Das schrieb die Presse über die StäVÜbersicht PRESSESPIEGEL 2009 2008 2007 2006 2005 2004 2003 2002Ein Bonner in Berlin - zum Film PRESSESPIEGEL 2010WESER KURIER 29.07.2010 Kabarettabend in der Bremer StäV KREISZEITUNG SYKE 21.07.2010 Kabarettabend in der Bremer StäV Kurier Am Sonntag / WESER KURIER 20.06.2010 Fachmagazin GETRÄNKE Juni 2010
GENERAL ANZEIGER, 29.05.2010 "Mc Rheinland" RHEINISCHE POST, 19.05.2010 Kölsch auf Berlins Großflughafen Szenario _7, 17.05.2010 Über den StäV-Lizenznehmer WÖLLHAF am Berliner Flughafen DIE WELT, 12.05.2010 StäV bald auch auf dem Berliner Flughafen BERLINER ZEITUNG, 12.05.2010 StäV bald auch auf dem Berliner Flughafen MÄRKISCHE ALLGEMEINE, 12.05.2010 StäV bald auch auf dem Berliner Flughafen BILD Berlin/Brandenburg, 12.05.2010 StäV bald auch auf dem Berliner Flughafen DIE WELT, 12.05.2010 StäV bald auch auf dem Berliner Flughafen Der Tagesspiegel, 12.05.2010 StäV bald auch auf dem Berliner Flughafen BERLINER MORGENPOST, 12.05.2010 StäV bald auch auf dem Berliner Flughafen BILD, 11.05.2010 StäV bald auch auf dem Berliner Flughafen Airliners, 11.05.2010 StäV bald auch auf dem Berliner Flughafen BERLIN ONLINE, 11.05.2010 StäV bald auch auf dem Berliner Flughafen BILD, 10.05.2010 Ernst-Georg Schwill in der StäV Der Tagesspiegel, 30.04.2010 Besuch der Paralympic-Medailliengewinner in der StäV Der Tagesspiegel, 23.03.2010 Politiker Michael Cramer gratuliert Ben Wagin GENIESSEN & MEHR, Magazin, Frühjahr 2010 Erwähnung der StäV als Trendsetter im Schnäppchen-Bereich BERLINER ZEITUNG 22.03.2010 Über den Geburtstag von Ben Wagin AFTONBLADET (Stockholm - Schweden) 10.03.2010 EXPRESS, 02.03.2010 EXPRESS, 30.01.2010 PRESSESPIEGEL 2009TAGESSPIEGEL 17. Dezember 2009 Bonn bekommt ein Stück Mauer BONNER STADTSOLDATEN CORPS 2009/2011 Die StäV wurde zur Botschaft ernannt Trierischer Volksfreund - Wochenjournal 07.11.2009 Ein Mauerstück für Wittlich
TAGESTHEMEN // WAHLZEIT.TV ODER SWR : StäV im Wahlkampf: Ständige TV-Präsenz hier klickenBILD 28.August 2009 Die StäV steht im Mittelpunkt der heutigen BILD-Serie: "Die Lieblingsrestaurants unserer Botschafter" BILD am Sonntag. 23.August 2009 Wie wir wurden, was wir sind. Das schildert eine große Serie in der BILD am Sonntag zum 60. Geburtstag des modernen Deutschland. In der Folge 33 ging es um das Jahr 1981 und illustriert wurde der Beitrag mit einem berühmten Foto, dass auch in der StäV zu finden ist. Der Staatsratsvorsitzende Erich Honecker schenkt Bundeskanzler Helmut Schmidt beim Abschied nach dem deutsch-deutschen Gipfeltreffen in der DDR auf dem Bahnhof von Güstrow einen Hustenbonbon. Gelutscht hat Schmidt ihn aber nicht. Weser Kurier. 20.August 2009 Mauerstück für Bremen Bremer Anzeiger, 09. August 2009 Nachbarschaftsfest Böttcherstraße Weser Report, 09. August 2009 Nachbarschaftsfest Böttcherstraße Kreiszeitung, 09. August 2009 Nachbarschaftsfest Böttcherstraße 17.07.2009 Tagesspiegel Mai 2009, Ein Rheinländer in Berlin - Kolumne im Kölner Stadtanzeiger 13.Mai 2009 // 20. Mai 2009 SCHWÄBISCHE ZEITUNG, 23.05.2009 Sonderbeilage zu 60 Jahre Bundesrepublik Sonderbeilage der Schwäbischen Zeitung - 1 Seite über die StäV BERLINER ZEITUNG, 11.05.2009 Weshalb die Zeitung mit zwei verschiedenen Bildern erschien, erfahren Sie hier TAZ 28.04.09 Interview mit Friedel Drautzburg anlässlich des Besuchs von Günter Grass in Bremen Bremen4u - Eventmagazin, April 2009 Redaktion von Bremen4u in der Küche der Bremer StäV WESER KURIER, 04.04.09 Krisengipfel um Hafensenator Nagel und den SPD-Landesvorsitzenden Uwe Beckmeyer tagte in der StäV Bremen WESER KURIER, 30.03.09
BILD, 30.03.09 DELMENHORSTER KREISBLATT, 30.03.09 NORDSEE-ZEITUNG, 30.03.09 (Online-Version) BREMER ANZEIGER, 29.03.09 BILD, 27.03.2009 - Vorabdruck der Koschnick-Biografie BILD, 28.03.2009 - Vorabdruck der Koschnick-Biografie RADIO BREMEN, Homepage, 29.03.2009
KREISZEITUNG, 28.03.2009 Koschnick wird 80: Biografie erscheintVon Thomas Kuzaj. Von Getue um seine Person hält er nichts. Wir können und wollen es gleichwohl nicht verschweigen - Bremens Alt-Bürgermeister Hans Koschnick (SPD) feiert am Donnerstag, 2. April, seinen 80. Geburtstag. Der ehemalige EU-Administrator verbringt den Tag im engen Familienkreis. TAGESSPIEGEL, 23.02.2009 Berliner Karnevalsumzug trotzt dem schlechten WetterFrohsinn und Publikum kämpften gegen den Regen an: Trotz Schmuddelwetter kamen am Sonntag tausende Berliner zum Karnevalsumzug. Allerdings: Verkleidet waren die wenigsten.Für die kleine Löwin beginnt der Karnevalsumzug mit Tränen: Weinend klettert die fünfjährige Verena an der Hand ihrer Mutter aus der U-Bahn am Ernst-Reuter-Platz. „Du siehst so schön aus“, sagt Teresa Wagner, die mit ihrer Familie eigens aus Brandenburg angereist ist, und streicht der Tochter über die braun geschminkte Wange. Aber das Mädchen will sich nicht beruhigen – sie wäre heute viel lieber ein Schmetterling, aber aus diesem Kostüm ist sie herausgewachsen. Und die Mutter hat es weitergegeben an Verenas jüngere Schwester, die hinter ihr die Treppe hinauf klettert. Doch auf das Löwenkind wartet süßer Trost: „Kamelle“, bunte Bonbons, außerdem Schokowaffeln und Fruchtgummis. Das alles wurde gestern ab 11:44 Uhr von 72 Umzugswagen geworfen und von den 40 Fußtruppen verteilt, die beim neunten Karnevalszug durch die City West dabei waren. Großer Wermutstropfen: Es regnete – nicht nur „Kamelle“. Dauernieselregen ließ den Umzug buchstäblich ins Wasser fallen: Funkenmariechen mussten über ihre Kostüme transparente Regenmäntel stülpen. Und Besucher, die keinen Schirm dabei hatten, waren innerhalb von Minuten nass geregnet. Egal: 60 Tonnen Süßigkeiten haben die 3000 Narren, die beim Umzug entlang dem Ku’damm gestern unters Karnevalsvolk geworfen. Und leider flog ein Großteil davon in die riesigen Pfützen, die sich schnell auf den Straßen gebildet hatten. Die Bonbons schwammen darin wie kleine, bunte Fische. Aber auch Süßigkeiten, die nicht im Wasser landeten, blieben auf der Straße liegen. „Bückt euch doch erst mal, bevor wir neue Sachen werfen“, rief einer aus dem Zug. BERLINER ZEITUNG, 23.02.2009 BILD, 23.02.2009 Eine Million Narren feierten gestern Karneval in Berlin.
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Von Wigbert Gerling
BREMEN. Die Wahl war auf die „Ständige Vertretung“ gefallen, auf das Lokal in der Böttcherstraße. Dort überraschte der SPDFraktionsvorsitzende Carsten Sieling gestern mit der Ankündigung, dass er Bremen künftig in Berlin ständig vertreten möchte –und zwar als Bundestagsabgeordneter. Er wäre damit der Nachfolger von Volker Kröning, der nicht mehr kandidiert.
An der Wand in der „Ständigen Vertretung“: Unter anderem die Abbildungen der ehemaligen SPD-Bundestagsabgeordneten Hans Koschnick und Claus Grobecker. Auf dem Tisch gestern Nachmittag: Wasser, Saft und Kaffee.AmTisch: Peter Kruse, Chef des SPD-Unterbezirks (UB) Bremen-Stadt, und Carsten Sieling. Kruse berichtete von der vorausgegangenen Sitzung des UB-Vorstands. Die Führung des Parteigremiums habe die Entscheidung Sielings, sich 2009 um das Bundestagsmandat im Wahlkreis „Bremen I“ zu bewerben, „einmütig begrüßt“. Interessenten für das Bundestagsmandat könnten sich bis Mitte September melden – eine weitere Bewerbung liege bisher nicht vor. Für Anfang Oktober und Ende Oktober seien zwei Vorstellungsrunden geplant, in denen sich der oder die Kandidaten der Partei präsentieren könnten. Am 5. November folge die offizielle Nominierung. Bis zur Bundestagswahl ist es dann noch eine Weile – sie soll am 27. September 2009 sein.
Carsten Sieling, seit 1995 SPD-Abgeordneter der Bremischen Bürgerschaft und seit 2005 Vorsitzender der Fraktion, sagte gestern zur Begründung seines Wechselwillens, er wolle mit seiner Kandidatur dafür sorgen, dass durch die Partei wieder „ein Ruck“ gehe, dass sich „etwas bewegen“ lasse – und Bremen weiterhin in Berlin gut vertreten sei. Er habe seine Absicht im Vorfeld unter anderem mit Bürgermeister Jens Böhrnsen besprochen, der die Kandidatur voll unterstütze.
Der Berlin-Bewerber Sieling, promovierter Wirtschaftswissenschaftler, betonte gestern, er habe sich vor seiner Entscheidung auch gefragt, ob sie „nach innen vertretbar“ sei. Sielings dazugehörige Analyse: Die rotgrüne Regierung in Bremen arbeite gut, sei „sehr stabil“, die Fraktion präsentiere sich überzeugend und kompetent. Sieling: „Ich kann guten Gewissens an andere übergeben.“ An wen? Dazu sagte er nichts.
Gleichwohl kamen gestern – kaum hatte er seine Bundestagskandidatur ausgesprochen – die ersten Spekulationen auf, wer denn Sieling im attraktiven Amt des Fraktionsvorsitzenden in der Bürgerschaft beerben könnte. Dabei fielen Namen wie Birgit Busch und Martin Günthner, beide Stellvertreter Sielings. Aber auch einem Jürgen Pohlmann, Mitglied im Vorstand der Parlamentsriege, werden Chancen eingeräumt – ebenso wie Uta Kummer, stellvertretende Vorsitzende im einflussreichen Haushaltsausschuss.
WESER KURIER 02.08.2008
BILD Zeitung, 02.08.2008
STERN, 08.07.2008
ALLGEMEINE HOTEL- UND GASTRONOMIEZEITUNG, 08.07.2008

TAGESSPIEGEL 08.07.2008
Frischer Westwind
Eine frische Brise von Westen versprechen engagierte Nordrhein-Westfalen in Berlin. Künftig wollen sie als Verein Werbung machen für ihr Land und seine Unternehmen und interessanten jungen Künstlern aus ihrer Heimat in Berlin eine Plattform schaffen. Zu den Gründungsmitgliedern gehören Christina Rau und „StäV“-Wirt Friedel Drautzburg. Mit der Eröffnung ihrer Landesvertretung haben sich die Nordrhein-Westfalen nach dem Verlust des Regierungssitzes bewusst lange Zeit gelassen. Während die Baden- Württemberger in Berlin bereits einen Verein mit rund 450 Mitgliedern haben, ließen es die Nordrhein-Westfalen langsam angehen mit der Organisation ihrer gemeinsamen Interessen.
Ditmar Gatzmaga ist in der Landesvertretung zuständig für Kooperationskonzepte zwischen großen Unternehmen und der Politik und außerdem den neuen Verein namens „Westwind“. Er sagt: „Wir sind stolz auf das Land, aus dem wir nach Berlin gekommen sind und wollen das zum Ausdruck bringen, schon um das Image zu verbessern.“ Viele Berliner hätten noch völlig falsche Vorstellungen, verbänden gerade die Region Ruhrgebiet mit ständigem Abstieg. Dass aus der Krise längst ein neuer Aufstieg geworden ist, sei einfach noch nicht bekannt genug. „Das Kulturfestival Ruhr-Triennale kennt man in New York besser als in Berlin.“ Wirtschaftliche Aspekt sind noch unbekannter. So sei vielen nicht bewusst, dass NRW mit Thyssen-Krupp beim Stahl zur Weltmarktspitze gehört. „Bei uns können Qualitäten produziert werden, die es anderswo so nicht gibt, und die Nachfrage durch China und Indien steigt.“ Auch solche Dinge sind Themen für die Sympathiewerbung. Nordrhein-Westfalen in Berlin sahen sich schon vor dem Fall der Mauer zum Teil augenzwinkernd als stabilisierendes Element, im Vergleich etwa zu den Schwaben, deren Heimat der Ruf vorauseilte, so eine Art Autonomen-Exportland zu sein.
