 Beschäftigten aufgebläht. Die Apparate, die jährlich 1,34 Milliarden Euro kosten, arbeiten schwerfällig und sind mit Methoden aus dem vorigen Jahrhundert kaum noch steuerbar.
Schon vor der Arbeitsaufnahme der Bundesregierung in Berlin im September 1999 forderten Experten, die Gelegenheit des Umzugs zu nutzen, um den Koloss zu verkleinern und vor allem zu modernisieren. Die meisten Industriestaaten haben seit Ende der 80er Jahre ihre obersten Verwaltungen rationalisiert. In Berichten der OECD über das "new public management" in 25 Mitgliedsländern kann Deutschland mit keinem einzigen Projekt punkten. Dabei ist eine Verwaltungsreform rein organisatorisch einfach durchzuführen. Nach den Kriterien des Bundesrechnungshofs (BRH), der zugleich Rationalisierungsbeauftragter der Bundesverwaltung ist, muss ein Referat als unterste Arbeitseinheit in einem Ministerium einen kontinuierlichen Arbeitsbezug zu den Gesetzgebungsverfahren aufweisen. Bei zirka 40 Prozent der Arbeitseinheiten ist das nicht der Fall. Fast die Hälfte aller Referatsleiter haben kaum etwas zu leiten. Sie beaufsichtigen im Durchschnitt weniger als vier Sachbearbeiter.
Der Rechnungshof rügt regelmäßig diesen kleinteiligen Aufbau, der nur dazu dient, den Stellenkegel im höheren Dienst zu verbreitern. Für Fachleute liegt eine betriebswirtschaftlich effiziente Spanne bei einem Vorgesetzten zu zwölf Mitarbeitern. So wie zum Beispiel das Referat Wasserstraßenmanagement (Binnen) oder das Referat Wasserstraßenmanagement (Küste) im Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung haben viele Arbeitseinheiten rein verwaltenden Charakter. Hunderte solcher Arbeitseinheiten könnten in nachgeordnete Bundesbehörden integriert oder umgewandelt werden.
Schon seit Jahren fordert der Potsdamer Verwaltungswissenschaftler Professor W. Jann, diesen einfachen Grundsatz politisch durchzusetzen: "Ministeriale sollen Gesetze vorbereiten, die Verwaltung kontrollieren und internationale Politik gestalten." Basta.
In Europa gelten die auf "policy making" reduzierten Ministerien als Vorbild: "Ihr müsst doch krank oder verrückt sein", meinte der Rotterdamer Uniprofessor Walter Kickart drastisch, dass ihr "euch immer noch nicht bewegt".
Und zur Spaltung der Regierung meinte der Afrika-Experte Nils Breyer aus dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit: "Man lebt sich auseinander."
Die Bonner Oberbürgermeisterin, die Bonner Stadtverwaltung und die NRW-Landesgruppen der regierenden Parteien von CDU und SPD wären gut beraten, das kleinkarierte Besitzstandsdenken aufzugeben, um sich an die Spitze einer Reformbewegung zu setzen, die diesen Namen auch verdient. Noch ist für die sechs Ministerien etwas einzuhandeln.
Der Geist der Jugendjahre der Republik in Bonn geht damit nicht verloren. Er steht nach der Nazi-Diktatur und der kommunistischen Oligarchie für ein positives Deutschlandbild in der Welt. Diese Bonner Vergangenheit hat dem Land einen wirklichen Wert gegeben. Das ist die Tradition, die auch in Berlin zu pflegen ist.
Jürgen Habermas, der deutsche Philosoph mit Weltgeltung, empfahl dem gerade nach Berlin umgezogenen Bundeskanzler Schröder persönlich, den Übergang so zu gestalten, dass die "politische Kultur der alten Republik nicht verloren geht".

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Hans Wallow war drei Legislaturperioden lang Bundestagsabgeordneter in der SPD-Fraktion. Er lebt als freier Autor in Bonn.

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DEUTSCHLANDRADIO KULTUR, 07.09.2006

StäV-Wirte nehmen Umzugsforderungen nicht ernst

Gelassenheit in der "Ständigen Vertretung"

Von Gerd Brendel

Wieder einmal wird der Ruf nach dem endgültigen Umzug des gesamten Regierungsbetriebs von Bonn nach Berlin laut: Der Ur-Rheinländer Harald Grunert und sein Kompagnon Friedel Trautzburg haben ihn wahrgemacht, als sie mit ihrer Kneipenrepublik vor fast zehn Jahren vom Rhein an die Spree zogen und ihre "Ständige Vertretung" als inoffizielle Botschaft heimatvertriebener Regierungsbonner am Schiffbauerdamm eröffneten.

"Also pendeln wir nicht, und haben unseren Betrieb in Bonn aufgegeben."

Das wovon in den letzten Tagen ein paar Abgeordnete laut träumten: Den endgültigen Umzug des gesamten Regierungsbetriebs von Bonn nach Berlin: Der Ur-Rheinländer Harald Grunert und sein Kompagnon Friedel Trautzburg haben ihn wahrgemacht, als sie mit ihrer Kneipenrepublik vor fast zehn Jahren vom Rhein an die Spree zogen und ihre "Ständige Vertretung" als inoffizielle Botschaft heimatvertriebener Regierungsbonner am Schiffbauerdamm eröffneten.

"Die Entscheidung die wir 1997 getroffen haben, nach Berlin zu gehen und unsere Lokale aufzugeben, war eine Entscheidung, die fast unter dem Druck der Gäste stattgefunden hat."

Dass jetzt die in Bonn verbliebenen Ministerialbeamten ihrer Lieblingskneipe hinterher ziehen sollen - unter dem Druck der wahlweise Opposition, der Steuerzahler oder Berliner Lokalpolitiker - hat Harald Grunert schon zu oft gehört, als dass er die Meldungen wirklich ernst nehmen könnte.

"Die Gerüchteküche, die alle zwei Jahre seit dem Umzug durch die Republik geistert, fängt immer damit an, dass jemand ganz laut ruft: Es ist zu teuer, wir müssen jetzt mal sehen, dass alle anderen Ministerien nachziehen."

Unter Grunerts Stammgästen aus der Politik halten sich Pendler und Neu-Berliner die Waage. Die Stimmung sei entspannt. Und als entspannteste Gruppe erlebt der Gastronom die Beamten mit festem Bonner Wohnsitz im Berliner Pendler-Feierabend:

"Die Pendler die in Bonn leben, und ab und zu in Berlin sind, die kommen schon gerne hierher, weil sie die Kollegen treffen, die immer hier sind ... und auf der anderen Seite …"

Und auf der anderen Seite lässt sich das Feierabend-Kölsch auch viel unbeschwerter genießen, wenn keine Familie im Bad Godesberger Reihenhäuschen mit dem Abendessen wartet, sondern nur das einsame Hotelbett. Mehrkosten hin oder her - so bleibt wenigstens gewährleistet dass die Beamten nicht im Kleinfamilien-Elfenbeinturm verschwinden und den Kontakt zur Bevölkerung nicht verlieren. Und sollte sie zu später Stunde in ihrer Lieblingskneipe mal das schlechte Gewissen plagen, von wegen all der teuren Spesengelder für die ganze Pendelei, dann erfahren sie auf dem Herren-WC Erleichterung: Da hängen die Nachrichten über den teilweisen Regierungsumzug schwarz auf weiß.

"Wir sind jetzt hier in unserer Herren-Toilette und hier an den Wänden sind die Ausgaben des Kölner Stadt-Anzeigers und des Bonner General-Anzeigers vom Tag der Entscheidung. Wir reden vom 23. Juni 1993, wo die Entscheidung fiel: Bonn oder Berlin. Hier hat mal eben auch mal Zeit zu lesen ... den Antrag für Berlin weiterzugeben."

Und falls der seltene Fall eintreten sollte, dass Politiker sich über einmal beschlossene Gesetze hinweg setzen sollten: Die Kölsch-Versorgung der Hauptstadt bleibt gewährleistet. Da ist sich Harald Grunert ganz sicher. Prost.
 