Ausdrücklich will der Verein junge Menschen und Projekte fördern. Bei der ersten Mitgliederversammlung stand Kabarett von dem noch jungen Künstler Ludger K. aus Duisburg auf dem Programm. „So jemanden kann man ja auch mal weiterempfehlen." Auch das wäre ein Job für NRWs Hobbybotschafter. Rund 130 Mitglieder hat der Verein schon jetzt, innerhalb eines Jahres soll sich die Zahl verdoppeln und in vier Jahren vielleicht bei 1000 liegen. Man muss nicht unbedingt in NRW geboren sein, um Mitglied zu sein. Willkommen ist auch, wer NRW gut findet, mal zum Fußball gucken ins Westfalenstadion nach Dortmund fährt oder zum Shopping nach Düsseldorf oder beruflich an den Rhein oder die Ruhr verschlagen wurde, wie Vorstandsmitglied Annette Kreutziger-Herr, die von Berlin aus als Professorin an die Hochschule für Musik nach Köln ging. Es reicht, Nordrhein-Westfale im Herzen zu sein. Vereinslokale, die Infomaterial bereit halten, hat der Verein natürlich auch schon, an der Spitze die „Ständige Vertretung des Rheinlandes“, besser bekannt als StäV, aber auch das Gaffel Haus am Gendarmenmarkt und das Maxwell. Das Büro des Vereins findet sich im ältesten Haus von Wilmersdorf im Schoeler-Schlösschen in der Wilhelmsaue 126, wo auch die Privatbibliothek von Johannes Rau untergebracht ist.
Jede Menge Pläne für Vereinsaktivitäten gibt es natürlich auch schon. Vom obligatorischen Stammtisch mal abgesehen sollen „Kulturpralinen aus NRW“ für interessante Künstler aller Sparten eine hauptstädtische Plattform schaffen, als Einsteins Enkel, sollen Nachwuchswissenschaftler eingeladen werden. „Wer kennt schon das Gründerzentrum in Dortmund mit 200 jungen Unternehmen in innovativen Branchen wie Medizintechnik oder Bio- und Gentechnologie?“, fragt Gatzmaga. Nordrhein-Westfalens Botschafter werden das ändern.
Viele gebürtige NRWler, die früher Berlin mit Vorurteilen begegneten, haben hier ein neues Leben und neue Liebe gefunden, wie Friedel Drautzburg, der stolze Vater einer jungen Berlinerin oder auch Ditmar Gatzmaga, der seine Frau in Frankfurt/Oder kennen lernte. Nachdem sich alle etabliert und eingerichtet haben, bleibt nun Zeit, am Image der alten Heimat zu polieren. Und der „Westwind“, so der Name des Vereins, gibt den richtigen Schwung dazu. Elisabeth Binder
Cafe-future.net / Redaktion food-service / Branchennews 01.07.2008
Ständige Vertretung: 5-jähriges Jubiläum in Bremen
Zehn Jahre Ständige Vertretung (StäV) in der Bundeshauptstadt Berlin – das Jubiläum wurde bereits im Vorjahr im neuen Regierungsviertel gefeiert. Jetzt war die Dependance in der Hansestadt Bremen an der Reihe: An der historischen, weltbekannten Böttcherstraße in der Altstadt gelegen, begrüßte sie zum 5. Geburtstag eine vielköpfige Prominentenschar aus der Weser-Metropole, allen voran Bürgerschaftspräsident Christian Weber, Bremens Bürgermeisterin Karoline Linnert und Wirtschaftssenator Ralf Nagel.
In Anwesenheit von rund 200 Gästen überreichte Dr. Kerstin Kießer, die Bevollmächtigte des Landes Bremen in Berlin, eine heitere Version des ’Rheinischen Grundgesetzes’ an die beiden StäV-Gründer Friedel A. Drautzburg und Harald Grunert: Gesine Reichstein von Radio Bremen hatte das kölsche Regelwerk ins Plattdütsche übersetzt. StäV-Statthalter und Gastwirt Michael Heyna empfing zusätzlich zahlreiche ’Exilkölner’, die sich ihr Kölsch schmecken ließen. Die Bremer StäV wird von den Erfindern des Konzepts Drautzburg und Grunert in Eigenregie betrieben, während die Ableger in Hamburg, Hannover und Leipzig als Lizenzbetriebe laufen. Der Umsatz pro Standort liegt bei „weit über 1 Mio. €“. Für die Zukunft ist für das Kombi-Konzept aus Kölsch, heimischer Küche und rheinischer Gastlichkeit verstärkte Expansion auch ins europäische Ausland geplant.
HANSESCHNACK (Bremen), Ausgabe Juli 2008
Bremen, den 13. Juni 2008
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Willy Lemke, UN-Sonderbeauftragter für Sport mit Bürgerschaftspräsident Christian Weber und Bürgermeister Jens Böhrnsen. Im Hintergrund rechts Kultur-Staatsrätin Carmen Emigholz. |
Der ehemalige Bremer SPD-Landesvorsitzende, Universitätsprofessor und Politikwissenschaftler Detlev Albers
(* 13. November 1943 in Goslar) verstarb am 31. Mai 2008 in der Hansestadt. Heute (Freitag, der 13. Juni 2008) fand die Trauerfeier für den Verstorbenen statt.
Aus diesem Anlass kamen viele Verwandte, Freunde, Wegbegleiter sowie Berliner und Bremer Prominenz in die Ständige Vertretung (StäV) im Flett / Böttcherstraße, um auf einer privaten Feier dem Verstorbenen die letzte Ehre zu erweisen.
Kein anderer Ort erschien den nahen Verwandten von Detlev Albers passender als die Polit-Kult-Kneipe, wo Albers auch schon seinen 60sten Geburtstag feierte.
Bekannt wurde Detlev Albers unter anderem, als er bei der Rektoratsübergabe an der Universität Hamburg am 9. November 1967 gemeinsam mit seinem Kommilitonen Gert Hinnerk Behlmer das Transparent "Unter den Talaren - Muff von 1000 Jahren"
entrollte. Dieses Bild findet der Gast auch an der Wand der StäV
Zu den prominenten Gästen zählte auch Heidemarie Wieczorek-Zeul, Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Als erste weibliche Bundesvorsitzende der Jungsozialisten erwarb sie sich seinerzeit den Ruf als "Rote Heidi".
Ebenso aus Berlin angereist war die stellvertretende Bundesvorsitzende der SPD Andrea Maria Nahles.
Von der Bremer Polit-Prominenz kamen Bürgerschaftspräsident Christian Weber, Bürgermeister Jens Böhrnsen und die Bürgermeister a.D. Dr. Henning Scherf und Klaus Wedemeier. Auch Bremens Ex-Senator und heutige UN-Sonderbeauftragter
für Sport Willy Lemke erwies seinem Freund Detlev Albers die letzte Ehre.
Des Weiteren waren Kultur-Staatsrätin Carmen Emigholz, der SPD-Fraktionsvorsitzende Carsten Sieling als auch der Komponist und Leiter der European Musical Academy Thomas Blaeschke unter den Gästen.
GENERAL ANZEIGER, 03.06.2008 Wiedersehen auf dem Drachenfels: Harald Grunert (2. von rechts) mit Ehefrau Seija Kreusch sowie Hannes Schöner (rechts), Henning Krautmacher (Mitte) und Peter Werner von De Höhner . Bonn. (die) Seit mehr als zehn Jahren betreiben die Bonner Gastronomen Harald Grunert und Friedel Drautzburg in Berlin mit großem Erfolg das rheinische Lokal Ständige Vertretung (STÄV). "Dort werde ich von ehemaligen Bonnern immer wieder auf mein altes Nachtcafé angesprochen", sagt Grunert. Gemeint ist Grunerts Nachtcafé in der Kaiserstraße, das von 1985 bis 1995 erste Adresse der Bonner Nachtschwärmer war. WESER KURIER, 25.05.2008 BREMER ANZEIGER, 25.05.2008 WESER REPORT, 25.05.2008 KÖLNER EXPRESS, 26.04.2008 KÖLNER EXPRESS, 09.03.2008 MV REGIO, 08.03.2008 Nach Ansicht des Berliner Gastronomen Friedel Drautzburg soll die Zigarettenindustrie die Kosten für die Einrichtung von Raucherräumen in Lokalen übernehmen. ALLGEMEINE HOTEL- UND GASTRONOMIEZEITUNG, 23.02.2008 Große Pläne: (von links) Udo Hopf, Friedel Drautzburg und Harald Grunert wollen ihr FACTS, Februar 2008 BERLINER MORGENPOST, 10.02.2008
Aus Bonner Nachtschwärmern werden Gipfelstürmer in Königswinter
Grunerts ehemalige Nachtcafé-Gäste feiern mit Gastronomen auf Drachenfels
Wiedersehen auf dem Drachenfels: Harald Grunert (2. von rechts) mit Ehefrau Seija Kreusch sowie Hannes Schöner (rechts), Henning Krautmacher (Mitte)
und Peter Werner von "De Höhner". Foto: Dietl
Am vergangenen Samstag organisierte Grunert (59) für alte Freunde und ehemalige Gäste eine ungewöhnliche Wiedersehensfeier im Restaurant auf dem Drachenfels in Königswinter. Rund 250 Gipfelstürmer folgten der Einladung, darunter auch diverse Paare, die sich damals im Nachtcafé gefunden hatten. Die Bonner Band Prime Time und der ehemalige Falle-DJ Whalid versorgten die Gäste mit tanzbaren Hits aus den achtziger und neunziger Jahren. Nostalgisch präsentierte sich auch das Büfett: Serviert wurden kulinarische Klassiker aus dem Nachtcafé, unter anderem Tortellini Fellini und Insalata Giorno.
Zu später Stunde gesellten sich befreundete Künstler wie Konrad Beikircher zur Runde. Die Höhner kamen frisch von ihrer Zirkusshow aus dem Roncalli-Zelt in der Rheinaue. Bis drei Uhr wurde gefeiert, gegen vier Uhr brachte die Drachenfelsbahn die letzten Gäste zurück ins Tal.
Harald Grunert fuhr am nächsten Tag gleich weiter nach Köln: Dort eröffnet er in der Altstadt (Fischmarkt 31) mit Drautzburg im Juli eine Filiale der Ständigen Vertretung.

Zigarettenindustrie sollte Kosten für Raucherräume übernehmen
Die Folgen des Nichtraucherschutzgesetzes trage in der Hauptsache der Gastronom, begründet Drautzburg in der "Kolumne der Woche" der Nachrichtenagentur ddp seinen Vorschlag. Er betonte, nirgends treffe es den Gewinn machenden Nikotinproduzenten oder -verkäufer. "Es wäre doch nur logisch, wenn die Nikotinindustrie dem Gastronomen, der sich anschickt, einen Raucherraum einzurichten, die Kosten hierfür - oder zumindest aber einen Teil davon - erstatten würde."
Drautzburg, der unter anderem die legendäre Gaststätte "Ständige Vertretung" in Berlin führt, stellte klar, dass er nicht generell gegen die neuen Regelungen sei. "Ich befürworte durchaus den Nichtraucherschutz zumindest in solchen Lokalen, in denen Speisen verkauft werden", betonte er. Allerdings sollte die mit dem Gesetz verbundene Bürokratie überdacht werden.
Doch es kommt ganz anders. Am Schiffbauerdamm in Berlin wird die „Ständige Vertretung" gegründet. Inzwischen sind zwei dicke Bücher über diese polit-gastronomische Institution erschienen, zuletzt im Kölner Bachem-Verlag „Das Phänomen StäV" mit dem Klappentext: „Die Ständige Vertretung, das ist rheinisch-politische Gastronomie mitten in Berlin. Mit dem Umzug der Regierung von Bonn nach Berlin kamen auch die beiden Bonner Szene-Wirte Friedel Drautzburg und Harald Grunert 1997 in die neue Bundeshauptstadt, um mit Kölsch, rheinischer Gastfreundschaft und politischen Reminiszenzen an fünfzig Jahre „Bonner Republik" ein Stück rheinische Kultur an die Spree zu bringen. Was zunächst vor allem den „Vertriebenen" des Polit-Betriebes ein Stück Heimat bieten sollte, avancierte in kürzester Zeit zu einem der angesagtesten Lokale in Berlin und ist Treffpunkt von Prominenz aus Politik, Medien und Kultur."
Doch Friedel Drautzburg ist nicht nur unser Ständiger Vertreter in Berlin, sondern seit seiner ersten Schüler-Liebe am Pleiner Berg verwurzelt und in jeder Berlin-freien Zeit mit seiner achtjährigen Tochter dort auf Heimat-Urlaub.
erfolgreiches StäV-Konzept auch in weitere Städte tragen. (Foto: Uwe Lehmann)

Gourmet-Spitzen
Zwischen Himmel un Äad
Unser Kritiker hat versucht, in Berlin Karneval zu feiern. Natürlich war er in der "StäV". Da gibt's Gerichte zu Kantinenpreisen, wenn doch nur die Bratkartoffeln nicht so blass wären.
Wo geht man hin in so einer Woche, die von Karneval, Frohsinn und Pappnasen geprägt ist und mit Partys und rauschenden Festen überfrachtet? Ich habe in den aus dem Rheinischen importierten Alaaf- und Helau-Tagen die Keimzelle der Köln-Bonner-Fröhlichkeit gewählt, die Ständige Vertretung, kurz StäV genannt. Natürlich geschieht das wohl wissend, dass, in Meilen ausgedrückt, es aus dieser Küche des Deftigen bis zur Gourmandise ebenso weit ist wie vom Brandenburger Tor zum Kölner Dom.
Internationale Klasse der Kochkunst gab's freilich auch in der zurückliegenden Woche in Berlin. Dafür reicht ein kurzer Seitenblick: Über der Ullstein-Halle und der Axel-Springer-Passage leuchtete frischer Drei-Sterne-Glanz. Juan Amador inspirierte bei der Goldenen Kamera das hauseigene Pace-Team von Lars Tretzack.
Zurück zum Einfachen - und das darf man dabei nicht vergessen - zum Kostengünstigen, hinein in die StäV. Rappelvoll ist es in dem weitläufigen Restaurant mit den blank gescheuerten Tischen und den unzähligen Politiker-Bildern an den Wänden. Anders als in typischen Berliner Restaurants, wo jeder nach einem freien Tisch strebt, setzt sich in der "StäV" jeder zu jedem. Kölsche Kneipen-Philosophie: "Drink doch eene met .. . .."
Natürlich bestellt man in diesen Räumen einer ehemaligen Zigarrenfabrik Hausspezialitäten: den Flammkuchen mit Blutwurst und Zwiebeln beispielsweise, oder mit zehn anderen Aromakombinationen. Und wie in der armen Zeit (nach Kriegsende) werden Reibekuchen mit Rübenkraut (Zuckerrüben-Sirup) serviert. Die Chefs des Hauses, Harald Grunert und Friedel Drautzburg, wählten die Leibgerichte aus dem Köln-Bonner Raum und ergänzten sie mit Berliner Dauerbrennern. "Himmel un Äad" ist angesagt. Mit dem rheinischen Nationalgericht ist gebratene Blutwurst mit Zwiebeln auf feinem Kartoffelpüree und Apfelkompott gemeint. Am Nebentisch wird rheinische Sülze mit Remouladensauce und Kartoffelsalat serviert.
Wir haben diesmal nicht Kölsche Hämchen (Vordereisbein) bestellt, wie das bei Rückfällen in die rheinische Nostalgie üblich ist, sondern gegrillte Schweinshaxe von mittelprächtiger Qualität. Leider war das Sauerkraut kalt, wurde aber von der aufmerksamen Bedienung sofort durch heißes ersetzt. Unberührt blieben die sogenannten Bratkartoffeln auf meinem Teller. Derart unappetitliche Leichenblässe mit Röstaromen zu segnen, kostet in der Küche keinen Cent mehr, würde aber das Produkt deutlich verbessern. Ähnliches ist bei Äpfeln und Zwiebeln zu kritisieren, die bei der gebratenen Kalbsleber als partnerschaftliche Ergänzung serviert werden.
Schlimm, dass zur Leichenblässe an diesem Karnevalsdienstag eine vergleichbare Grabesstille einherging. Die ganze Musik und die Jubelarien waren wohl am Rosenmontag total verheizt, da merkte man einen Tag später eigentlich nicht mehr, wo man war. Nur das Kölsch floss wie zu besten Zeiten. Und die Männerwelt labte sich besonders an am Rheinischen Sauerbraten, der mit (leider erkennbar aufgewärmter) Rosinen-Pumpernickel-Sauce und mit Kartoffelklößen und Apfelkompott wie in Kneipen am Rhein angerichtet war.
Nun verirren sich ja auch mal Frauen in den maskulinen Kölsch-Tempel. Da sind die bunten Salatteller mit Cherrytomaten oder die griechische Variante mit Schafskäse, auch mit marinierter Hähnchenbrust die Favoriten. Auch die Rheinische Fleischwurst frisch aus dem Sud geht weg wie warme Semmeln, pardon, "wärm' Röggelsche", um im Rheinischen zu bleiben.
Die Wochenkarte mit Gerichten zu Kantinenpreisen von 3,90 Euro aufwärts ist vom Preis-Leistungs-Verhältnis ebenso erwähnenswert wie die wechselnden Tagesmenüs mit Hauptgang und Dessert für 6,90 Euro. Am Aschermittwoch (nicht nur dem politischen) wurden Matjes nach "Hausfrauenart" fassweise verkauft. Eine gute Wahl, wieder fit zu werden, ja, wären da nicht auch schon wieder diese traurigsten aller Bratkartoffeln.
In einem Lokal diesen Zuschnitts ist das Kölsch, dieses leichte, obergärige Bier im Getränkebereich konkurrenzlos. Von der Weinkarte zu reden, wäre hier, wo der Gerstensaft ohne Unterbrechung fließt, wohl unangebracht. Der Service funktioniert hemdsärmelig, schnell und unaufgeregt. Wird einmal ein Gericht vergessen, repariert der "Köbes" (der Kölsche Kellner), und verstärkt die weibliche Servicebrigade blitzschnell. "Et hät noch immer jot jejange." Das versteht auch der Berliner. Wirklich wahr, auch in der "StäV" stimmt das einstige Motto vom Kulturforum: "Kölle goes Berlin" oder umgekehrt, ganz wie Sie wollen. Bei soviel Zuspruch würde es sich zweifelsfrei lohnen, einmal einen richtig guten Koch einzustellen oder die vorhandenen am Herd in die Schulung zu schicken, wie man auch einfache Gerichte handwerklich gut ausführen kann.
Ständige Vertretung, "StäV", Schiffbauerdamm 8, Telefon 282 39 65, täglich von 11 bis 1 Uhr geöffnet, www.staev.de
SÜDDEUTSCHE ZEITUNG, 07.02.2008 Lieber Mick, du kommst in eine Stadt und in ein Alter, wo das alles nicht mehr so leicht ist. Festival-Wonneproppen Dieter Kosslick hat dich zur Berlinale eingeladen, und Du, Keith und die anderen habt zugesagt. „Shine a light“ eröffnet an diesem Donnerstag die Berlinale, ein Dokumentarfilm über die Rolling Stones. Martin Scorsese hat ihn gemacht. Man hat ja immer ein bisschen Angst, wenn Scorsese einen Film dreht, ohne dass De Niro in der Nähe ist. EIFFELZEITUNG, Ausgabe 06 / 2008 „Friedhelm Drautzburg hat Jura studiert und ist Referendar. In kurzen Abständen verlobt er sich, um möglichst viele Mädchen revolutionär zu BRAUNSCHWEIGER ZEITUNG, 19.12.2007Mitte und Midlife-Crisis: Nachtleben in Berlin
Die Stones machen auf jung, Berlin macht auf jung, wenn Mick Jagger kommt, passt also alles
- Tipps für das Berlinale-Nachtleben
Hier sagen viele, dass ein Film über die Rolling Stones in etwa so dringlich ist wie einer über Mundspülungen, aber wahrscheinlich ging es Scorsese nicht darum, einen wichtigen Film zu machen. Das sollten Dokumentarfilme ja eigentlich sein. Vermutlich hat Scorsese das Ding nur gedreht, um sich wieder jung zu fühlen. Jugend, die mal war. Schau, wie schön es früher war, ein Weißt-Du-noch-Film - das ist ja in Wahrheit der Grund, warum Du noch da bist, warum seit einiger Zeit immerzu irgendwelche Filme von toten oder fast toten Musikern im Kino laufen.
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Nun, lieber Mick, da es bei Deinem Aufenthalt in der Stadt eigentlich um Jugend geht und Du die nächsten Tage in einer der jüngsten Hauptstädte Europas sein wirst, einer Stadt, von der alle immerzu schreiben wie wild, wie pulsierend, wie aufgedreht, ja, wie jung sie ist, hier einige Ratschläge. Eine lieb gemeinte Handreichung für das Nachtleben. Nicht mehr.
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Die wohl entscheidende Frage für einen Popstar während der Berlinale ist, wo man hingeht. Nun, die Berliner Club-Szene wird gerade ein bisschen erwachsen, heißt es. Das bedeutet, dass die Getränke teurer werden, die Läden schicker, die Türsteher hysterischer und die Gespräche der Gäste ironischer. Viele Medienleute, Du kennst das wahrscheinlich aus London. ... Sehr angesagt ist zum Beispiel gerade die Bar Tausend. Den Laden gibt es noch nicht so lange. Der Chef will nicht, dass man die Adresse sagt. Das Ding soll geheim bleiben. Ehrlich gesagt ist das ein bisschen komisch, weil jeder weiß, wo der Laden ist. ...
... lass Dich einfach zu einer Kneipe in Mitte fahren, die Ständige Vertretung heißt - ist gleich neben dem Bahnhof Friedrichstraße - von da 20 Meter links, wo die Schlange ist. ...
Kinder der Eifel:
Friedhelm Drautzburg aus Wittlich
stimmen oder, wie er es nennt, „zu verlinkern". Da er, wie ich, einen Schnauzbart trägt, hat er mir später, als wir zusammen auf Reisen gingen, viel Händeschütteln abnehmen können." Das schrieb Günter Grass, den Drautzburg im Jahre 1970 auf einer Wahlkampfreise durch Deutschland begleitet. Über diese Reise finden sich in dem Buch „Schlagt der Äbtissin ein Schnäppchen, wählt SPD" folgende Zeilen: „Zu Beginn fuhr Grass einige Male mit der Bahn an den Ort der Tat. Sehr bald wurde ein VW-Campingbus gekauft, mit dem er durch die Lande fuhr. Dieser Bus wurde von Friedhelm Dautzburg gesteuert, einem verwegen aussehenden und fahrenden ‚Mädchen für alles’. Von Hause aus Jurist, aus Neigung Künstler, der Not gehorchend eine Zeit lang Bundesgeschäftsführer des Sozialdemokratischen Hochschul-Bundes, war er mit ausreichend vielen Wassern gewaschen und Hunden gehetzt, um mit den Zufälligkeiten und Widrigkeiten einer solchen Tournee fertig zu werden, die selbst die beste Vorbereitung nicht vermeiden kann. Drautzburg trug die Verantwortung für das Seelenheil und die körperliche Unversehrtheit von Grass. Er war Reisemarschall und Kameltreiber, Bodyguard und Adjutant, Verbindungsmann zum Bonner Büro und Organisationshilfe der örtlichen Funktionäre für den Tag der Grassschen Anwesenheit, er war Zeitungsverkäufer und Händler mit Plaketten und Plakaten." 1973 gingen Grass und Drautzburg wieder auf Wahlkampfreise. Es lag nahe, dass der Wittlicher Drautzburg seinen Freund davon überzeugte, auch in Wittlich, damals noch Diaspora für die SPD, aufzutreten. Es wurde die bis dahin größte politische Veranstaltung. Später engagierte sich Grass energisch für im Wittlicher Gefängnis einsitzende Gefangene.
Im Jahre1938 geboren, erlebt Drautzburg am 24. Dezember 1944 den schrecklichen Bombenangriff auf Wittlich. Für immer haben sich brennende Altstadt, die Kapitulation, das Hissen der weißen Fahnen, der Einmarsch der Amerikaner, später der Franzosen, das Läuten der Glocken von St. Markus in sein Gedächtnis eingegraben. Auf dem Gymnasium waren die meisten Lehrer Kriegsteilnehmer, und die Schüler bekamen keine politische Witterung mit. Beim Einmarsch der Russen in Budapest 1956 organisierte die Unterprima einen flammenden Protest auf dem Marktplatz. Als Student engagierte sich Drautzburg sofort politisch an den Unis Hamburg, Berlin, später Bonn. Prag 1968: Protest vor der sowjetischen Botschaft in Bonn. Als Bundesgeschäftsführer des Sozialistischen Hochschul-Bundes, ab 1972 als wissenschaftlicher Mitarbeiter des Bundestagsabgeordneten Dietrich Sperling (SPD) lernte er die Mechanismen politischer Strukturen und wichtige Personen kennen. Kurzzeitig macht er als Galerist für zeitgenössische Kunst Furore. Dann eröffnet er die „Schumann-Klause", Bonns bekannteste Studenten-Kneipe, deren Mythos noch heute ungebrochen ist. Insgesamt 16 Lokale hat er in Bonn gegründet. Der Umzugsbeschluss macht Drautzburg als Berlin-Gegner bundesweit bekannt. Er wird Mitgründer von „Ja-zu-Bonn", der großen Bürgerinitiative, deren Sprecher, erhält den Bonner „Bröckemännchen"-Orden ebenso wie den „Rheintal-Taler" des Landschaftsverbandes.
Aus dem Wittlicher war ein „Vorzeige-Rheinländer" geworden.
PRESSESPIEGEL 2007
DDR-Grenzpfähle locken Berliner Szene-Wirt an
Chef der "Ständigen Vertretung" bei Wilhelm Cardinal
Von Doris Comes Food Service 11/2007
LENGEDE. Mit Kennerblick mustert Friedel Drautzburg die Sammlerstücke im Cardinalschen Haus in Lengede, um sich dann augenzwinkernd an den Hausherren zu wenden: "Diese Räume und Wände müssen unbedingt für andere Gegenstände befreit werden."
Zwei Männer mit der gleichen Leidenschaft hatten sich gestern eine Menge zu erzählen. Der Lengeder Wilhelm Cardinal, in früheren Jahren unter anderem erfolgreicher Rennfahrer, und der Rheinländer Friedel Drautzburg, bekannt als Mitinhaber der Berliner Szenekneipe Ständige Vertretung (StäV), "der" Treffpunkt am Schiffbauerdamm, mitten im Regierungsviertel. Die StäV feierte in diesem Jahr ihr zehnjähriges Bestehen.
Auch im StäV sind die Wände voller historischer Dokumente, aus Zeiten der "Bonner Republik" aber auch der ehemaligen DDR, zusammengetragen von Friedel Drautzburg. "Die StäV ist ein geschichtliches Lesebuch", sagt er.
Kein Wunder also, dass der Gastronom auf einen "wundervollen Hinweis" von Wilhelm Cardinal – in seinem Besitz befindliche sechs original DDR-Grenzpfähle – ansprang. Es gab Telefonate, bei denen der Besitzerwechsel perfekt gemacht und die Neugier des Gastronomen mit den Cardinal-Worten "Ich hab noch mehr" geweckt wurde.