Wie im Rheinland: Karnevalsbeginn in der Berliner Kneipe "Ständige Vertretung" (Bild: AP Archiv)

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WESTFÄLISCHE ZEITUNG, 25.07.06

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HP / DE TIJD (Niederlande),  07.07.2006, Seite 75 - 78

 

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WAIHDE (Zeitung aus Finnland), 22.06.06

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SYKER KREISZEITUNG, 02.08.2006

Theo und die Theologen

Wortspiele und Versprecher bei "Nordwest vor Ort" zum Thema Jakobsweg

Von Alice Bachmann

BREMEN. Als Kuppler betätigte sich Moderator Theo Schlüter gestern in seiner Sendung "Nordwest vor Ort" im Bremer Presseclub, die auch "Theo und die Theologen" hätte heißen können. Da es in der direkt im Radio übertragenen morgendlichen Gesprächsrunde um Einrichtungen ging, die den Namen des Apostels Jakobus tragen, ist das altdeutsche Wort "Kuppler" sicher die bessere Wahl, als es das moderne "Netzwerker" wäre. Überhaupt bot das Thema reichlich Anlässe für Wortspiele, die Schlüter gern nutzte, auf die seine Gesprächspartner aber selten eingingen.
Zunächst allerdings stieg der Moderator mit einem Versprecher ein, der sicherlich auf das unermüdliche Wirken Wilhelm Tackes, des Sprechers der Katholischen Kirche Bremens,
zurückzuführen ist. Ansgar Lüttel ist der Bremer Propst, was - wie Tacke immer wieder betont - mit zwei p geschrieben wird. Schlüter machte Lüttel zum "Papst der Bremer Katholiken".
Carl Kau, Leiter der Commerzbank in Bremen und Vorstand des Bremer Bankvereins, musste sich die Frage Schlüters gefallen lassen, ob er als Bankmanager auf dem spanischen Jakobsweg pilgern wolle, um von seinen Sünden reingewaschen zu werden. Dr. Karl Mahlert von der Bremer Bruderschaft Jacobi Majoris, die gerade ihr 350-jähriges Bestehen feierte,
wies sogleich darauf hin, dass neben dem katholischen Glauben vom Sündenerlass früher auch Verbrechern, die den Jakobsweg wanderten und zurückkamen, ihre Strafen erlassen wurden. Mahlert, der mittlerweile auf eine Lebenserfahrung von neun Jahrzehnten zurückblickt, beeindruckte mit seinen kurzen Erklärungen über die im nachreformatorischen Bremen gegründete Bruderschaft, die eher aus Zufall den Namen eines katholischen Heiligen trägt.
Weder Lüttel noch Mahlert gingen auf Schlüters Hinweis ein, Reichtum und Rotwein seien vor Jahrhunderten durch die Pilger nach Bremen gekommen. Und auch Friedel Drautzburg, Gastronom mit mehreren Lokalen in Großstädten, wollte nicht vom Wein reden, sondern von seinen Erfahrungen durch das Pilgern. Schließlich handele er nur vordergründig mit Spirituosen, erklärte Drautzburg, der das Pilgern mehr spirituell denn religiös nennen mochte. "Wir verkaufen Lebensqualität", so Drautzburg. Eine Darstellung, der sich Kau - angetan mit einer Kette mit großer Pilgermuschel dran - anschloss, denn auch die Kredite von Banken könnten die Qualität im Leben steigern. Auch sonst zeichneten sich Berührungspunkte zwischen dem Bank- und dem Schankmann ab, die zum Visitenkartentausch führten. Später tauschten Ulrick Mickan vom Bremer Geschichtenhaus und Kau ebenfalls ihre Adressen, denn Mickan sucht noch Sponsoren, die das Pilgern von Langzeitarbeitslosen auf dem Jakobsweg finanzieren.
Friedel Drautzburg pilgerte auch bereits dort - nicht nur aus Kummer und Buße, sondern aus Dankbarkeit, Vater geworden zu sein, sagte der Gastronom.

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DIE WELT,  28.06.2003

Kölle goes Berlin: Sauerbraten und stangenweise Kölsch

"StäV" tischt Deftiges aus dem Rheinland auf

Die Seelenverwandtschaft ist unübersehbar, doch wie viel Köln in Berlin steckt, wird sich in der nächsten Woche am 3. Juli beim größten Konzert mit Kölner Volksmusik auf der Piazzetta am Kulturforum Potsdamer Platz zeigen. "Kölle goes Berlin" ist das Motto des Open-Air-Konzerts mit den Traditionsgruppen der Domstadt wie Höhner und Bläck Fööss. Die Vorfreude wird heute bereits an der Theke des rheinischen Kult-Lokals "StäV" ("Ständige Vertretung", Tel. 28 59 87 36) am Schiffbauerdamm in Mitte zelebriert und mit dem obergärigen Kölsch begossen.
Wie genussvoll ist ein Essen in dem Restaurant, das rheinische Lebensart und deftige Küche offeriert? Bekanntlich lässt sich die Klasse der Gastronomie in der Hauptstadt nicht nur an Michelin-Sternen und Gault-Millau-Hauben messen. Gut gemachte Regional-Küche und einfache Gerichte aus ordentlichen Grundprodukten runden erst die Genusspalette ab.
Rappelvoll ist es in dem weitläufigen Restaurant mit den blankgescheuerten Tischen und den unzähligen Politiker-Bildern an den Wänden.
Anders als in typischen Berliner Restaurants, wo jeder nach einem freien Tisch strebt, setzt sich in der "StäV" jeder zu jedem. Kölsche Kneipen-Philosophie: "Drink doch eene met . . ."
Natürlich bestellt man in diesen Räumen einer ehemaligen Zigarrenfabrik Hausspezialitäten: den Flammkuchen mit Blutwurst und Zwiebeln beispielsweise, oder mit zehn anderen Aroma-Kombinationen. Und wie in der armen Zeit (nach Kriegsende) werden Reibekuchen mit Rübenkraut (Zuckerrüben-Sirup) serviert. Die Chefs des Hauses, Harald Grunert und Friedel Drautzburg, wählten die Leibgerichte aus dem Köln-Bonner Raum und ergänzten sie mit Berliner Dauerbrennern. "Himmel un Äad" ist angesagt. Mit dem rheinischen Nationalgericht ist gebratene Blutwurst mit Zwiebeln auf feinem Kartoffelpüree und Apfelkompott gemeint. Am Nebentisch wird rheinischer Sauerbraten in Rosinen-Pumpernickel-Sauce und Kartoffelklößen serviert.
Wir haben Kölsche Hämchen (Vordereisbein) bestellt. Sie sind mager und sauber zubereitet, dazu gibt es vorzügliches Sauerkraut und Bratkartoffeln, allerdings mit natürlicher Blässe. Da merkt man, dass der Laden voll ist und es schnell gehen muss.
Nun verirren sich ja auch mal Frauen in den maskulinen Kölsch-Tempel. Da ist der bunte Salatteller mit Shrimps, in Olivenöl, Knoblauch und Schluppen, in der Pfanne geschwenkt, der absolute Favorit, auch die zarte Poulardenbrust mit Blattspinat und Birnen-Kartoffel-Gratin geht weg wie warme Semmeln, pardon, "wärm' Röggelsche".
Von der Weinkarte zu reden, wäre in einem Lokal, wo das Bier ohne Unterbrechung fließt, wohl unangebracht. Der Service funktioniert hemdsärmelig, schnell und unaufgeregt. Wird einmal ein Gericht vergessen, repariert der "Köbes" (der Kölsche Kellner) das blitzschnell.
"Et hät noch immer jot jejange." Das versteht auch der Berliner. Wirklich wahr, auch in der "StäV" stimmt das Motto vom Kulturforum: "Kölle goes Berlin"

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MÄRKISCHE ODERZEITUNG, 26.02.2006

Kölsch, Kult und Karneval

Die Gastronomen Friedel Drautzburg und Harald Grunert haben mit ihrer Kneipe "Ständige Vertretung", der StäV, rheinische Genuss und Lebensfreude vom betulichen Bonn ins raue Berlin exportiert.