Am Montag klingelte bei Cardinals das Telefon, und Drautzburg kündigte sich für Dienstag an. Der Rest der Geschichte: Große Freude bei dem Gast aus Berlin über viele weitere "Fundstücke" aus DDR-Zeiten im Besitz des Lengeders, ein angeregtes Gespräch und nach drei Stunden ging es zurück nach Berlin. Eines allerdings ist sicher: Wenn die Betongrenzpfähle mit dem Lkw abgeholt werden, wird es noch andere Gegenstände geben, die von Lengede nach Berlin umziehen.
Einer der Grenzpfähle wird im Frühjahr nach Köln reisen. Denn inzwischen gibt es fünf "StäV‘s", die sechste soll in Köln eröffnet werden, berichtet Drautzburg.
Eine erfolgreiche "Regierungs-Gastronomie" betrieb der 1938 in der Eifel geborene Drautzburg mit seinem Partner bereits in Bonn.
Der Mann mit dem markanten Schnauzbart war vehementer Streiter für Bonn als Regierungssitz. "Doch Journalisten, die laut darüber nachdachten,
was sie ohne uns in Berlin anfangen sollten, gaben dann den Anstoß für unseren Umzug", berichtet Drautzburg. Das Erfolgsmodell StäV war geboren.
Rheinland meets Regierungssitz: Die Ständige Vertretung von Friedel Drautzburg und Harald Grunert, kurz StäV, feiert in diesem Jahr ihr Zehnjähriges an der Spree. Zum Jubiläum: Ein Porträt des polit-gastronomischen Phänomens und seiner Macher – mit heute vier Ablegern und weiteren in Aussicht.




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FOOD-SERVICE NOVEMBER 2007
> 10 Jahre StäV in Berlin:
Am 13. September 2008 wurde gefeiert - mit rund 1500 Gästen, DeHöhner, dem Vize-Kanzler und vielen weiteren Prominenten und Freunden im Thomas-Dehler-Haus unweit der StäV am Schiffbauerdamm
HELSINKI SANOMAT - 13.09.2007 KÖLNER EXPRESS, 14.09.2007 Cafe-future.net / Redaktion food-service / Branchennews 14.09.2007 Ein Restaurant wird spätestens dann zur Legende, wenn es sein eigenes Buch bekommt: Bei der Berliner ’Ständigen Vertretung’, liebevoll ’StaeV’ genannt, ist es bereits zum 10. Geburtstag so weit. Pünktlich zum Jubiläum erschien in dieser Woche ’Das Phänomen StaeV: Ständige Vertretung – Brücke zwischen Rhein und Spree’. Von Rüdiger von Woikowksy mit Fotografien von Frank Ossenbrink. BILD, 14.09.2007 GENERAL-ANZEIGER (Bonn), 14.09.2007 RHEIN-ZETUNG (Koblenz), 15.09.2007 Berliner Morgenpost 13.09.2007 Eigentlich immer gut gefüllt, ist die StäV zur Karnevalszeit bis zum Überquellen ausgebucht und somit längst kein Geheimtipp mehr. Zuzuschreiben ist der anhaltende Erfolg sicher auch den StäV-Protagonisten und Bonner Urgesteinen Friedel Drautzburg und Harald Grunert. Denn schon als kurz nach dem Mauerfall der Deutsche Bundestag mit knapper Mehrheit beschloss, dass Berlin Bundeshauptstadt werden sollte, kehrte nach anfänglicher Depression bei Friedel Drautzburg, dem Sprecher der großen Bürgerinitiative "Ja zu Bonn", wieder Optimismus ein. KÖLNER EXPRESS, 10.03.2007 DIE WELT, 20.02.2007 Dieser Kölner Karneval hätte um ein Haar rund um eine Art Katastrophe getanzt. "Der FC", wie der Fußballverein mit dem Geissbock-Maskottche WESER KURIER, 10.11.2006 Die sommerliche Veranstaltung selbst hat inzwischen schon Tradition, die spätere Spendenübergabe ebenfalls: BERLINER ZEITUNG, 30.09.2006 Hans Wallow DEUTSCHLANDRADIO KULTUR, 07.09.2006
StaeV: Buch zum 10. Geburtstag
Nachdem der Bundestag 1991 den Regierungsumzug von Bonn nach Berlin beschlossen hatte, transferierten die beiden Bonner Gastronomen Friedel Drautzburg und Harald Grunert das von vielen Politikern und Regierungsbeamten so geliebte rheinische Lebensgefühl an die Spree: 1997 eröffneten sie am Schiffbauerdamm mitten im neuen Regierungsviertel die Ständige Vertretung - bald der angesagteste Treffpunkt für die Berliner Politprominenz.
Das Buch erzählt die einzigartige Erfolgsgeschichte des Restaurants, entführt den Leser mit einer detaillierten Beschreibung des StaeV-Innenlebens an den Ort vielfältigen politischen Geschehens und lässt prominente Gäste zu Wort kommen, um dem Phänomen StaeV auf den Grund zu gehen. Gastbeiträge lieferten u.a. die Bläck Fööss, Wolfgang Niedecken, Ulrich Wickert, Guido Westerwelle und Gerhard Schröder. Autor Rüdiger von Woikowksy war 18 Jahre lang Redakteur und 6 Jahr Chef vom Dienst bei der ’Welt’ in Bonn. Er hat die Ständige Vertretung von Anfang an aus nächster Nähe begleitet.
Rheinische Heimat in der Fremde
Das Buch "Phänomen StäV" würdigt die
Gastro-Institution zum 10. Geburtstag
Von Mathias Stengel
Eine gastronomische Institution feiert ihren zehnten Geburtstag, und ein Buch begleitet den Jahrestag. Längst ist die "Ständige Vertretung - StäV" am Schiffbauerdamm 8 in Mitte zum Bollwerk rheinischen Frohsinns und zur Trutzburg heimatvertriebener Bonner Politiker geworden. Wer auf sich hält und zur rheinischen Clique gehören will, kommt um die urgemütliche Schänke mit vielen auf Berliner leicht exotisch wirkenden rheinischen "Gourmet-Highlights" wie Flammekuchen, "Himmel und Ääd" und Kölsch nicht herum. Die StäV ist das heimliche Machtzentrum geworden, wo Politik außerhalb des Parlaments gemacht wird, wo Netzwerker ihre Fäden spinnen.Bonner Urgesteine
Drautzburg betrieb mit Grunert bereits mehrere Lokale in Bonn. Viele Gäste stammten aus dem politischen Umfeld, insbesondere Journalisten zählten seit je zu den Stammgästen. Folglich begann die Diskussion, wer alles nach Berlin umziehen müsse. Wirte und Gäste kamen auf den Einfall, in Berlin ein rheinisches Kölschlokal zu eröffnen.
Das Lokal mit dem Namen "Ständige Vertretung (StäV)" öffnete im Herbst 1997 und wurde schnell Anziehungspunkt im neuen Berliner Regierungs- und Medienviertel. Es transportierte die Geschichte Bonns, die erfolgreichen frühen Jahre der Bundesrepublik, die "Rheinische Leichtigkeit des Seins", verbindet Kölschkneipendunst erfolgreich mit Heimweh und "rheinischer Gefühligkeit" im noch fremden Berlin.
Die Bekanntheit der beiden Gastronomen ermöglichte es, den im Rheinland heiß geliebten Karneval fest in Berlin zu etablieren und StäV auch deshalb in Stadt und Land bekannt zu machen.
Das gastronomische Konzept ging voll auf, und als 1998 der Regierungs-Umzug begann, war die StäV der Anlaufpunkt für alle heimatvertriebenen Bonner Politiker, Abgeordneten, Beamte, Journalisten, Lobbyisten, Diplomaten und den ganze Regierungstross. Mutige Kollegen gründeten zunächst in Hamburg, später in Hannover eine "

Kölner Grundgesetz
Was man im Karneval über die Mentalität des Dom-Städters lernen kann - Kleine Kulturgeschichte des rheinischen Frohsinns
in der Domstadt genannt wird, verlor am Sonntag bei Rot-Weiß Essen 5:0. Nun ist es in Köln so, dass der FC verlieren darf. Er durfte in die Zweite Liga absteigen, muss auch nicht sofort wieder aufsteigen und darf trotzdem auf voll besetzte Ränge und treue Fans vertrauen. "Et es wie't es", befindet Artikel eins des rheinischen Grundgesetzes irgendwo zwischen Schicksalsergebenheit und Antriebslosigkeit. Aber der FC darf sich nicht blamieren,
und das hat er bei den abstiegsgefährdeten Essenern sehr wohl getan. "Schämt euch, ihr Pappnasen!", befahl darum der "Express" und verpasste
den Spielern und ihrem Trainer Christoph Daum auf der Titelseite dieses karnevalistische Accessoire. "Deppen alaaf!", hieß es dazu. Aber damit war die Fast-Katastrophe schon wieder in die närrische Zeit eingewoben. "Do laachse dich kapott", erklärt der elfte und letzte Artikel des überschaubaren Grundgesetzes dem Rheinländer. Will also heißen: Wenn sich der FC so richtig blamiert, ist das die schlimmste Sache auf der Welt. Aber auch
wieder nicht so schlimm, dass man nicht am nächsten Tag im Rosenmontagszug darüber schon wieder prima Witze machen kann.
"Dat Hätz vun der Welt, jo dat is Kölle, dat Hätz vun der Welt, dat schlät am Rhin" - das singen die Höhner. Fast jeder Kölner wird ihnen zustimmen.
PRESSESPIEGEL 2006
Nachbarn hatten beim Feiern Gutes im Sinn
Böttcherstraßen-Anrainer übergaben Spende von 8600 Euro an gemeinnützige Einrichtungen
Gestern Mittag übergaben die Ausrichter des 12. Nachbarschaftsfests der Böttcherstraße - Vertreter des Wirtschaftssenators,
der Handelskammer, der Bremer Investitionsgesellschaft (BIG), der Böttcherstraßen GmbH, vom Casino Bremen,
dem Lokal StäV (Ständige Vertretung), Café Freitag und Weinkontor St. Petrus -
die Summe von 8600 Euro in der StäV an verschiedene gemeinnützige Institutionen und Vereine.
Sie soll traditionell vor allem hilfsbedürftigen Kindern in der Hansestadt zukommen. Folgende Projekte und Einrichtungen werden dieses
Mal mit jeweils knapp 1000 Euro in ihrer Arbeit unterstützt: Das Horthaus Wohlers Eichen, das Kinderhospiz Jona, die Tobiasschule,
der Verein "Arbeit und Zukunft", der Förderverein Haus-Pfälzer-Weg, die gemeinnützige Gesellschaft Effect, die Schule am Wasser,
der Elternverein Leukämie- und Tumorkranker Kinder sowie die Stiftung Memax, die Maritim Hoteldirektor Bernhard Dohne zu Gunsten
zweier Kinder einrichtete. Die Mutter war 2005 von ihrem Mann am Arbeitsplatz im Hotel getötet worden.
Armes Bonn?
Der Regierungsumzug versetzte die Stadt in Schreckstarre. Inzwischen hat man sich ganz gut mit der Situation arrangiert.
Ein Blick zurück ohne Zorn
Als am 20. Juni 1991 kurz nach 22 Uhr die Beifallsstürme der siegreichen Berlinfraktion nach der Entscheidung über die zukünftige Hauptstadt der Bundesrepublik Deutschland abebbten, verlor der sonst würdevolle Saaldiener Werner Tondorf aus Bonn-Lannesdorf die Fassung. Unter lautem Schluchzen schrie er zornig: "Die Bahnschranken und der ewige Stau auf der B9! Deshalb is datt schief gegangen! Dauernd sind die Schranken zu! Ständig is Stau auf der B9! Da jibt et hier nur eine breite Straße, und die flicken ständig dran herum, seit den alten Römern wird da gebuddelt!"
So wie der befrackte Saaldiener fühlte wohl auch der Korrespondent der italienischen Zeitung "Luca Romano", als er über das Bundesdorf schrieb: "Bonn ist die einzige Hauptstadt der Welt, die durch eine Eisenbahn zweigeteilt ist. Um im Zentrum die Straße zu überqueren, muss man warten, dass sich die beschrankten Bahnübergänge öffnen. Und das dauert oft lange." Und zum Wahlkampf um die Hauptstadt meinte er: "Sie kämpfen wie wilde Tiere, auf die Bonner Art, nicht auf die Berliner Art. Das heißt, im Umfang ihres Dorfes." Wahr ist, was wirkt.
Von derlei Argumenten war in der elfstündigen Debatte der Parlamentarier nichts zu hören, man hatte in guter deutscher Tradition Höheres im Sinn. Den Politikern ging es um die Identität des größer gewordenen Deutschlands. Dabei befürchteten die Umzugsgegner, mit Berlin als Hauptstadt käme eine Neuauflage preußischer Kommandowirtschaft, während die Berlinbefürworter behaupteten, nur in der verarmten Metropole werde die Politik endlich die Sorgen der kleinen Leute erkennen und vor allem die Probleme des Ostens angehen. Für die einen war Berlin durch Preußen-Nostalgie, Nazi-Verbrechen, SED-Diktatur und kalten Krieg zu rückwärts orientiert, während die anderen, angeführt von der Spitze der damaligen politischen Klasse, an eine prächtige, symbolisch wirkende Hauptstadt glaubten. An ein Haupt, das die Glieder lenkt. In Bonn fehlten ihnen die steinernen Kulissen für ein virtuelles Staatstheater, das bedrohliche Mausgrau der Ministerien.
Aber da wird wohl auch mehr gebastelt als gelenkt.
Nach sechs Jahren des praktischen Regierens in Berlin wissen wir: In Hartz IV, der Gesundheitsreform, den Steuererhöhungen und bildungspolitischer Kleinstaaterei ist kein neuer politischer Stil zu erkennen. Die Reparaturarbeiten mit Beginn der Massenarbeitslosigkeit wären auch von Entenhausen aus zu organisieren gewesen.