Ein Erfolgsunternehmen, das seine ersten Ableger hat

    Von Dana Micke

    Die StäV verkauft Lebensqualität. Das geht nur mit netten Mitarbeitern. Rheinisches Experten für die Jecken in Rüdersdorf


    Wer die StäV betritt, dessen Blick schweift über die Kneipentische, entlang den Wänden mit vielen Fotos und bleibt hinten an einer roten Fahne hängen. Am Spruch darauf, der Emotionen im wiedervereinigten Deutschland weckt: "Vom Wessi lernen heißt Siegen lernen!" Lässt die Bonner Republik grüßen?
    Wirt Friedel Drautzburg lacht und zeigt auf die ganze Stirnwand:
    "Das ist ein geschlossenes Kunstwerk von Wolf Leo, einem Ostberliner!"
    Der Künstler, Jahrgang 1942, hat Alltagsszenen aus der DDR verewigt. Die StäV-Betreiber Friedel Drautzburg und Harald Grunert haben das bewusst jemanden überlassen, der dort seine Biografie gelebt hat. Leo hat ein Fenster aus dem alten Bonner Wasserwerk mit Privat- und Pressefotos umfunktioniert. Im Zentrum das DDR-Emblem, setzt sich der Künstler mit Konformismus und Opposition, Enge und Lebensfreude auseinander. Neben dem collagierten Fenster hat er die alte Fahne mit dem neuen Spruch aufgehängt.
    Erzählte Episoden, ein Stück Heimatkunde wie die vielen Fundstücke und Bilder von Politikern der Zeitgeschichte, die bis unter die Decke an den Wänden prangen. Die aber erinnern vornehmlich an die Bonner Republik, die es auch nicht mehr gibt.
    "Et es wie et es", sagt man hier in Kölsch: All die großen Tiere waren schon da. Und die grüßen nun mit ihren Konterfeis, schön eingerahmt. Meist haben die Präsidenten, Kanzler, Minister, Staatssekretäre, Abgeordneten und Künstler ein Kölsch in der Hand, als ob sie "Prost!" skandierten. Nur fröhliche Gesichter im Sinne von Artikel 3 der rheinischen Verfassung: "Es hätt noch immer jot ejangen."
    Die Rheinländer haben ihre lebenslustige Kultur mitgebracht. Und die sorgt nicht nur allein in der Karnevalszeit für Frohsinn. Das Publikum goutiert die Kneipe als heimeligen Platz des Essens und Trinkens, aber auch als Erinnerungsort für das vergangene Westdeutschland. Hier kehren nicht nur Promis ein, sondern auch bodenständige Leute, Berliner und viele weit gereiste Touristen.
    "Unsere Internetseite wird am Tag 400 Mal angeklickt", sagt Drautzburg stolz. Gerade habe eine Agentur aus Frankfurt am Main Plätze während der Fußball-WM geordert. Von wegen, der StäV-Tresen sei eine Klagemauer für die Nostalgiker der alten Bonner Republik. "Eine Mär der Medien", so die Chefs.
    Das rheinische Grundnahrungsmittel tätschelt den Landsleuten jedenfalls die Seele: Kölsch, stilecht serviert in den 0,2-Liter-"Stangen". Mitunter so viel, dass sich Exilrheinländer und Einheimische glückselig in den Armen liegen. Und bei einem dampfenden Teller mit "Himmel un Ääd met Flönz" - das rheinische Nationalgericht Blutwurst mit Kartoffelpüree und Apfel - wird das letzte Stück Heimweh am Abend vor­übergehend heruntergeschluckt.
     Getrauert hat man hier also schon. Zwar ist Drautzburg in der Eifel geboren, aber der 67-Jährige hat immerhin eine über 30-jährige Gastronomenkarriere in Bonn hingelegt. Dort hat bei ihm 1980 Grunert, heute 56, als Kellner angefangen. Kurz darauf ist er sein Partner geworden. Damals hätten sie keine zehn Pferde aus der alten Hauptstadt wegziehen können, wenn da nicht der Umzugsbeschluss der Bundesregierung gewesen wäre. Die heftige Bundestagsdebatte dazu kann jetzt auf den Klo-Wänden der StäV nachgelesen werden.
    Das Kultige hat schon damit begonnen, dass die eingefleischten Bonn-Liebhaber und Umzugsgegner umgekippt sind, als ihre besten Kunden mit dem fetten Bundesadler ans Ufer der Spree gedüst sind. Drautzburg und Grunert haben sich daraufhin ein Etablissement in bester parlamentarischer Lage ausgeguckt und ihm einen bekannten Namen verpasst: Die alte "Ständige Vertretung", die Quasi-Botschaft der Bundesrepublik, kurz StäV genannt, hat sich ja durch die Einheit erledigt, dafür ist die neue StäV ein Ort der Geselligkeit geworden. "Im Gegensatz zu vielen Bonner Politikern sind wir freiwillig hier", betont Drautzburg. Damals für ihn und Grunert ein unternehmerisches Risiko. Wie viel sie hier investiert haben, sagen sie nicht. Neben dem Standort der Kneipe ist das Konzept entscheidend. Und das der StäV ist wie im kleinen betulichen Bonn auch im rauen Moloch Berlin eingeschlagen. Die Kneipe ist Kult. Hier gibt es rheinische Lebens- und Genussfreude im Mix mit Kultur und Politik. Entscheidend seien nicht nur die Idee, sondern auch Personal und Service, sagt Drautzburg. Die Gäste müssten sich wohl fühlen, finanzierten sie doch das Lokal. "Wir verkaufen Lebensqualität ! Das funktioniert nur mit netten Mitarbeitern. Hier arbeiten 40 Vollzeitkräfte, das Gros aus den neuen Bundesländern, der Rest aus anderen Erdteilen", sagt Grunert. Das Team werde regelmäßig geschult. Freundlichkeit sei oberstes Gebot. Selbst wenn das Essen mal versalzen ist, sei das nicht so schlimm, wenn der Gast auch bei seiner Beschwerde freundlich behandelt werde. Der Kunde ist König, eine Binsenweisheit. Und was macht nun den sprichwörtlichen Frohsinn der Rheinländer aus? Drautzburg lacht, erklärt das mit der Mentalität: "Wir beherrschen Lieder mit vielen, vielen ellenlangen Strophen. Wenn einer anstimmt, singt hier der ,ganze Tisch' mit. Da wird geschunkelt und gefeiert. Die Berliner Gäste schauen dann bloß." Hier wird jedenfalls oft und lang gesungen. Mit Erfolg. Die 110 Plätze drinnen und die 100 draußen auf der Terrasse im Sommer sind schnell besetzt.
    Doch das Sommergeschäft im Freien droht zu platzen, denn das Bezirksamt Mitte hat die Uferpromenade zwischen Friedrich- und Albrechtstraße bis auf weiteres gesperrt. Der Grund: Einsturzgefahr der Kaimauer -deren unter Wasser liegende Eichenpfähle weisen bis zu 50 Zentimeter tiefe Löcher auf. Da die Freiluftsaison am 1. Mai beginnt, fordern die Wirte schnelle Klarheit über die Bauarbeiten. Sie sind sauer, weil die Uferpromenade erst 2003/2004 mit 120000 Euro Fördermitteln neu gestaltet wurde. Nun streiten das Wasser- und Schifffahrtsamt und das Land Berlin über die Eigentumsverhältnisse der Kaimauer und die Finanzierung. Zum Ärger der Gewerbebetreibenden.
    Doch Grunert und Drautzburg haben noch nie klein beigegeben. Andere Kneipen sterben, die StäV brummt.
    "In Berlin gibt es etwa 10000 Gastronomiebetriebe, von denen wechseln 50 Prozent im Jahr die Betreiber",
    so Grunert. Der Markt sei härter geworden, und das Geld der Kunden sitze nicht mehr so locker wie früher.
    In der StäV liegen Infoflyer aus. Darauf ein Foto von Altkanzler Willy Brandt mit verkniffenem Gesicht, umrahmt mit dem Satz: "Lachen, einfach lachen - auch wenn die Rechnung kommt."
    Drautzburg ist jetzt nicht nach Lachen zumute. Er verweist auf eine Studie, wonach die Portugiesen europaweit das meiste Geld für Essen und Trinken ausgeben, die Deutschen am wenigsten. "Für den Autoauspuff wird hier mehr investiert als in ein schönes Essen mit der Familie. Vielen Deutschen fehlt die Lust, sich selbst zu verwöhnen." Das lässt sich nicht nur mit Hartz IV erklären, müssen doch auch die Portugiesen Existenzkämpfe ausfechten. "Wir sparen uns gegenseitig kaputt."
    Wie sehen die StäV-Betreiber Berlin? Grunert ist "zu Hause. Hier lebe ich mit meiner Frau, habe meinen Job." Drautzburg bezeichnet sich als glücklichen Single. Von seiner Lebensgefährtin aus Hönow in Märkisch-Oderland lebe er getrennt. "Wir verstehen uns trotzdem noch prächtig", versichert er. Mit dem gemeinsamen Töchterchen Marie-Sophie unternehme er weiter viel. "Sie ist mein Lebensinhalt. Gleich treffe ich sie wieder."
    Und wie ist das nun mit Berlin? "Fahren Sie wie ich jeden Morgen eine Stunde U-Bahn, dann wissen Sie es! Kein Blickkontakt, kein Wort, kein Lachen. Stumme Aggressionspflege" nennt das Drautzburg. "Ich kenne keinen Berliner, der geliebt werden möchte. Vor Jahren war die mentale Teilung der Stadt noch spürbar. Jetzt nicht mehr." Drautzburg nippt wieder an seinem Glas heißer Milch. Kein Kölsch? "Wieder ein Klischee", sagt er. Mittags trinke er kein Alkohol. Auch Grunert bestellt Milch. Die Wirte verweisen gern auf das rheinische Gastronomie-Motto: "Wenn wir schon leben müssen, dann wenigstens gut!"
    Ihre Hauptstadt-Lokale "Piccolo" und "De Kölsche Römer" haben Drautzburg und Grunert inzwischen verpachtet, um sich mehr auf die StäV zu konzentrieren. Nicht nur, weil hier seit Sommer 2005 der Terrassenausschank hinzugekommen ist, sondern StäV-Ableger auch bundesweit entstanden sind: In Hamburg, Hannover und Leipzig haben sie Lizenzen vergeben, in Bremen sind sie selbst Betreiber. "Die Läden boomen."
    Hier in der StäV ist der Berliner Karnevalsumzug der Neuzeit geboren worden. Am Sonntag startet er zum
    sechsten Mal. "Wir haben den Karneval nach Berlin importiert", hat Drautzburg Ende 2005 dem Amtsgericht Berlin-Tiergarten selbstbewusst erklärt. Ein Nachbar des Lokals wollte sich damit nicht abfinden, hatte Anzeige erstattet - wegen Verstoßes gegen die Lärmschutzverordnung bei der Party am 11.11.2004. Und das, obwohl die Kneipe dem Herrn in den vergangenen Jahren für zwei der vier hemmungslosen Karnevalstage einen Hotelaufenthalt in Bad Saarow spendierte. Aber die Klage wurde abgewiesen, weil die anderen Nachbarn immer gern mitfeiern.
    "Eine richtige Entscheidung ", sagt Grunert, der ein echter Jecke und in dieser Eigenschaft schon viel
    herumgekommen ist. Die Veranstaltungen der Westberliner im Hotel "Estrel" sind nicht so sein Ding: "Da bezahlt man Eintritt und bekommt ein Riesen-Programm." Begeistert berichtet er lieber von Rüdersdorf in Märkisch-Oderland. Da habe er erlebt, wie an die 1000 Narren im Kulturhaus für Stimmung sorgten. "Kurzes Programm, und dann wurde überall getanzt, dass die Wände wackelten. Die Brandenburger sind urwüchsig, können richtig feiern."
    In der "fünften Jahreszeit" trauen sich mittlerweile auch in Berlin die bunt kostümierten Narren in die U- und S-Bahnen. Manche geizen auch trotz beißender Kälte mit den Textilien. Ganz nach dem Motto: Seien wir gnadenlos schamlos!
    Und wie sieht es mit der Karnevalskluft der beiden StäV-Herren aus? "Friedel, du siehst doch immer verkleidet aus", witzelt Grunert. "Mir reicht eine Pappnase", sagt Drautzburg trocken. Sein Partner lächelt süffisant, sein Outfit aber verrät er nicht.
    Apropos "Vom Wessi lernen heißt Siegen lernen". Hier passt das irgendwie: Von den Kölnern haben sich die Berliner Narren anstecken lassen, auf den Straßen mit ihren Wagen Großes zu wagen. Und da das mit dem Umzug durch die City fünf Mal so gut geklappt hat, wird jetzt wieder mit einer Million Zuschauern gerechnet. Sonntag zwölf Uhr geht es los. Da steppt der Bär, bebt auch die StäV. Zuvor sagen Drautzburg und Grunert erst mal nur "Tschööö" - mit ö! ------------
    StäV, Schiffbauerdamm 8, Tel. (030 2823965)

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KÖLNER EXPRESS, 06.02.2006

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DER SPIEGEL 3/2006 vom 16.01.2006, Seite 48

REGIERUNG

"Manchmal wahnsinnig"

Deutschland wird 15 Jahre nach der Einheit immer noch aus zwei Städten regiert. Die unsinnige Trennung zwischen Bonn und Berlin ist ein Symbol für die Reformunfähigkeit der Politik.
Man kann Friedel Drautzburg nicht vorwerfen, dass er nicht gekämpft hätte. 37 Jahre hat er in Bonn gelebt, 14 Lokale hat er in der ehemaligen Bundeshauptstadt unterhalten, und noch immer blinkt am Revers seines Jacketts ein Anstecker, der die Zwillingstürme des Kölner Doms zeigt.
Er gründete eine Initiative ("Ja zu Bonn"), er ließ Plakate drucken ("Umzug ist Unfug"), er organisierte sogar eine Anzeigenkampagne. Sein Schnauzbart hüpft vor Vergnügen, wenn er an die Tage des wilden Widerstands denkt.
Doch irgendwann kam ihm die Erkenntnis, dass ihm sein Revolutionsgeist viel Ruhm einbringt und wenig Reichtum. Es war der Moment, als der Geschäftssinn über das Heimatbewusstsein triumphierte. "Die Bonner Beamten mussten doch nicht auch noch bei Berliner Wirten Bier trinken", sagt Drautzburg. Im September 1997 war es so weit, er eröffnete seine neue Kneipe, die "Ständige Vertretung" in Berlin. Drautzburg bereut den Entschluss nicht. Er steht am Tresen seiner Kneipe, um ihn herum schwirren seine Kellner, das Kölsch saugt sich in die Bierdeckel der Gäste. "Das war ein richtiger Wurf", sagt er über seine Geschäftsidee.
Der Politik hätte bei der Bonn-Berlin-Debatte ein bisschen Drautzburgscher Realitätssinn gutgetan. Seit sechs Jahren ist der Bundestag in Berlin, aber regiert wird Deutschland immer noch aus zwei Städten. 6 von 14 Ministerien haben ihren Hauptsitz in Bonn, 8800 Beamte und Angestellte arbeiten in Berlin, 10 200 am Rhein.
Es ist ein teures und absurdes Konstrukt, das mit deutscher Gewissenhaftigkeit verwaltet wird. Kaum einer in der Regierung findet daran Gefallen. Kanzleramtschef Thomas de Maizière lässt intern keinen Zweifel daran, dass er lieber heute als morgen die gesamte Regierung in Berlin sähe.
Trotzdem sieht es so aus, als würden sich Union und SPD nur darauf einigen können, dass alles so schlecht bleibt, wie es ist. Wenn im März die Föderalismusreform in den Bundestag eingebracht wird, ist darin auch die Neufassung des Grundgesetz-Artikels 22 enthalten: "Die Hauptstadt der Bundesrepublik Deutschland ist Berlin" wird es dort heißen. Doch der Begleittext zur Reform enthält die Zusicherung, dass Bonn seinen Sonderstatus behält.
Die Chance ist vertan, noch einmal über das Berlin-Bonn-Gesetz zu reden, in dem die Aufspaltung der Regierung zwischen Rhein und Spree festgeschrieben wird. "Die Mutter aller Reformen" (CSU-Chef Edmund Stoiber) sollte das deutsche Zuständigkeitswirrwarr auflösen; sie sollte dafür sorgen, dass aus der blockierten Republik ein effizient verwalteter Staat wird.
Jetzt gibt es eine Einigung, die typisch ist für die deutsche Politik. Sie sichert Privilegien, keiner steht düpiert da. Das Problem ist nur, dass nichts besser wird. Es ist der Sieg des Kompromisses über die Vernunft; ein Beleg für das Unvermögen der Politik, selbstgemachte Schwierigkeiten aus der Welt zu schaffen.
Einer der Hüter des Status quo ist Klaus Böttner. Der Personalratsvorsitzende des Bundesgesundheitsministeriums strahlt eine freundliche Behäbigkeit aus. Er sitzt in seinem Büro im Bonner Stadtteil Hardtberg, über seinen beeindruckenden Bauch spannt sich ein ausgewaschenes Flanellhemd, darüber trägt er eine abgewetzte Lederjacke. An der Wand hängt ein Foto seiner Hündin Ayka.
Oberamtsrat Böttner besitzt seit 16 Jahren ein Häuschen in Meckenheim bei Bonn, und er sieht nicht ein, warum er mit seiner Familie weg sollte. "Ich kann doch nicht einfach sagen: einsteigen, fahren."
Weil er weiß, dass es vielen seiner Kollegen ähnlich geht, sorgt er dafür, dass nichts ins Rutschen kommt bei der Personalverteilung zwischen Bonn und Berlin. Bisher mit einigem Erfolg. Nur 120 der insgesamt 560 Ministeriumsbediensteten arbeiten in Berlin. Wenn irgendein Ministeriumsoberer auf die Idee kommt, vorschnell eine Stelle in Berlin auszuschreiben, spricht er mit seinem Staatssekretär und sagt, er könne das "nicht nachvollziehen".
Böttner will nicht, dass schleichend immer mehr Beamte aus Bonn abgezogen werden und es am Ende heißt, der Standort am Rhein müsse leider geschlossen werden, weil er zu klein geworden sei. Deswegen sieht er es auch mit Wohlwollen, dass nur ein paar Schritte von seinem Büro entfernt eine Grube für einen Neubau des Gesundheitsministeriums ausgehoben wurde. "Ich bin ein Verfechter des Berlin-Bonn-Gesetzes", sagt Böttner.
Das kann man von Gerd Hoofe nicht behaupten, der seit November Staatssekretär bei Familienministerin Ursula von der Leyen ist. Hoofe ist ein Verwaltungsfachmann mit dem festen Glauben, dass man mit gesundem Menschenverstand jedem Problem beikommen kann. Seit kurzem hat dieser Glaube Risse bekommen.
Mindestens einmal in der Woche sitzt er im Saal 8112A des Berliner Familienministeriums, es ist ein Raum ohne Fenster, alles ist ausgekleidet mit dunkelblauem gewelltem Tuch. An der Wand hängt ein großer schwarzer Flachbildschirm, darüber thront eine Videokamera. Es ist ein Bild wie aus einer Verfilmung des Romans "1984" von George Orwell.
Wenn Hoofe auf die Schnelle mit seinen Beamten in Bonn reden will, muss er hierherkommen, es ist der Videosaal seines Ministeriums. Hoofe hat schon alles Mögliche versucht, um eine vernünftige Arbeitsatmosphäre in diesen Schaltkonferenzen hinzubekommen. Er hat sich angewöhnt, laut und deutlich zu sprechen, er blickt immer gerade in die Kamera.
Trotzdem bleiben diese Sitzungen seltsam unergiebig. Mal macht einer einen Scherz, weil die Übertragung hakelt, mal fehlt die Gelegenheit, ein verfahrenes Gespräch mit einer Kaffeepause voranzubringen. "Es macht einen manchmal wahnsinnig", sagt Hoofe.