Der Umzugswahlkampf war wohl eine zu heiß gelaufene Propagandaschlacht. Die Frage, ob sich da nun Argumente wirklich durchgesetzt haben, eignet sich nur noch als Stoff für Streit unter Historikern. Vielleicht ist das aber auch eine Aufgabe für die Seelenforscher, denn nach Sigmund Freud hat sich im Menschen eine entwicklungsgeschichtliche Anlage erhalten, nach der sich die autoritätssüchtigen Massenindividuen total der Herrschaftswillkür eines Urvaters ergeben. Und die Mehrzahl der Alphamännchen von Brandt bis Kohl war eben für Berlin. Undemokratisch war das nicht, denn Spitzenpolitiker verkörpern auch immer die Neurosen der Gesellschaft.
Tempi passati für Bonn?
Keinesfalls, denn die Berlindebatte mit der anschließenden Bauchentscheidung ist für Bonn ein solides Geschäft geworden. In der Stunde Null gab es weder für Berlin noch für die Bonner Region eine seriöse Folgenabschätzung. Die wird wohl nur bei Straßentunneln für Krötenwanderungen gemacht.
Zunächst hat es Monate gedauert, bis es den Bundespolitikern aus der Bonner Region gelang, die Verantwortlichen der Stadt aus ihrer Schreckstarre aufzuwecken. Sie hatten sich nie, wie im übrigen auch das zweigeteilte Berlin, um eine regionale Wirtschaftsstruktur kümmern müssen. Statt schlüssiger Konzepte hörte man aus den Trauerreden der Montagsdemos auf dem Bonner Marktplatz immer nur neue Wünsche.
Der Entscheidungszwang formte dann allmählich eine Parteienkoalition der mächtigen NRW-Landesverbände von CDU und SPD, die das Bonn-Berlin-Gesetz mit seinen Ausgleichsregeln für Bonn durchsetzten.
Mit diesem Gesetz wurde eine faire Arbeitsteilung zwischen den beiden Städten geregelt. Und um den Wegzug von Regierung, Parlament, Botschaften sowie von Medien und Verbänden auszugleichen, hat man 21 Bundesbehörden aus der Republik nach Bonn verlegt. Sechs Ministerien behielten ihren Dienstsitz in Bonn.
Zusätzlich wurde dann noch die satte Summe von 1,4 Milliarden Euro vom Bund - sprich dem Steuerzahler - über die Region für eine politikfreie Zukunft ausgeschüttet. Mit der Umwandlung des Postministeriums in die privaten Nachfolgeaktiengesellschaften Telekom und Post mit dem Konzernsitz in Bonn gelang ein weiterer lukrativer Schachzug.
Die Bonner Bürger reagierten trotzdem sehr unterschiedlich: Die Herrenausstatter setzten die Preise herunter, Juweliere bedienten wieder freundlich, aber die Taxifahrer und Kneipenwirte fluchten weiter auf die da oben. Während die Makler vom umzugsbedingten Riesengeschäft noch keine Witterung aufgenommen hatten, meldete der schlaue Bonner Wirt des Restaurants "Amadeus" eine Kneipenkonzession beim Bezirksamt in Berlin-Mitte an. Dort serviert der ehemalige "Bonn-Kämpfer" inmitten seines betuchten Publikums in der "Ständigen Vertretung des Rheinlandes" (genannt STÄV) "Himmel und Äd" und Kölsch vom Fass. Sein Kollege Guntram Fischer dagegen antwortete mit rührendem Trotz. An der Bonner Adenauerallee eröffnete er das "bescheidene Gasthaus" namens "Bonner Republik". Allerdings verbot ihm das Bundesverwaltungsamt in Köln, den Namen des Lokals mit dem Bundesadler zu zieren. Nun schmückt ihn ein dickes weißes Huhn, Anspielung an die "fette Henne", so wurde der Bundesadler genannt, der im ersten Bonner Plenarsaal über der Regierungsbank prangte. In der "Bonner Republik" kann der Gast unter dem Porträt von Konrad Adenauer mit roter Jeckennase "Steinbeißerfilet à la Stoiber mit Limonensoße" oder "Rinderroulade à la Rosemarie Nitribitt" genießen.
Währenddessen schwelgte man im Berliner Senat in Bedeutungsträumen und Visionen vom großen Geldsegen aus dem dicken Steuertopf der Bundeskasse. Der "Spiegel" sekundierte und sah Berlin gar als ein "Labor der Zukunft": "Wo sonst Skepsis herrschte, ist hier Aufbruch." "Wo sonst Lähmung lastete, blüht der Spaß am Neuen."
Diese Symbiose aus romantisierenden Schwärmern von Politikern, Schreibern wie Kulturfuzzis war offenbar blind für die ökonomischen Realitäten der einst wichtigsten europäischen Industriemetropole. In dem heutigen Ballungszentrum, bestehend aus vielen kleinen Städten und einverleibten Dörfern mit einem verarmten Umland, sind fast alle Ansätze der früheren Produktivität ausgelöscht. Nur ein Jahr nach dem Jubel über die Berlin-Entscheidung begann der Niedergang der dort stark präsenten New Economy.
Die Mehrheit der oft geschmähten Provinzler wird die Stadt in Zukunft alimentieren müssen. Den fixen Lokalpatrioten, die von ihren drei Opern schwärmen und die Berliner Luft besingen, sei aus der Provinz gesagt: Eine fabelhaft, szenige Stadt schafft noch keinen Mehrwert. Sexy und arm hilft keinem Arbeitslosen.
Wer glaubte, dass die Bundesregierung mit ihrem Gefolge bei der Aufnahme der Amtsgeschäfte in der "weltoffenen, toleranten" Stadt laut Senatsprospekt empfangen worden wäre, sah sich enttäuscht. Der große Treck aus Politikern, Beamten, Journalisten und Funktionären, der in den polierten Betonklötzen in Berlin-Mitte Quartier machte, stieß auf geballtes Misstrauen, ja sogar Ablehnung der Ortsansässigen. Das musste auch der Bonn-Emigrant Friedel Drautzburg erleben: "Bonner verpisst Euch" stand wenige Tage nach der Renovierung auf der Hauswand seiner "Ständigen Vertretung", die jetzt zum Treffpunkt vieler Bonn-Emigranten aufgestiegen ist. Die Begründung lieferten die Sprayer gleich mit: "Kiez gleich STÄV gleich Yuppies". Der Gastronom verstand die Welt nicht mehr und jammerte vor Journalistenfreunden: "Wir übernehmen hier Läden, die ewig leer stehen, und schaffen damit Arbeitsplätze."
Aus Angst vor steigenden Mieten wollten die Bewohner zwischen dem Bahnhof-Friedrichstraße und dem Hackeschen Markt keine Veränderung durch die Gutmenschen aus Bonn. Die übrigens fast alle keine Ur-Bonner waren, sondern aus allen deutschen Landen in die ehemalige Bundeshauptstadt am Rhein gespült wurden.
So mancher Neuankömmling rieb sich auch die Augen, als er bei der Wohnungssuche im Anzeigenteil einer Berliner Zeitung las: "Luxusappartement Unter den Linden zu vermieten - auch für Bonner!" - War das nun ein Vorkämpfer gegen die Fremdenfeindlichkeit oder ein Abzocker? Die Leuchtreklame des regionalen Fernsehsenders BTV "Keine Angst, Bonner haben noch nie viel verändert" wirkte auf die Berliner nicht beruhigend. Im Hinblick auf Berlin-Mitte war das wohl eine Fehleinschätzung.
Trotzdem wird der Berliner Schriftsteller Peter Schneider Recht behalten, als er im Kursbuch 137 für die aus Bonn eingeflogene Politikprominenz prophezeite, "dass sie es neben zahlreichen Minoritäten - Ausländer, Schwule, Lesben, Alternative, Autonome, Sprayer, PDS-Wähler, Radikale aller Sparten, Künstler, DDR-Nostalgiker, Hundehalter - nur zum Status einer weiteren Minderheit bringen könnten und nicht besonders auffallen".
Die Spree-Athener waren wohl immer zu weit weg vom Rhein, um die Konsensdemokratie, den Wesenskern des rheinischen Kapitalismus, mit seinen Spielregeln zu begreifen. Bei diesen Regeln, auch gelegentlich Kungelei genannt, rangiert der Konsens vor dem öffentlich zur Schau gestellten Effizienzgebaren der Politiker. Dieser Stil konnte nur im vertraulichen Gespräch die volle Wirkung entfalten - Handy, Fax und E-mail sind dazu ungeeignet, denn nachhaltige Konsenspolitik braucht kurze Wege und ein gemütliches Plätzchen, die Edelkantine Restaurant "Borchardt" am Gendarmenmarkt oder das "Café Einstein" Unter den Linden sind dafür genau richtig.
Das lernten die Neuberliner der politischen Klasse schon im politischen Vorschulalter in Bonn. Nur da waren sie in den Bonner Lokalen weniger unter sich. Die Zugereisten haben aber nicht nur die Lokalitäten in Berlin-Mitte besetzt, sondern auch das Regierungsviertel in Fahrradweiten zwischen Wohnung und Arbeitsplatz vermessen. Es ist beinahe so, als ob sie am Kollwitzplatz oder in der Schönhauser Allee ihre Bonner Südstadt wiederfinden wollten.
Selbst die Zwangsübersiedelten stellen heute nüchtern fest, dass die manchmal bizarre Diskussion mit schrillen Befürchtungen und abenteuerlichen Hoffnungen einer praktischen Betrachtung gewichen ist. Es ist wohl richtig, dass Berlin die Größe und Niederlagen des vereinten Deutschlands symbolisiert. Die Stadt mit preußischem Militarismus und Nazi-Barbarei und der kommunistischen Erziehungsdiktatur gleichzusetzen war so falsch, wie Bonn als verschlafene Provinzidylle abzutun. Es ist eine Großstadt mit über 300 000 Einwohnern.
Aber auch nach formalen Kriterien war Bonn niemals eine Hauptstadt. Wiederum war es etwas mehr als eine gut funktionierende Verwaltungszentrale in einem föderalistisch organisierten Staat.
Es gab nie eine "Bonner Republik", sondern eine unfertige, deutsche Demokratie. Deshalb heißt selbst der schicke Neubau der ehemaligen Parteizentrale der Sozialdemokraten im Volksmund bis heute: "SPD-Baracke". Die sieben Pressehäuser - mittlerweile wie die traditionsreiche Parlamentarische Gesellschaft plattgemacht - nannte man: "Presse-Baracken". Man arbeitete in einem Provisorium ohne kreischenden Bedeutungswillen. Trotz aller Klimaunterschiede bei den wechselnden Regierungen traten die Politiker im Bundesdorf "eher als Gäste auf", in Berlin-Mitte wirken sie wie in die Pleite gerutschte Eigentümer.
Im Bonner Parlament wurde nicht nur ein soziales Gewissen verankert, sondern auch Typen wie Joseph Fischer zumindest ansatzweise demokratisch resozialisiert. So ließ er die legendäre Beschimpfung des Vizepräsidenten Richard Stücklen flugs aus dem Protokoll streichen. Für drei Tage wurde er von den Sitzungen des hohen Hauses ausgeschlossen. Im Berliner Reichstag geht es dagegen brav und sittsam zu.
Nur der Erfinder der "Berliner Republik", Gerhard Schröder, fühlte sich 1980 als junger Bundestagsabgeordneter im Regierungsviertel unangemessen beachtet und flüchtete in eine zunächst verpatzte Kandidatur zum Ministerpräsidenten nach Niedersachsen. Nicht von Berlin, sondern schon von Bonn aus betrieb er gemeinsam mit Fischer durch die Kampfeinsätze von 14 Tornados in Jugoslawien die Militarisierung der Außenpolitik. Dabei hatten die beiden Berlin und den Weltsicherheitsrat der UNO fest in den Augen.
Zweifellos hat es die problembeladene Hauptstadt viel schwerer, in eine erfolgreiche Zukunft zu starten, als die Bonner Region. Denn die Wirtschaftskraft Europas liegt in der sogenannten "blauen Banane" zwischen London, Brüssel und Mailand. Diese Lage ist für die Region eine ideale Voraussetzung für einen international ausgerichteten Wirtschaftswandel.
Schon heute arbeiten 35 000 Menschen in dem ehemaligen Regierungsviertel für Post, Telekom, Deutsche Welle und UNO-Sekretariate. Das sind mehr Beschäftigte als vor dem Umzug. Wen kümmert es da, dass die geplante Wissenschaftsregion Bonn fehlgeschlagen ist. Man hat die 380 Millionen Euro für das Projekt CAESAR (Center for Advanced European Studies and Research) in Beton statt in Köpfe oder intelligente Projekte investiert.
Aber auch die Berliner lassen in den Wiederaufbau des Stadtschlosses investieren. Der mündige Steuerbürger wird es für beide Städte schon richten.
Die Bonner Lokalpolitiker sind mit Erfolgsmeldungen zurückhaltend. Denn die würden garantiert stärkere Begehrlichkeiten aus Berlin nach den sechs verbliebenen Ministerien auslösen. Deshalb liegen bei derartigen Forderungen der Berliner Politiker die in Bonn verbliebenen Ministerialbeamten wie die Hasen in der Ackerfurche und denken: "Et is noch immer alles jut gegangen."
Sie hoffen darauf, dass die umtriebige Oberbürgermeisterin alle aus dem Osten kommenden politischen Unwetter weglächelt. Im Ernst: Sie sollte ihren Besitzstand - die sechs verbliebenen Ministerien - unter einer Bedingung verschenken: Für eine Reform der Bundesverwaltung.
Zweifellos war die vertikale Aufteilung der Regierung auf zwei Städte auch für den Autor, der 1991 als Bundestagsabgeordneter entschieden für Bonn eingetreten ist, grober Unfug. Diese Entscheidung war mehr Ausdruck eines schlechten Gewissens der politischen Führungen als von Rationalität getragen. Vielleicht ist aber die durch den Haushaltsausschuss des Bundestages angestoßene Diskussion über die Verlagerung der sechs in Bonn verbliebenen Ministerien die letzte Gelegenheit zur Modernisierung und Reform der gesamten Bundesverwaltung.
Seit 1949 haben sich die 16 Ministerien einschließlich des Kanzleramtes zu einem bürokratischen Monster mit über 21 000 Beschäftigten aufgebläht. Die Apparate, die jährlich 1,34 Milliarden Euro kosten, arbeiten schwerfällig und sind mit Methoden aus dem vorigen Jahrhundert kaum noch steuerbar.
Schon vor der Arbeitsaufnahme der Bundesregierung in Berlin im September 1999 forderten Experten, die Gelegenheit des Umzugs zu nutzen, um den Koloss zu verkleinern und vor allem zu modernisieren. Die meisten Industriestaaten haben seit Ende der 80er Jahre ihre obersten Verwaltungen rationalisiert. In Berichten der OECD über das "new public management" in 25 Mitgliedsländern kann Deutschland mit keinem einzigen Projekt punkten. Dabei ist eine Verwaltungsreform rein organisatorisch einfach durchzuführen. Nach den Kriterien des Bundesrechnungshofs (BRH), der zugleich Rationalisierungsbeauftragter der Bundesverwaltung ist, muss ein Referat als unterste Arbeitseinheit in einem Ministerium einen kontinuierlichen Arbeitsbezug zu den Gesetzgebungsverfahren aufweisen. Bei zirka 40 Prozent der Arbeitseinheiten ist das nicht der Fall. Fast die Hälfte aller Referatsleiter haben kaum etwas zu leiten. Sie beaufsichtigen im Durchschnitt weniger als vier Sachbearbeiter.
Der Rechnungshof rügt regelmäßig diesen kleinteiligen Aufbau, der nur dazu dient, den Stellenkegel im höheren Dienst zu verbreitern. Für Fachleute liegt eine betriebswirtschaftlich effiziente Spanne bei einem Vorgesetzten zu zwölf Mitarbeitern. So wie zum Beispiel das Referat Wasserstraßenmanagement (Binnen) oder das Referat Wasserstraßenmanagement (Küste) im Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung haben viele Arbeitseinheiten rein verwaltenden Charakter. Hunderte solcher Arbeitseinheiten könnten in nachgeordnete Bundesbehörden integriert oder umgewandelt werden.
Schon seit Jahren fordert der Potsdamer Verwaltungswissenschaftler Professor W. Jann, diesen einfachen Grundsatz politisch durchzusetzen: "Ministeriale sollen Gesetze vorbereiten, die Verwaltung kontrollieren und internationale Politik gestalten." Basta.
In Europa gelten die auf "policy making" reduzierten Ministerien als Vorbild: "Ihr müsst doch krank oder verrückt sein", meinte der Rotterdamer Uniprofessor Walter Kickart drastisch, dass ihr "euch immer noch nicht bewegt".
Und zur Spaltung der Regierung meinte der Afrika-Experte Nils Breyer aus dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit: "Man lebt sich auseinander."
Die Bonner Oberbürgermeisterin, die Bonner Stadtverwaltung und die NRW-Landesgruppen der regierenden Parteien von CDU und SPD wären gut beraten, das kleinkarierte Besitzstandsdenken aufzugeben, um sich an die Spitze einer Reformbewegung zu setzen, die diesen Namen auch verdient. Noch ist für die sechs Ministerien etwas einzuhandeln.
Der Geist der Jugendjahre der Republik in Bonn geht damit nicht verloren. Er steht nach der Nazi-Diktatur und der kommunistischen Oligarchie für ein positives Deutschlandbild in der Welt. Diese Bonner Vergangenheit hat dem Land einen wirklichen Wert gegeben. Das ist die Tradition, die auch in Berlin zu pflegen ist.
Jürgen Habermas, der deutsche Philosoph mit Weltgeltung, empfahl dem gerade nach Berlin umgezogenen Bundeskanzler Schröder persönlich, den Übergang so zu gestalten, dass die "politische Kultur der alten Republik nicht verloren geht".
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Hans Wallow war drei Legislaturperioden lang Bundestagsabgeordneter in der SPD-Fraktion. Er lebt als freier Autor in Bonn.
StäV-Wirte nehmen Umzugsforderungen nicht ernst
Gelassenheit in der "Ständigen Vertretung"
Von Gerd Brendel "Also pendeln wir nicht, und haben unseren Betrieb in Bonn aufgegeben." WESTFÄLISCHE ZEITUNG, 25.07.06
Wieder einmal wird der Ruf nach dem endgültigen Umzug des gesamten Regierungsbetriebs von Bonn nach Berlin laut: Der Ur-Rheinländer Harald Grunert und sein Kompagnon Friedel Trautzburg haben ihn wahrgemacht, als sie mit ihrer Kneipenrepublik vor fast zehn Jahren vom Rhein an die Spree zogen und ihre "Ständige Vertretung" als inoffizielle Botschaft heimatvertriebener Regierungsbonner am Schiffbauerdamm eröffneten.
Das wovon in den letzten Tagen ein paar Abgeordnete laut träumten: Den endgültigen Umzug des gesamten Regierungsbetriebs von Bonn nach Berlin: Der Ur-Rheinländer Harald Grunert und sein Kompagnon Friedel Trautzburg haben ihn wahrgemacht, als sie mit ihrer Kneipenrepublik vor fast zehn Jahren vom Rhein an die Spree zogen und ihre "Ständige Vertretung" als inoffizielle Botschaft heimatvertriebener Regierungsbonner am Schiffbauerdamm eröffneten.
"Die Entscheidung die wir 1997 getroffen haben, nach Berlin zu gehen und unsere Lokale aufzugeben, war eine Entscheidung, die fast unter dem Druck der Gäste stattgefunden hat."
Dass jetzt die in Bonn verbliebenen Ministerialbeamten ihrer Lieblingskneipe hinterher ziehen sollen - unter dem Druck der wahlweise Opposition, der Steuerzahler oder Berliner Lokalpolitiker - hat Harald Grunert schon zu oft gehört, als dass er die Meldungen wirklich ernst nehmen könnte.
"Die Gerüchteküche, die alle zwei Jahre seit dem Umzug durch die Republik geistert, fängt immer damit an, dass jemand ganz laut ruft: Es ist zu teuer, wir müssen jetzt mal sehen, dass alle anderen Ministerien nachziehen."
Unter Grunerts Stammgästen aus der Politik halten sich Pendler und Neu-Berliner die Waage. Die Stimmung sei entspannt. Und als entspannteste Gruppe erlebt der Gastronom die Beamten mit festem Bonner Wohnsitz im Berliner Pendler-Feierabend:
"Die Pendler die in Bonn leben, und ab und zu in Berlin sind, die kommen schon gerne hierher, weil sie die Kollegen treffen, die immer hier sind ... und auf der anderen Seite …"
Und auf der anderen Seite lässt sich das Feierabend-Kölsch auch viel unbeschwerter genießen, wenn keine Familie im Bad Godesberger Reihenhäuschen mit dem Abendessen wartet, sondern nur das einsame Hotelbett. Mehrkosten hin oder her - so bleibt wenigstens gewährleistet dass die Beamten nicht im Kleinfamilien-Elfenbeinturm verschwinden und den Kontakt zur Bevölkerung nicht verlieren. Und sollte sie zu später Stunde in ihrer Lieblingskneipe mal das schlechte Gewissen plagen, von wegen all der teuren Spesengelder für die ganze Pendelei, dann erfahren sie auf dem Herren-WC Erleichterung: Da hängen die Nachrichten über den teilweisen Regierungsumzug schwarz auf weiß.
"Wir sind jetzt hier in unserer Herren-Toilette und hier an den Wänden sind die Ausgaben des Kölner Stadt-Anzeigers und des Bonner General-Anzeigers vom Tag der Entscheidung. Wir reden vom 23. Juni 1993, wo die Entscheidung fiel: Bonn oder Berlin. Hier hat mal eben auch mal Zeit zu lesen ... den Antrag für Berlin weiterzugeben."
Und falls der seltene Fall eintreten sollte, dass Politiker sich über einmal beschlossene Gesetze hinweg setzen sollten: Die Kölsch-Versorgung der Hauptstadt bleibt gewährleistet. Da ist sich Harald Grunert ganz sicher. Prost.

Wie im Rheinland: Karnevalsbeginn in der Berliner Kneipe "Ständige Vertretung" (Bild: AP Archiv)
HP / DE TIJD (Niederlande), 07.07.2006, Seite 75 - 78
WAIHDE (Zeitung aus Finnland), 22.06.06



SYKER KREISZEITUNG, 02.08.2006 Von Alice Bachmann BREMEN. Als Kuppler betätigte sich Moderator Theo Schlüter gestern in seiner Sendung "Nordwest vor Ort" im Bremer Presseclub, die auch "Theo und die Theologen" hätte heißen können. Da es in der direkt im Radio übertragenen morgendlichen Gesprächsrunde um Einrichtungen ging, die den Namen des Apostels Jakobus tragen, ist das altdeutsche Wort "Kuppler" sicher die bessere Wahl, als es das moderne "Netzwerker" wäre. Überhaupt bot das Thema reichlich Anlässe für Wortspiele, die Schlüter gern nutzte, auf die seine Gesprächspartner aber selten eingingen. DIE WELT, 28.06.2003 Die Seelenverwandtschaft ist unübersehbar, doch wie viel Köln in Berlin steckt, wird sich in der nächsten Woche am 3. Juli beim größten Konzert mit Kölner Volksmusik auf der Piazzetta am Kulturforum Potsdamer Platz zeigen. "Kölle goes Berlin" ist das Motto des Open-Air-Konzerts mit den Traditionsgruppen der Domstadt wie Höhner und Bläck Fööss. Die Vorfreude wird heute bereits an der Theke des rheinischen Kult-Lokals "StäV" ("Ständige Vertretung", Tel. 28 59 87 36) am Schiffbauerdamm in Mitte zelebriert und mit dem obergärigen Kölsch begossen.
Theo und die Theologen
Wortspiele und Versprecher bei "Nordwest vor Ort" zum Thema Jakobsweg
Zunächst allerdings stieg der Moderator mit einem Versprecher ein, der sicherlich auf das unermüdliche Wirken Wilhelm Tackes, des Sprechers der Katholischen Kirche Bremens,
zurückzuführen ist. Ansgar Lüttel ist der Bremer Propst, was - wie Tacke immer wieder betont - mit zwei p geschrieben wird. Schlüter machte Lüttel zum "Papst der Bremer Katholiken".
Carl Kau, Leiter der Commerzbank in Bremen und Vorstand des Bremer Bankvereins, musste sich die Frage Schlüters gefallen lassen, ob er als Bankmanager auf dem spanischen Jakobsweg pilgern wolle, um von seinen Sünden reingewaschen zu werden. Dr. Karl Mahlert von der Bremer Bruderschaft Jacobi Majoris, die gerade ihr 350-jähriges Bestehen feierte,
wies sogleich darauf hin, dass neben dem katholischen Glauben vom Sündenerlass früher auch Verbrechern, die den Jakobsweg wanderten und zurückkamen, ihre Strafen erlassen wurden. Mahlert, der mittlerweile auf eine Lebenserfahrung von neun Jahrzehnten zurückblickt, beeindruckte mit seinen kurzen Erklärungen über die im nachreformatorischen Bremen gegründete Bruderschaft, die eher aus Zufall den Namen eines katholischen Heiligen trägt.
Weder Lüttel noch Mahlert gingen auf Schlüters Hinweis ein, Reichtum und Rotwein seien vor Jahrhunderten durch die Pilger nach Bremen gekommen. Und auch Friedel Drautzburg, Gastronom mit mehreren Lokalen in Großstädten, wollte nicht vom Wein reden, sondern von seinen Erfahrungen durch das Pilgern. Schließlich handele er nur vordergründig mit Spirituosen, erklärte Drautzburg, der das Pilgern mehr spirituell denn religiös nennen mochte. "Wir verkaufen Lebensqualität", so Drautzburg. Eine Darstellung, der sich Kau - angetan mit einer Kette mit großer Pilgermuschel dran - anschloss, denn auch die Kredite von Banken könnten die Qualität im Leben steigern. Auch sonst zeichneten sich Berührungspunkte zwischen dem Bank- und dem Schankmann ab, die zum Visitenkartentausch führten. Später tauschten Ulrick Mickan vom Bremer Geschichtenhaus und Kau ebenfalls ihre Adressen, denn Mickan sucht noch Sponsoren, die das Pilgern von Langzeitarbeitslosen auf dem Jakobsweg finanzieren.
Friedel Drautzburg pilgerte auch bereits dort - nicht nur aus Kummer und Buße, sondern aus Dankbarkeit, Vater geworden zu sein, sagte der Gastronom.
Kölle goes Berlin: Sauerbraten und stangenweise Kölsch
"StäV" tischt Deftiges aus dem Rheinland auf
Wie genussvoll ist ein Essen in dem Restaurant, das rheinische Lebensart und deftige Küche offeriert? Bekanntlich lässt sich die Klasse der Gastronomie in der Hauptstadt nicht nur an Michelin-Sternen und Gault-Millau-Hauben messen. Gut gemachte Regional-Küche und einfache Gerichte aus ordentlichen Grundprodukten runden erst die Genusspalette ab.
Rappelvoll ist es in dem weitläufigen Restaurant mit den blankgescheuerten Tischen und den unzähligen Politiker-Bildern an den Wänden.
Anders als in typischen Berliner Restaurants, wo jeder nach einem freien Tisch strebt, setzt sich in der "StäV" jeder zu jedem. Kölsche Kneipen-Philosophie: "Drink doch eene met . . ."