1999 wurde wegen des geteilten Regierungssitzes eigens der "Informationsverbund Berlin/Bonn" eingerichtet, der nach Berechnungen des Bundesrechnungshofs bis 2008 über 500 Millionen Euro kosten wird. Dank der neuen Technik haben alle Ministerien die einheitliche Vorwahl 01888. Den Bürgern wird damit vorgegegaukelt, Deutschland werde von einem Ort aus regiert. Die Beamten hat die Technik aber kaum einander nähergebracht.
Hoofe hat sich deshalb angewöhnt, einmal in der Woche nach Bonn zu fliegen. Von dort kommen ihm Kollegen entgegen. Wer am Montagmorgen am Köln-Bonner Flughafen steht, der kann beobachten, wie Herren mit schwarzen Aktenkoffern und Damen in grauen Kostümen Billigflieger besteigen. Es sieht aus, als wäre Ausflugstag in Behördendeutschland. 5500 Staatsdiener pendeln jeden Monat zwischen Bonn und Berlin, allein das kostet rund eine Million Euro.
In den Sitzungswochen lungern Abteilungsleiter und Referenten stundenlang in den schwarzen Ledersofas im Berliner Paul-Löbe-Haus, bevor sie den Bundestagsabgeordneten Fachfragen beantworten können. Oft dauert ihr Auftritt nur ein paar Minuten, dann dürfen sie sich wieder ins Flugzeug zurück nach Bonn setzen.
Bärbel Dieckmann ist die Oberbürgermeisterin der Stadt Bonn. Sie ist eine schlanke blonde Frau von 56 Jahren. Als sie an diesem Mittwoch das Dienstzimmer des Bonner Rokoko-Rathauses betritt, trägt sie ein dunkelbraunes Kostüm, sie kommt gerade vom Neujahrsempfang des Bundespräsidenten in Berlin. Am Morgen durfte sie als eine der Ersten Horst Köhler die Hand schütteln, ein Privileg, das dem Bonner Stadtoberhaupt immer noch zusteht.
Dieckmann ist seit 1994 im Amt, und seither kämpft sie dafür, dass die Ministerien in Bonn bleiben. Wenn man ihr von den Klagen der Beamten über den schwierigen Regierungsalltag zwischen Bonn und Berlin erzählt, schüttelt sie unwillig den Kopf und sagt: "Ich kann nicht erkennen, dass es größere Probleme gibt." Für sie ist das Thema damit erledigt.
Es ist ihr egal, dass ihre Stadt die Unterstützung aus Berlin nicht braucht. Kaum eine Stadt in Nordrhein-Westfalen hat eine höhere Kaufkraft als Bonn, zwei Dax-Unternehmen haben hier ihren Sitz, die Arbeitslosenquote liegt mit 8,8 Prozent weit unter dem Bundesdurchschnitt.
Bescheidenheit wird in der Politik nicht honoriert. Es geht darum, herauszuschlagen, was möglich ist. Nur so kann man sich vor dem Vorwurf schützen, die eigenen Wähler zu vernachlässigen. Da zählt es nicht, dass der Bund in den vergangenen Jahren schon 1,43 Milliarden Euro gezahlt hat, dass er die Bonner Kunsthalle finanziert und das Haus der Geschichte. Es kann immer noch ein bisschen mehr sein.
Man kann Dieckmann ihre Lobbyarbeit nicht einmal vorwerfen. Sie ist gewählt worden, um die Interessen ihrer Stadt zu vertreten. Ärgerlich ist nur, wie leicht es ihr fällt, den Sonderstatus für Bonn zu konservieren.
Auf den ersten Blick scheint es, als hinge Dieckmanns Erfolg damit zusammen, dass sie Mitglied der SPD ist und in Berlin in den vergangenen sieben Jahren ein sozialdemokratischer Kanzler regierte. Aber das täuscht. Bonn hat seine Privilegien weder der SPD noch der CDU zu verdanken, sondern einer Partei, die 130 Abgeordnete im Bundestag stellt und über 6 Stimmen im Bundesrat verfügt. Diese Partei heißt NRW.
Die nordrhein-westfälischen Politiker Franz Müntefering (SPD) und Guido Westerwelle (FDP) und Jürgen Rüttgers (CDU) mögen sich über Atomenergie streiten, über das Verhältnis zu den USA und den richtigen Weg in der Gesundheitsreform; beim Thema Berlin-Bonn-Gesetz sind sie sich schnell einig. Wenn Westerwelle vor einer "zweiten Umzugskarawane" warnt, dann nicken alle.
Die Macht ist so groß, dass nicht einmal mehr Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit dagegen aufbegehren mag. Klar, die Aufteilung zwischen Berlin und Bonn sei unsinnig, sagt er. "Aber wir wissen doch alle, wie stark das Land NRW im Bundestag ist." RENÉ PFISTER

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PRESSEKONFERENZ IN DER STÄV BERLIN, 12.01.2006


Die Pressekonferenz für den ersten Job- und Karriere-Fernsehsender JobTV24 fandaa in der Berliner StäV statt:

 

Friedel Drautzburg mit Moderator Carsten Meyer im Gespräch.

Harald Gruner 

mit Ex-RTL-Chef Helmut Thoma und Friedel Drautzburg.


Harald Gruner mit

Bundesminister Walter Riester und Friedel Drautzburg.

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PRESSESPIEGEL 2005




AMBIANCE, Dezember 2005


NIEDERLANDE VOLKSKRANT, Oktober 2005

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SYKER KREISZEITUNG, 13.10.2005

Berliner Hilfe für die Umzugs-Jury

Von Thomas Kuzaj

Tradition: Etwas kleiner als sonst soll er in diesem Jahr ausfallen, der traditionelle Bremer Freimarktsumzug. 142 Gruppen und Wagen - darunter viele aus dem Umland - sind angemeldet für Sonnabend, den 22. Oktober. Das bedeutet: Etwa 4 000 Teilnehmer werden erwartet.

Erwartet wird bei dem Spektakel zudem eine Besucherin von der Spree: Die Berliner Bürgermeisterin und Justizsenatorin Karin Schubert (SPD). Wie kommt das? Nun, es kommt so: Manche Menschen, besonders Rheinländer, halten den Bremer Freimarktsumzug für eine verfrühte Form des Karnevals. Rheinländer sind es auch, die hinter dem Polit-Lokal "Ständige Vertretung" (StäV) im Flett (Böttcherstraße) stehen. Natürlich wollen sie überall die Idee des Karnevals verbreiten. Und: Sie nehmen mit einem "StäV-Truck" am Umzug teil. Eben dazu werden allerlei Karnevalsliebhaber aus der Hauptstadt erwartet. Und auch Karin Schubert ist mit von der Partie.

Wie zu hören war, wird sie den Umzug aber mittendrin verlassen, weil sie eine wichtige und höchst ehrenvolle Aufgabe übernommen hat - sie schließt sich nämlich der Jury an, die über die schönsten Laufgruppen und Wagen des 38. Freimarktsumzugs zu entscheiden hat.

Die Berliner Politikerin wurde zwar 1944 in Erfurt geboren, gilt aber - was die Hinwendung zum Karnevalistischen erklären dürfte - als "gelernte Rheinländerin". Sie studierte Rechtswissenschaften in Köln, verbrachte in der Jecken-Metropole auch ihre Referendarzeit und machte das Zweite Juristische Staatsexamen ausgerechnet bei den Intimfeinden der Kölner - in Düsseldorf. Man weiß es ja: Während es in Köln "Alaaf" heißt, wird in Düsseldorf "Helau" gesagt. Und wehe, jemand verwechselt das.

Nun denn. In Bremen heißt es ja "Ischa Freimaak". Und den Jury-Vorsitz beim Freimarktsumzug haben auch nicht irgendwelche Jecken, sondern ein Bremer: Diese Verantwortung liegt bei Bürgerschaftspräsident Christian Weber (SPD). Die Preisgelder für Laufgruppen übrigens wurden angehoben, um diese Disziplin besonders zu fördern. Die Preisverleihung ist - wie gewohnt - im Bayernzelt auf der Bürgerweide. Obwohl das in Bremen doch eigentlich auch anders heißen müsste.

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AKTUELL - Zeitung für die Bundeswehr, 40. JAHRG. Nr. 44, 07.11.2005

 

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EXBERLINER24 / THE ENGLISH-LANGUAGE PAPER FOR BERLIN / Februar 2005 





PRESSESPIEGEL 2004




RHEINISCHER MERKUR, Dezember 2004


KÖLNER EXPRESS, 04.12.2004

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MAGAZIN FÜR BIERFREUNDE, Nr.27, November 2004

Wer maischt den Kölsch-Markt neu ein ?

RUND UM DEN DOM ist die Bierwelt noch in Ordnung. Kölsch ist auf Wachstumskurs, seine Kneipen boomen. Erstmals wurde im Kernmarkt Nordrhein Westfalen mehr Kölsch verkauft als Alt

Von Hans Baumann

Nachdem Brau und Brunnen bei der Radeberger Gruppe (Oetker) gelandet ist, interessiert eine Frage: Was wird aus dem Kölner Verbund von Bub, der seit Jahrzehnten kein Geld verdiente, in den letzten zweieinhalb Jahren unter der Leitung des Kölsch Asses Udo Hopf (früher Gaffel) in die schwarzen Zahlen geführt wurde? 2003 präsentierte er eine operative Umsatzrendite von sieben Prozent. Der Kölner Verbund ist mit 670000 hl Ausstoß in 2003 von insgesamt 2,65 (Vorjahr: 2,58) Mio. hl der größte Kölsch Anbieter. Reissdorf folgt mit 550000 hl, auf Rang drei liegen Gaffel und Früh mit je rund 45 000 hl. Rechnet man die Marke Dom hinzu, so vereinen diese fünf Anbietet 90 Prozent der Kölsch Produktion auf sich. Am breitesten ist der Kölner Verbund im Markt vertreten. 13 Marken gehören dazu, die unter Udo Hopf auf eine Braustätte konzentriert wurden.

Und da der Kölsch Markt wächst und wegen seines hohen Faßbieranteils von 50 Prozent ein sehr gefestigter und daher langfristig kalkulierbarer Markt ist, bewerben sich zwei Interessenten den Kölner Verbund. Die Bitburger Brauerei und auch die Krombacher.  Bit unterhält seit langem in Köln eine Vertriebsdependance für Bit, kennt den Markt daher nicht nur aus dem Effeff, sondern ist auch strategisch an diesem klassichen Bierterrain mit seiner auch touristisch attraktiven Kneipenszene interessiert, in der nicht nur das Produkt, sondern auch die Preise gepflegt werden. Natürlich freit Bit schon lange um die Edelmarke Gaffel, doch die Gebrüder Johannes und Heinrich Becker wollen Brauer bleiben. Aber Bit ist nicht allein am Ball beim Verbund. Auch Krombacher soll Interesse zeigen. Doch PR Chef Franz - J. Weihrauch winkt ab: "Da ist aktuell nichts in der Pipeline." Vielleicht wird da auch nur gepokert.

KÖLSCH UND KÖBES GEHÖREN IN KÖLN ZUSAMMEN. DENN HIER BRINGT KEIN KELLNER DAS FRISCHE GLAS

Kölsch ist auf Wachstumskurs. Seine Kneipen boomen. Der Markt wird um so interessanter, je schneller die Konzentration vorankommt. Und die Perspektive ist verlockend. Udo Hopf ist sicher, daß Kölsch weiter wachsen wird, "wenn die fünf wichtigsten Player einen guten Job machen". Er schätzt, daß dann Kölsch im Jahr 2006 einen Ausstoß von 2,7 bis 2,8 Mio. hl haben wird.

Für eine weitere Konzentration steht der Markt vor folgender Situation: Der größte Anbieter Kölner Verbund hat sich bereits auf eine Braustätte zurückgezogen. Seine Strategiemarken heißen Sion und Gilden. Sion ist neben Gaffel eindeutig Premium in Qualität und Preis. Es wird zu 90 Prozent (!) über den Zapfhahn der Wirte verkauft, aber neuerdings auch national angeboten. Seit 2002 betreibt Sion auch klassische Werbung. Gilden ist im Verbund die regional orientierte Marke im gehobenen Konsumbierbereich. Auch Gilden hat eine starke Position in der Gastronomie. Gesponsert werden die Kölner Haie (Eishockey), die Rhein Energy (Basketball) und die Kultgruppe Höhner. Der GildenKölsch Preis geht an verdiente Persönlichkeiten der Kulturszene.

Die Marke Küppers Kölsch ist am weitesten distribuiert. Sie hat ihren Schwerpunkt im Handel. Im Preiseinstiegs Segment hat sich Sester sehr positiv entwickelt. Die Marke konzentriert sich auf das Flaschenbiergeschäft. Sie hat 2003 um 56 Prozent erhöhen können. Die Marke wächst auch in 2004 zweistellig. Römer Kölsch ist eine Discountmarke (Aldi exklusiv). Kurfürsten Kölsch und Maximilian Kölsch stehen vor dem Aus. Die Konzentration fordert ihre Opfer. Ins Auge fällt die traditionsreiche Marke Früh, Cölner Hofbräu P. Josef Früh. Rot ist ihr Signal und ihre Werbung spaßig hintergründig. Früh ist die einzige Biermarke, die für sich in Anspruch nehmen kann, im werblichen Auftritt herüberzubringen, daß Bier ein fröhliches sein kann. Der Ausstoß von etwa 420000 hl kommt zu rund zwei Dritteln in der Flasche zum Durst. Den Rest teilen sich Faß und Pittermännchen. Folge: Das Premiumsegment wächst weiter.

Heute schon gehören 59 der Kölsch Marken dazu. Konsumbiere umfassen 35 Prozent. Die Frage wird laut, wann sich die Oettinger Gruppe in Köln etablieren wird, um im unteren Preisbereich tätig zu werden. Die Antwort zur Zeit: Es fehlt den Oettingern an Braukapazität in Köln. Da der Kölsch Konvent seit 1986 vorschreibt, daß Kölsch nur in Köln gebraut werden darf, ist eine Braustätte obligatorisch. So spekuliert der Markt, daß Ingrid, Günter und Dirk Kollmar (64,5, 11,1 und 24,4 Prozent an Oettinger Brauerei GmbH) ein Auge auf Dom Kölsch geworfen haben, die vom Kölner Verbund die alte Küppers Brauerei an der Alteburger Straße erworben hat. Nachdem der rührige Geschäftsführer von "Dom", Jochen Köhler, den Dienst quittiert hat, rechnen Insider damit, daß der Großaktionär von"Dom", Christian Graf Dürckheim Ketelhodt, London, seine Anteile verkaufen wird. Doch ein solcher Deal hätte ein Problem: In der Brauerei an der Alteburger Straße kann nur gebraut werden. Wer "Dom" übernimmt, muß zusätzlich kräftig in eine Abfüllerei investieren. Da bietet es sich also auch an, daß ein etablierter Brauer die Marke "Dom" übernimmt und im eigenen Hause herstellt und abfüllt. Das wäre zum Beispiel der Verbund und damit eventuell Bit.

"Dom" ist eine sehr emotionelle Marke, aus der sich was machen ließe. Und so etwas haben die Bitburger schon im Hause mit Bit selbst, König, Licher, Köstritzer und nicht zuletzt mit dem "Vogtlanddollar" Wernesgrüner.

Die Edelmarke Gaffel (im Mittelalter hieß die Zunft in Köln Gaffel) ist von Haus aus eine saubere Gastronomiemarke. Erst seit 15 Jahren gibt es die Marke auch in der Flasche. Gaffel unterscheidet sich im Geschmack vom übrigen Kölsch durch die etwas herbere Note, was ihm den Ruf einbrachte, das Pilsige Kölsch zu sein.