Natürlich bestellt man in diesen Räumen einer ehemaligen Zigarrenfabrik Hausspezialitäten: den Flammkuchen mit Blutwurst und Zwiebeln beispielsweise, oder mit zehn anderen Aroma-Kombinationen. Und wie in der armen Zeit (nach Kriegsende) werden Reibekuchen mit Rübenkraut (Zuckerrüben-Sirup) serviert. Die Chefs des Hauses, Harald Grunert und Friedel Drautzburg, wählten die Leibgerichte aus dem Köln-Bonner Raum und ergänzten sie mit Berliner Dauerbrennern. "Himmel un Äad" ist angesagt. Mit dem rheinischen Nationalgericht ist gebratene Blutwurst mit Zwiebeln auf feinem Kartoffelpüree und Apfelkompott gemeint. Am Nebentisch wird rheinischer Sauerbraten in Rosinen-Pumpernickel-Sauce und Kartoffelklößen serviert.
Wir haben Kölsche Hämchen (Vordereisbein) bestellt. Sie sind mager und sauber zubereitet, dazu gibt es vorzügliches Sauerkraut und Bratkartoffeln, allerdings mit natürlicher Blässe. Da merkt man, dass der Laden voll ist und es schnell gehen muss.
Nun verirren sich ja auch mal Frauen in den maskulinen Kölsch-Tempel. Da ist der bunte Salatteller mit Shrimps, in Olivenöl, Knoblauch und Schluppen, in der Pfanne geschwenkt, der absolute Favorit, auch die zarte Poulardenbrust mit Blattspinat und Birnen-Kartoffel-Gratin geht weg wie warme Semmeln, pardon, "wärm' Röggelsche".
Von der Weinkarte zu reden, wäre in einem Lokal, wo das Bier ohne Unterbrechung fließt, wohl unangebracht. Der Service funktioniert hemdsärmelig, schnell und unaufgeregt. Wird einmal ein Gericht vergessen, repariert der "Köbes" (der Kölsche Kellner) das blitzschnell.
"Et hät noch immer jot jejange." Das versteht auch der Berliner. Wirklich wahr, auch in der "StäV" stimmt das Motto vom Kulturforum: "Kölle goes Berlin"
MÄRKISCHE ODERZEITUNG, 26.02.2006
Kölsch, Kult und Karneval
Die Gastronomen Friedel Drautzburg und Harald Grunert haben mit ihrer Kneipe "Ständige Vertretung", der StäV, rheinische Genuss und Lebensfreude vom betulichen Bonn ins raue Berlin exportiert.

Ein Erfolgsunternehmen, das seine ersten Ableger hat
Von Dana Micke
Die StäV verkauft Lebensqualität. Das geht nur mit netten Mitarbeitern. Rheinisches Experten für die Jecken in Rüdersdorf
Wer die StäV betritt, dessen Blick schweift über die Kneipentische, entlang den Wänden mit vielen Fotos und bleibt hinten an einer roten Fahne hängen. Am Spruch darauf, der Emotionen im wiedervereinigten Deutschland weckt: "Vom Wessi lernen heißt Siegen lernen!" Lässt die Bonner Republik grüßen?
Wirt Friedel Drautzburg lacht und zeigt auf die ganze Stirnwand:
"Das ist ein geschlossenes Kunstwerk von Wolf Leo, einem Ostberliner!"
Der Künstler, Jahrgang 1942, hat Alltagsszenen aus der DDR verewigt. Die StäV-Betreiber Friedel Drautzburg und Harald Grunert haben das bewusst jemanden überlassen, der dort seine Biografie gelebt hat. Leo hat ein Fenster aus dem alten Bonner Wasserwerk mit Privat- und Pressefotos umfunktioniert. Im Zentrum das DDR-Emblem, setzt sich der Künstler mit Konformismus und Opposition, Enge und Lebensfreude auseinander. Neben dem collagierten Fenster hat er die alte Fahne mit dem neuen Spruch aufgehängt.
Erzählte Episoden, ein Stück Heimatkunde wie die vielen Fundstücke und Bilder von Politikern der Zeitgeschichte, die bis unter die Decke an den Wänden prangen. Die aber erinnern vornehmlich an die Bonner Republik, die es auch nicht mehr gibt.
"Et es wie et es", sagt man hier in Kölsch: All die großen Tiere waren schon da. Und die grüßen nun mit ihren Konterfeis, schön eingerahmt. Meist haben die Präsidenten, Kanzler, Minister, Staatssekretäre, Abgeordneten und Künstler ein Kölsch in der Hand, als ob sie "Prost!" skandierten. Nur fröhliche Gesichter im Sinne von Artikel 3 der rheinischen Verfassung: "Es hätt noch immer jot ejangen."
Die Rheinländer haben ihre lebenslustige Kultur mitgebracht. Und die sorgt nicht nur allein in der Karnevalszeit für Frohsinn. Das Publikum goutiert die Kneipe als heimeligen Platz des Essens und Trinkens, aber auch als Erinnerungsort für das vergangene Westdeutschland. Hier kehren nicht nur Promis ein, sondern auch bodenständige Leute, Berliner und viele weit gereiste Touristen.
"Unsere Internetseite wird am Tag 400 Mal angeklickt", sagt Drautzburg stolz. Gerade habe eine Agentur aus Frankfurt am Main Plätze während der Fußball-WM geordert. Von wegen, der StäV-Tresen sei eine Klagemauer für die Nostalgiker der alten Bonner Republik. "Eine Mär der Medien", so die Chefs.
Das rheinische Grundnahrungsmittel tätschelt den Landsleuten jedenfalls die Seele: Kölsch, stilecht serviert in den 0,2-Liter-"Stangen". Mitunter so viel, dass sich Exilrheinländer und Einheimische glückselig in den Armen liegen. Und bei einem dampfenden Teller mit "Himmel un Ääd met Flönz" - das rheinische Nationalgericht Blutwurst mit Kartoffelpüree und Apfel - wird das letzte Stück Heimweh am Abend vorübergehend heruntergeschluckt.
Getrauert hat man hier also schon. Zwar ist Drautzburg in der Eifel geboren, aber der 67-Jährige hat immerhin eine über 30-jährige Gastronomenkarriere in Bonn hingelegt. Dort hat bei ihm 1980 Grunert, heute 56, als Kellner angefangen. Kurz darauf ist er sein Partner geworden. Damals hätten sie keine zehn Pferde aus der alten Hauptstadt wegziehen können, wenn da nicht der Umzugsbeschluss der Bundesregierung gewesen wäre. Die heftige Bundestagsdebatte dazu kann jetzt auf den Klo-Wänden der StäV nachgelesen werden.
Das Kultige hat schon damit begonnen, dass die eingefleischten Bonn-Liebhaber und Umzugsgegner umgekippt sind, als ihre besten Kunden mit dem fetten Bundesadler ans Ufer der Spree gedüst sind. Drautzburg und Grunert haben sich daraufhin ein Etablissement in bester parlamentarischer Lage ausgeguckt und ihm einen bekannten Namen verpasst: Die alte "Ständige Vertretung", die Quasi-Botschaft der Bundesrepublik, kurz StäV genannt, hat sich ja durch die Einheit erledigt, dafür ist die neue StäV ein Ort der Geselligkeit geworden. "Im Gegensatz zu vielen Bonner Politikern sind wir freiwillig hier", betont Drautzburg. Damals für ihn und Grunert ein unternehmerisches Risiko. Wie viel sie hier investiert haben, sagen sie nicht. Neben dem Standort der Kneipe ist das Konzept entscheidend. Und das der StäV ist wie im kleinen betulichen Bonn auch im rauen Moloch Berlin eingeschlagen. Die Kneipe ist Kult. Hier gibt es rheinische Lebens- und Genussfreude im Mix mit Kultur und Politik. Entscheidend seien nicht nur die Idee, sondern auch Personal und Service, sagt Drautzburg. Die Gäste müssten sich wohl fühlen, finanzierten sie doch das Lokal. "Wir verkaufen Lebensqualität ! Das funktioniert nur mit netten Mitarbeitern. Hier arbeiten 40 Vollzeitkräfte, das Gros aus den neuen Bundesländern, der Rest aus anderen Erdteilen", sagt Grunert. Das Team werde regelmäßig geschult. Freundlichkeit sei oberstes Gebot. Selbst wenn das Essen mal versalzen ist, sei das nicht so schlimm, wenn der Gast auch bei seiner Beschwerde freundlich behandelt werde. Der Kunde ist König, eine Binsenweisheit. Und was macht nun den sprichwörtlichen Frohsinn der Rheinländer aus? Drautzburg lacht, erklärt das mit der Mentalität: "Wir beherrschen Lieder mit vielen, vielen ellenlangen Strophen. Wenn einer anstimmt, singt hier der ,ganze Tisch' mit. Da wird geschunkelt und gefeiert. Die Berliner Gäste schauen dann bloß." Hier wird jedenfalls oft und lang gesungen. Mit Erfolg. Die 110 Plätze drinnen und die 100 draußen auf der Terrasse im Sommer sind schnell besetzt.
Doch das Sommergeschäft im Freien droht zu platzen, denn das Bezirksamt Mitte hat die Uferpromenade zwischen Friedrich- und Albrechtstraße bis auf weiteres gesperrt. Der Grund: Einsturzgefahr der Kaimauer -deren unter Wasser liegende Eichenpfähle weisen bis zu 50 Zentimeter tiefe Löcher auf. Da die Freiluftsaison am 1. Mai beginnt, fordern die Wirte schnelle Klarheit über die Bauarbeiten. Sie sind sauer, weil die Uferpromenade erst 2003/2004 mit 120000 Euro Fördermitteln neu gestaltet wurde. Nun streiten das Wasser- und Schifffahrtsamt und das Land Berlin über die Eigentumsverhältnisse der Kaimauer und die Finanzierung. Zum Ärger der Gewerbebetreibenden.
Doch Grunert und Drautzburg haben noch nie klein beigegeben. Andere Kneipen sterben, die StäV brummt.
"In Berlin gibt es etwa 10000 Gastronomiebetriebe, von denen wechseln 50 Prozent im Jahr die Betreiber",
so Grunert. Der Markt sei härter geworden, und das Geld der Kunden sitze nicht mehr so locker wie früher.
In der StäV liegen Infoflyer aus. Darauf ein Foto von Altkanzler Willy Brandt mit verkniffenem Gesicht, umrahmt mit dem Satz: "Lachen, einfach lachen - auch wenn die Rechnung kommt."
Drautzburg ist jetzt nicht nach Lachen zumute. Er verweist auf eine Studie, wonach die Portugiesen europaweit das meiste Geld für Essen und Trinken ausgeben, die Deutschen am wenigsten. "Für den Autoauspuff wird hier mehr investiert als in ein schönes Essen mit der Familie. Vielen Deutschen fehlt die Lust, sich selbst zu verwöhnen." Das lässt sich nicht nur mit Hartz IV erklären, müssen doch auch die Portugiesen Existenzkämpfe ausfechten. "Wir sparen uns gegenseitig kaputt."
Wie sehen die StäV-Betreiber Berlin? Grunert ist "zu Hause. Hier lebe ich mit meiner Frau, habe meinen Job." Drautzburg bezeichnet sich als glücklichen Single. Von seiner Lebensgefährtin aus Hönow in Märkisch-Oderland lebe er getrennt. "Wir verstehen uns trotzdem noch prächtig", versichert er. Mit dem gemeinsamen Töchterchen Marie-Sophie unternehme er weiter viel. "Sie ist mein Lebensinhalt. Gleich treffe ich sie wieder."
Und wie ist das nun mit Berlin? "Fahren Sie wie ich jeden Morgen eine Stunde U-Bahn, dann wissen Sie es! Kein Blickkontakt, kein Wort, kein Lachen. Stumme Aggressionspflege" nennt das Drautzburg. "Ich kenne keinen Berliner, der geliebt werden möchte. Vor Jahren war die mentale Teilung der Stadt noch spürbar. Jetzt nicht mehr." Drautzburg nippt wieder an seinem Glas heißer Milch. Kein Kölsch? "Wieder ein Klischee", sagt er. Mittags trinke er kein Alkohol. Auch Grunert bestellt Milch. Die Wirte verweisen gern auf das rheinische Gastronomie-Motto: "Wenn wir schon leben müssen, dann wenigstens gut!"
Ihre Hauptstadt-Lokale "Piccolo" und "De Kölsche Römer" haben Drautzburg und Grunert inzwischen verpachtet, um sich mehr auf die StäV zu konzentrieren. Nicht nur, weil hier seit Sommer 2005 der Terrassenausschank hinzugekommen ist, sondern StäV-Ableger auch bundesweit entstanden sind: In Hamburg, Hannover und Leipzig haben sie Lizenzen vergeben, in Bremen sind sie selbst Betreiber. "Die Läden boomen."
Hier in der StäV ist der Berliner Karnevalsumzug der Neuzeit geboren worden. Am Sonntag startet er zum
sechsten Mal. "Wir haben den Karneval nach Berlin importiert", hat Drautzburg Ende 2005 dem Amtsgericht Berlin-Tiergarten selbstbewusst erklärt. Ein Nachbar des Lokals wollte sich damit nicht abfinden, hatte Anzeige erstattet - wegen Verstoßes gegen die Lärmschutzverordnung bei der Party am 11.11.2004. Und das, obwohl die Kneipe dem Herrn in den vergangenen Jahren für zwei der vier hemmungslosen Karnevalstage einen Hotelaufenthalt in Bad Saarow spendierte. Aber die Klage wurde abgewiesen, weil die anderen Nachbarn immer gern mitfeiern.