Die Marke Reissdorf wird nach wie vor als Familienbetrieb geführt. Geschäftsführer ist Michael von Rieff, Stiefsohn des HermannJosef Reissdorf aus der Reissdorf - Dynastie. Sie ist der zweitgrößte Kölsch Anbieter neben dem Verbund. Doch die Marke, die seit mehr als zehn Jahren zum Teil lebhaftes Wachstum meldet, wird zu mindestens 75 Prozent in Flaschen verkauft. Reissdorf ist die größte Einzelmarke und Marktführer im Lebensmitteleinzelhandel und in den Abholmärkten.

Die Marke Richmodis wur von Gaffel Ende der neunziger Jahre von der Karlsberg Gruppe übernommen. Der Ausstoß von "Dom" wird auf 200 000 bis 220 000 hl geschätzt (etwa 130 000 hl Faßbier). Trotz des Zukaufs der Marken Giesler und Rats Kölsch ist der Gesamtabsatz von "Dom" in den letzten Jahren stetig gesunken. Inzwischen hat "Dom" die Vertriebsrechte für Flaschen  und Dosenbier (was von den einst 30000 hl geblieben ist) an die Fachgroßhandels Cooperation GHC übertragen. Von positiven Effekten ist noch nichts zu hören.

Wer also maischt den KölschMarkt neu ein? Und wer bedient sich dabei der exzellenten Dienste des alten Hasen Udo Hopf. Den kann man nämlich gleich mitkaufen, da sein Vertrag mit Brau und Brunnen Ende September 2004 endete.

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BERLINER ZEITUNG, 16.08.2004


DER SPIEGEL 31/2004, 26.07.2004
   
Friedel Drautzburg, 66, Gastronom, Alt-Juso und Berufs-Rheinländer, hat einen weiteren Beweis für den erfolgreichsten Exportschlager der Bonner Republik. Für seine Kneipe "Ständige Vertretung", kurz StäV, wird nun im Berliner Branchenverzeichnis "Gewusst wo" eine neue Rubrik "Politgastronomie" eingerichtet. Der Gastro-Schlager, Ossis und Wessis zwischen Kölschgläsern und vielen Reminiszenzen an die deutsch-deutsche Teilung zusammenzubringen, hat mittlerweile in Hamburg, Bremen, Hannover und jüngst in Leipzig Resonanz gefunden. Das "rheinischsächsisch-politische Wirtshaus", zwischen "Leipziger Volkszeitung" und Zentralmensa gelegen, hat ein besonders hübsches Souvenir vorzuweisen:
Ein Foto-Triptychon zeigt den früheren SED-Generalsekretär Walter Ulbricht als Vorturner. "Das Lieblingsobjekt unserer Gäste", wie Drautzburgs Leipziger StäV-Wirt Wolfgang Grohmann schwärmt. Unter Anspielung auf die verlorene Olympiabewerbung Leipzigs hat Drautzburg den Ulbricht-Bildern eine lakonische Unterzeile verpasst: "Hat nix genutzt".

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PRESSESPIEGEL 2003




BERLINER ZEITUNG, 21.12.2003

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BERLINER MORGENPOST, 29.3.2003

Berlins rheinischer Bierpapst missioniert jetzt ...

Der Rhein fließt in Berlin bekanntlich entlang des Schiffbauerdamms. Dort nämlich befindet sich das von Exil-Bonnern wie Berlinern gleichermaßen frequentierte rheinische Folklore-Lokal "Ständige Vertretung" der Gastronomen Friedel Drautzburg und Harald Grunert. In den fast sechs Jahren seines Berliner Daseins hat sich der Kneipen-Hit auch zum Exportschlager entwickelt. Nach Filialen in Hamburg und Hannover wird Ende April auch eine Dependance in Bremen eröffnet. "Wir gehen in die Böttcherstraße, nahe dem Paula-Moderson-Becker-Museum, mitten im Bremer Szene-Viertel", gab Drautzburg bekannt. Derzeit sei er mit der Einrichtung des Lokals beschäftigt. Ganz im Stil der Berliner "StäV". Denn wenn es nach Drautzburg und Grunert ginge, wäre ihr Wirtshaus für die Nostalgiker der Bonner Republik das, was das Bierzelt für Bayern ist: eine Oase landesspezifischer Eigenheit - vorsichtig ausgedrückt.

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PRESSESPIEGEL 2002




BERLINER MORGENPOST,  13.09.2002

Fünf Jahre «StäV»: Rhein trifft Spree im Tränenpalast

Wenn Friedhelm Drautzburg und Harald Grunert zu einer Party einladen, kommen sie ganz schnell auf 1200 Gäste. Kunststück: Die beiden Rheinländer eröffneten vor fünf Jahren am Schiffbauerdamm in den ehemaligen Räumen einer Zigarrenfabrik ihre «Ständige Vertretung», die längst zur Stammkneipe der Politiker, Journalisten, Wirtschaftler und Showsternchen geworden ist.
Gestern Abend fanden sich denn auch viele der treuen Tresengänger im Tränenpalast ein, wo ihnen die Kölner-Kultband «Bläck Fööss» zum fünften Geburtstag der «StäV» einheizen sollte. Als Moderator der Feier konnten die Gastgeber den ehemaligen Arbeitsminister Norbert Blüm gewinnen. Als «Karnevals-Redner» fungierte der Intendant der Berliner Philharmoniker, Franz Xaver Ohnesorg. Der bekennende Köln-Bonn-Fan versuchte, den Gästen (unter anderem Thomas Koschwitz, Jürgen Möllemann, Wiltraud Lueg, Klaus Wowereit, Bärbel Dieckmann, Uwe-Karsten Heye) den Unterschied zwischen Berliner Humor und rheinländischem Witz zu erläutern. Mut


BERLINER MORGENPOST,  12.09.2002

Kölsch, Politik und Promis: Ständige Vertretung feiert Geburtstag

Wenn Harald Grunert vor 22 Jahren nicht als Kellner bei Friedhelm «Friedel» Drautzburg in Bonn angeheuert hätte, gäbe es in Berlin eine legendäre Kneipe weniger. Grunert wäre Sozialarbeiter geblieben und Drautzburg nie nach Berlin gezogen. Gott sei Dank lernten die beiden sich kennen, wurden Kollegen, später Freunde. Heute vor fünf Jahren verließen sie das Rheinland und eröffneten ihre «Ständige Vertretung» am Schiffbauerdamm neu. Zum Geburtstagsfest ab 18.30 Uhr sind heute 1200 Gäste in den Tränenpalast geladen.
Wurde die «StäV» in ihren Anfängen noch als Auffangbecken für heimatlose Bonner Politiker und Touristen belächelt, die ihren Kummer mit der neuen Hauptstadt beim vertrauten Kölsch am Tresen ertränkten, ist sie heute längst das Kultlokal in Mitte. Die «StäV» ist schon lange kein Geheimtipp mehr.
«In der StäV sind rivalisierende Politiker befreundet. Hier kommen wildfremde Menschen am Tresen ins Gespräch, diskutieren und feiern zusammen», sagt Drautzburg. Worauf der studierte Philosoph und Psychologe besonders stolz ist: «Die Formel 1 der Gastronomie: drei Generationen in einer Kneipe zu versammeln. Das ist uns gelungen.» Das und noch mehr: In der StäV sitzen Abgeordnete neben Studenten, feiert Bundespräsident Johannes Rau Geburtstag, zapft Hollywood-Star Ben Kingsley Kölsch am «Pittermännche», liest Hermann Otto Solms in aller Seelenruhe den Bonner «General-Anzeiger», schneit Hermann Gerbaulet, der ehemalige Präsident der Trabrennbahn Mariendorf, mit Kollegen auf einen Absacker herein, trifft Schauspieler Otto Sander auf Kanzler Gerhard Schröder und Regiermeister Klaus Wowereit auf seine Bonner Amtskollegin Bärbel Diekmann.
Einzige Einschränkung der großen Freiheit: «Frauen haben in unserem Betrieb nichts zu sagen, aber Höflichkeit erleichtert das Zusammenleben. Und wir beide haben einen unterschiedlichen Frauengeschmack, deshalb kommen wir uns nie ins Gehege», sagt Drautzburg. Grunert nickt. Das Besondere der «StäV» kann man nicht erklären, man muss es erleben.
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TAGESSPIEGEL, 12.09.2002

Friedel Drautzburg hat wieder einen Grund zum Feiern: Seine Ständige Vertretung wird fünf Jahre alt

 

Ist das wirklich schon fünf Jahre her?

„Hier spricht die Stimme der Vernunft“, pflegte sich Friedel Drautzburg damals am Telefon zu melden. Den Ehrentitel „Stimme der Vernunft“ hatte sich der Bonner Prominentenwirt als Mitbegründer und Motor der Initiative „Ja zu Bonn“ verdient. Jahrelang kämpfte er gegen den Regierungsumzug nach Berlin. Und nun. Nun schlug der Rhein heftige Wellen des Widerwillens, nachdem bekannt geworden war, dass Friedel eine Dependance an der Spree eröffnen wollte. Ausgerechnet. Im Feindesland. „Hochverräter“ nannte man ihn.

Am Telefon klang er ganz freundlich. „Kommse ruhig nach Bonn, kriegense wenigstens mal was Ordentliches zu essen“, beschied er die Reporterin, die ihn kennen lernen wollte. Es gab dann Himmel und Äad im Haus Daufenbach. Auf der Terrasse propere Bonner, im Keller kämpferische Plakate: „Den Umzug können wir uns nicht leisten.“

Drautzburg wirkte live weniger kauzig als am Telefon, gab sich rasch als Alt-Linker zu erkennen, der mit Günter Grass Wahlkampf für Willy (Brandt) gemacht hatte. nsbombardement war eine seiner Spezialitäten. Aber nur zu verstehen von Leuten, die Politikern in einer Ruhmeshalle die Spitzenplätze geben würden. Was wusste er alles zu erzählen über Völkerchen Hauff und die Matthäus-Meier. Friedel war stolz darauf, dass er vier Zeitungen täglich las und schon freitags wusste, was montags im Spiegel stehen würde. Darauf wollte er auf keinen Fall verzichten. Und einige Stammgäste wollten auf ihn nicht verzichten, deshalb hatten sie den Vorschlag mit der Berliner Dependance gemacht. Damals glaubten allerdings auch viele Berliner nicht mehr daran, dass der Umzug tatsächlich stattfinden würde. Nachmittags tranken wir Kaffee in seinem zweiten Restaurant, dem idyllischen Amadeus mit friedlichster Vorstadt-Atmosphäre. Wenn jemand vorausgesagt hätte, wie sich die Dinge entwickeln würden, hätte er wie ein kitschversessener Phantast da gestanden.

Ein Meer von Tränen

Als Student hatte er in Berlin studiert, war kurz nach dem Mauerbau mit einer Isetta gelandet, aber nach zwei Jahren wieder losgedüst. 68 hat er in Bonn seine erste Kneipe aufgemacht, und was da nächtens bei serbischer Bohnensuppe diskutiert wurde ...

Sind ja, wie man in Friedels ureigenstem Politmilieu sieht, doch alle groß und vernünftig geworden. Im Juni 1990 aß man im eleganten Amadeus lieber Tranchen von der Entenbrust als serbische Bohnensuppe. Nur nicht am 20. Juni 1991. Da fieberten sie alle gemeinsam vorm Fernseher. Am Ende gab es ein Meer von Tränen und als Trost die Hoffnung, dass es mit dem Bekenntnis „Ja zu Bonn“ vielleicht doch noch zu verhindern sein werde. Sieben Jahre später dann das nackte Entsetzen über Friedels Pläne.

Während die Amadeus-Familie an jenem warmen Sommerabend vor fünf Jahren bei gepflegten Saltimbocca die Schwernisse der Zeit zu vergessen trachtete, landete das Flugzeug aus Bonn wieder in Tegel. Von da ging’s schnurstracks zum Osvaldo, einer Kneipe Ecke Albrechtstraße und Schiffbauerdamm, in der Friedel seine Ständige Vertretung eröffnen wollte. Nach dem freundlichen Bonner Nachmittag war das ein echter Absturz. Auf der Straße hatten junge Russen einen Haufen blutiger Knochen ausgekippt und kommandierten ihre Hunde herbei. Im Osvaldo gab es sonst keinen einzigen Gast. En face des heruntergekommenen Hauses auf der anderen Straßenseite: in dieser menschenverlassenen Gegend wollte auch ein schnelles Glas Rotwein nicht schmecken.

Zwei Jahre später tobte hier der Bär. Politiker kamen, viele heimwehkranke Rheinländer, aber eben auch Touristen. Das Essen war okay, aber nicht doll, am besten noch die Flammkuchen. Natürlich gab es auch Himmel und Äad. Rut Brandt feierte hier Geburtstag, und der Bundespräsident traf sich mit dem Kanzler zum Bier. Inzwischen hieß die Gegend Rheinisches Viertel, jedenfalls inoffiziell, dafür hatte Friedel mit seinem urgewaltigen PR-Talent gesorgt. Die Aktion, Karneval mit Kopfhörern zu feiern, um den muffeligen Anwohnern Paroli zu bieten, hatte ihm Lacher und Beifall im ganzen Land eingebracht. Außerdem hörte das Telefon nicht auf zu klingeln, weil Friedel Drautzburg inzwischen für alle Fragen, die mit dem Einleben der Bonner zu tun hatten, ein gesuchter Gesprächspartner war. Berlin hatte ihm den jahrelangen Kampf nicht übel genommen. Auch in Bonn verzieh man ihm. Fortan galt er als Botschafter rheinischer Lebensart. Er dozierte über die Schrecken der Berliner Bürokratie mit der gleichen Verve wie über die Rüpelhaftigkeit und die modischen Schwächen der Stadt, die im Sommer mehr Kurzbehoste hervorbringt als es dem empfindlichen Ästheten Friedel gut tut.

Bald schuf er sich mehrere Überlaufbecken für die StäV, das Piccolo mit anspruchsvollerem Essen und gediegenem Ambiente, die WeinBotschaft und, direkt gegenüber, in dem einst so verfallenen Haus, den „Kölschen Römer“ mit schlichten italienischen Gerichten für Leute, die an Gesprächen interessierter sind als an Gaumenfreuden. Es folgten Lizenzvergaben für Ständige Vertretungen in Hannover und Hamburg, die ähnlich gut laufen.

Der geschäftliche und gesellschaftliche Erfolg war aber nicht das Wichtigste. Das Wichtigste war, dass Friedel Drautzburg im Alter von 60 Jahren zum ersten Mal Vater wurde. Vater einer kleinen Berlinerin. Gefunkt hatte es im ICE zwischen Köln und Berlin, „ungefähr in der Höhe von Magdeburg“, als sich „Bonns begehrtester Junggeselle“ unbedingt an einen Zweiertisch setzen wollte, der indes schon von einer jungen Brandenburgerin besetzt war. Erst reagierte sie genervt. Als der Zug in Berlin eintraf, stand die erste Verabredung. Es war ein Bild für die Umzugsgötter als Friedel, nunmehr frisch gebacken Vater, etwa zwei Jahre nach der Eröffnung der StäV den Kinderwagen mit seiner „kleinen Rotznase“, auch Sophie Marie geheißen, durch sein Viertel schob und noch philosophischer redete als ohnehin schon. Noch drei weitere Jahre später hat Sophie Marie offenbar gelernt, sich zu wehren. Ganz verklärt vor Glück spricht der an Worten niemals arme Vater stolz: „Die quasselt mich tot“.

So zeigte das Leben der im Ruhestand befindlichen „Stimme der Vernunft“, was ein anständiges Happy Ending ist.

Gefeiert wird der Geburtstag der StäV mit Kölsch und Kölnern, Bonnern und Berlinern im Tränenpalast. Zugesagt haben 600 mehr als reinpassen. Elisabeth Binder

 



PRESSESPIEGEL 1999




MANAGER MAGAZIN, Nr. 6/1999 vom 01.06.1999, Seite 282

Kessel unter Dampf

Wo einst Boulette und Broiler die Leitwährung der Eßkultur abgaben, regt sich neues Leben. Allenthalben öffnen feine Restaurants, zieht es Spitzenköche in die Hauptstadt. Berlin zelebriert den Aufbruch, auch kulinarisch.
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Nicht nur Hackescher und Gendarmenmarkt sind die Tummelplätze im Berliner Osten, sondern auch das von Ostberlinern bevorzugte Nikolaiviertel, die Touristendomäne Kollwitzplatz und die Kneipenmeile Schiffbauerdamm am S-Bahnhof Friedrichstraße.
Dort hat der Bonner Wortführer gegen den Regierungsumzug, der Wirt Friedel Drautzburg, mit der "Ständigen Vertretung", kurz "StäV" genannt, eine Heimstatt für heimwehgeschüttelte Rheinländer eröffnen wollen; doch bevor die kamen, war das Lokal schon von den Berlinern erobert, die lernen konnten, dass man ein Bier namens Kölsch auch aus Gläsern trinken kann, die fast so schmal sind wie Reagenzgläser.
... (Autor: Wolf Thieme)


Friedel Drautzburg - Ein Bonner in Berlin