"Eine richtige Entscheidung ", sagt Grunert, der ein echter Jecke und in dieser Eigenschaft schon viel
herumgekommen ist. Die Veranstaltungen der Westberliner im Hotel "Estrel" sind nicht so sein Ding: "Da bezahlt man Eintritt und bekommt ein Riesen-Programm." Begeistert berichtet er lieber von Rüdersdorf in Märkisch-Oderland. Da habe er erlebt, wie an die 1000 Narren im Kulturhaus für Stimmung sorgten. "Kurzes Programm, und dann wurde überall getanzt, dass die Wände wackelten. Die Brandenburger sind urwüchsig, können richtig feiern."
In der "fünften Jahreszeit" trauen sich mittlerweile auch in Berlin die bunt kostümierten Narren in die U- und S-Bahnen. Manche geizen auch trotz beißender Kälte mit den Textilien. Ganz nach dem Motto: Seien wir gnadenlos schamlos!
Und wie sieht es mit der Karnevalskluft der beiden StäV-Herren aus? "Friedel, du siehst doch immer verkleidet aus", witzelt Grunert. "Mir reicht eine Pappnase", sagt Drautzburg trocken. Sein Partner lächelt süffisant, sein Outfit aber verrät er nicht.
Apropos "Vom Wessi lernen heißt Siegen lernen". Hier passt das irgendwie: Von den Kölnern haben sich die Berliner Narren anstecken lassen, auf den Straßen mit ihren Wagen Großes zu wagen. Und da das mit dem Umzug durch die City fünf Mal so gut geklappt hat, wird jetzt wieder mit einer Million Zuschauern gerechnet. Sonntag zwölf Uhr geht es los. Da steppt der Bär, bebt auch die StäV. Zuvor sagen Drautzburg und Grunert erst mal nur "Tschööö" - mit ö! ------------
StäV, Schiffbauerdamm 8, Tel. (030 2823965)
KÖLNER EXPRESS, 06.02.2006
DER SPIEGEL 3/2006 vom 16.01.2006, Seite 48 Deutschland wird 15 Jahre nach der Einheit immer noch aus zwei Städten regiert. Die unsinnige Trennung zwischen Bonn und Berlin ist ein Symbol für die Reformunfähigkeit der Politik.
REGIERUNG"Manchmal wahnsinnig"
Man kann Friedel Drautzburg nicht vorwerfen, dass er nicht gekämpft hätte. 37 Jahre hat er in Bonn gelebt, 14 Lokale hat er in der ehemaligen Bundeshauptstadt unterhalten, und noch immer blinkt am Revers seines Jacketts ein Anstecker, der die Zwillingstürme des Kölner Doms zeigt.
Er gründete eine Initiative ("Ja zu Bonn"), er ließ Plakate drucken ("Umzug ist Unfug"), er organisierte sogar eine Anzeigenkampagne. Sein Schnauzbart hüpft vor Vergnügen, wenn er an die Tage des wilden Widerstands denkt.
Doch irgendwann kam ihm die Erkenntnis, dass ihm sein Revolutionsgeist viel Ruhm einbringt und wenig Reichtum. Es war der Moment, als der Geschäftssinn über das Heimatbewusstsein triumphierte. "Die Bonner Beamten mussten doch nicht auch noch bei Berliner Wirten Bier trinken", sagt Drautzburg. Im September 1997 war es so weit, er eröffnete seine neue Kneipe, die "Ständige Vertretung" in Berlin. Drautzburg bereut den Entschluss nicht. Er steht am Tresen seiner Kneipe, um ihn herum schwirren seine Kellner, das Kölsch saugt sich in die Bierdeckel der Gäste. "Das war ein richtiger Wurf", sagt er über seine Geschäftsidee.
Der Politik hätte bei der Bonn-Berlin-Debatte ein bisschen Drautzburgscher Realitätssinn gutgetan. Seit sechs Jahren ist der Bundestag in Berlin, aber regiert wird Deutschland immer noch aus zwei Städten. 6 von 14 Ministerien haben ihren Hauptsitz in Bonn, 8800 Beamte und Angestellte arbeiten in Berlin, 10 200 am Rhein.
Es ist ein teures und absurdes Konstrukt, das mit deutscher Gewissenhaftigkeit verwaltet wird. Kaum einer in der Regierung findet daran Gefallen. Kanzleramtschef Thomas de Maizière lässt intern keinen Zweifel daran, dass er lieber heute als morgen die gesamte Regierung in Berlin sähe.
Trotzdem sieht es so aus, als würden sich Union und SPD nur darauf einigen können, dass alles so schlecht bleibt, wie es ist. Wenn im März die Föderalismusreform in den Bundestag eingebracht wird, ist darin auch die Neufassung des Grundgesetz-Artikels 22 enthalten: "Die Hauptstadt der Bundesrepublik Deutschland ist Berlin" wird es dort heißen. Doch der Begleittext zur Reform enthält die Zusicherung, dass Bonn seinen Sonderstatus behält.
Die Chance ist vertan, noch einmal über das Berlin-Bonn-Gesetz zu reden, in dem die Aufspaltung der Regierung zwischen Rhein und Spree festgeschrieben wird. "Die Mutter aller Reformen" (CSU-Chef Edmund Stoiber) sollte das deutsche Zuständigkeitswirrwarr auflösen; sie sollte dafür sorgen, dass aus der blockierten Republik ein effizient verwalteter Staat wird.
Jetzt gibt es eine Einigung, die typisch ist für die deutsche Politik. Sie sichert Privilegien, keiner steht düpiert da. Das Problem ist nur, dass nichts besser wird. Es ist der Sieg des Kompromisses über die Vernunft; ein Beleg für das Unvermögen der Politik, selbstgemachte Schwierigkeiten aus der Welt zu schaffen.
Einer der Hüter des Status quo ist Klaus Böttner. Der Personalratsvorsitzende des Bundesgesundheitsministeriums strahlt eine freundliche Behäbigkeit aus. Er sitzt in seinem Büro im Bonner Stadtteil Hardtberg, über seinen beeindruckenden Bauch spannt sich ein ausgewaschenes Flanellhemd, darüber trägt er eine abgewetzte Lederjacke. An der Wand hängt ein Foto seiner Hündin Ayka.
Oberamtsrat Böttner besitzt seit 16 Jahren ein Häuschen in Meckenheim bei Bonn, und er sieht nicht ein, warum er mit seiner Familie weg sollte. "Ich kann doch nicht einfach sagen: einsteigen, fahren."
Weil er weiß, dass es vielen seiner Kollegen ähnlich geht, sorgt er dafür, dass nichts ins Rutschen kommt bei der Personalverteilung zwischen Bonn und Berlin. Bisher mit einigem Erfolg. Nur 120 der insgesamt 560 Ministeriumsbediensteten arbeiten in Berlin. Wenn irgendein Ministeriumsoberer auf die Idee kommt, vorschnell eine Stelle in Berlin auszuschreiben, spricht er mit seinem Staatssekretär und sagt, er könne das "nicht nachvollziehen".
Böttner will nicht, dass schleichend immer mehr Beamte aus Bonn abgezogen werden und es am Ende heißt, der Standort am Rhein müsse leider geschlossen werden, weil er zu klein geworden sei. Deswegen sieht er es auch mit Wohlwollen, dass nur ein paar Schritte von seinem Büro entfernt eine Grube für einen Neubau des Gesundheitsministeriums ausgehoben wurde. "Ich bin ein Verfechter des Berlin-Bonn-Gesetzes", sagt Böttner.
Das kann man von Gerd Hoofe nicht behaupten, der seit November Staatssekretär bei Familienministerin Ursula von der Leyen ist. Hoofe ist ein Verwaltungsfachmann mit dem festen Glauben, dass man mit gesundem Menschenverstand jedem Problem beikommen kann. Seit kurzem hat dieser Glaube Risse bekommen.
Mindestens einmal in der Woche sitzt er im Saal 8112A des Berliner Familienministeriums, es ist ein Raum ohne Fenster, alles ist ausgekleidet mit dunkelblauem gewelltem Tuch. An der Wand hängt ein großer schwarzer Flachbildschirm, darüber thront eine Videokamera. Es ist ein Bild wie aus einer Verfilmung des Romans "1984" von George Orwell.
Wenn Hoofe auf die Schnelle mit seinen Beamten in Bonn reden will, muss er hierherkommen, es ist der Videosaal seines Ministeriums. Hoofe hat schon alles Mögliche versucht, um eine vernünftige Arbeitsatmosphäre in diesen Schaltkonferenzen hinzubekommen. Er hat sich angewöhnt, laut und deutlich zu sprechen, er blickt immer gerade in die Kamera.
Trotzdem bleiben diese Sitzungen seltsam unergiebig. Mal macht einer einen Scherz, weil die Übertragung hakelt, mal fehlt die Gelegenheit, ein verfahrenes Gespräch mit einer Kaffeepause voranzubringen. "Es macht einen manchmal wahnsinnig", sagt Hoofe.
1999 wurde wegen des geteilten Regierungssitzes eigens der "Informationsverbund Berlin/Bonn" eingerichtet, der nach Berechnungen des Bundesrechnungshofs bis 2008 über 500 Millionen Euro kosten wird. Dank der neuen Technik haben alle Ministerien die einheitliche Vorwahl 01888. Den Bürgern wird damit vorgegegaukelt, Deutschland werde von einem Ort aus regiert. Die Beamten hat die Technik aber kaum einander nähergebracht.
Hoofe hat sich deshalb angewöhnt, einmal in der Woche nach Bonn zu fliegen. Von dort kommen ihm Kollegen entgegen. Wer am Montagmorgen am Köln-Bonner Flughafen steht, der kann beobachten, wie Herren mit schwarzen Aktenkoffern und Damen in grauen Kostümen Billigflieger besteigen. Es sieht aus, als wäre Ausflugstag in Behördendeutschland. 5500 Staatsdiener pendeln jeden Monat zwischen Bonn und Berlin, allein das kostet rund eine Million Euro.
In den Sitzungswochen lungern Abteilungsleiter und Referenten stundenlang in den schwarzen Ledersofas im Berliner Paul-Löbe-Haus, bevor sie den Bundestagsabgeordneten Fachfragen beantworten können. Oft dauert ihr Auftritt nur ein paar Minuten, dann dürfen sie sich wieder ins Flugzeug zurück nach Bonn setzen.
Bärbel Dieckmann ist die Oberbürgermeisterin der Stadt Bonn. Sie ist eine schlanke blonde Frau von 56 Jahren. Als sie an diesem Mittwoch das Dienstzimmer des Bonner Rokoko-Rathauses betritt, trägt sie ein dunkelbraunes Kostüm, sie kommt gerade vom Neujahrsempfang des Bundespräsidenten in Berlin. Am Morgen durfte sie als eine der Ersten Horst Köhler die Hand schütteln, ein Privileg, das dem Bonner Stadtoberhaupt immer noch zusteht.
Dieckmann ist seit 1994 im Amt, und seither kämpft sie dafür, dass die Ministerien in Bonn bleiben. Wenn man ihr von den Klagen der Beamten über den schwierigen Regierungsalltag zwischen Bonn und Berlin erzählt, schüttelt sie unwillig den Kopf und sagt: "Ich kann nicht erkennen, dass es größere Probleme gibt." Für sie ist das Thema damit erledigt.
Es ist ihr egal, dass ihre Stadt die Unterstützung aus Berlin nicht braucht. Kaum eine Stadt in Nordrhein-Westfalen hat eine höhere Kaufkraft als Bonn, zwei Dax-Unternehmen haben hier ihren Sitz, die Arbeitslosenquote liegt mit 8,8 Prozent weit unter dem Bundesdurchschnitt.
Bescheidenheit wird in der Politik nicht honoriert. Es geht darum, herauszuschlagen, was möglich ist. Nur so kann man sich vor dem Vorwurf schützen, die eigenen Wähler zu vernachlässigen. Da zählt es nicht, dass der Bund in den vergangenen Jahren schon 1,43 Milliarden Euro gezahlt hat, dass er die Bonner Kunsthalle finanziert und das Haus der Geschichte. Es kann immer noch ein bisschen mehr sein.
Man kann Dieckmann ihre Lobbyarbeit nicht einmal vorwerfen. Sie ist gewählt worden, um die Interessen ihrer Stadt zu vertreten. Ärgerlich ist nur, wie leicht es ihr fällt, den Sonderstatus für Bonn zu konservieren.
Auf den ersten Blick scheint es, als hinge Dieckmanns Erfolg damit zusammen, dass sie Mitglied der SPD ist und in Berlin in den vergangenen sieben Jahren ein sozialdemokratischer Kanzler regierte. Aber das täuscht. Bonn hat seine Privilegien weder der SPD noch der CDU zu verdanken, sondern einer Partei, die 130 Abgeordnete im Bundestag stellt und über 6 Stimmen im Bundesrat verfügt. Diese Partei heißt NRW.
Die nordrhein-westfälischen Politiker Franz Müntefering (SPD) und Guido Westerwelle (FDP) und Jürgen Rüttgers (CDU) mögen sich über Atomenergie streiten, über das Verhältnis zu den USA und den richtigen Weg in der Gesundheitsreform; beim Thema Berlin-Bonn-Gesetz sind sie sich schnell einig. Wenn Westerwelle vor einer "zweiten Umzugskarawane" warnt, dann nicken alle.
Die Macht ist so groß, dass nicht einmal mehr Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit dagegen aufbegehren mag. Klar, die Aufteilung zwischen Berlin und Bonn sei unsinnig, sagt er. "Aber wir wissen doch alle, wie stark das Land NRW im Bundestag ist." RENÉ PFISTER
PRESSEKONFERENZ IN DER STÄV BERLIN, 12.01.2006
Die Pressekonferenz für den ersten Job- und Karriere-Fernsehsender JobTV24 fandaa in der Berliner StäV statt: Friedel Drautzburg mit Moderator Carsten Meyer im Gespräch.

Harald Gruner mit Ex-RTL-Chef Helmut Thoma und Friedel Drautzburg.
Harald Gruner mit
Bundesminister Walter Riester und Friedel Drautzburg.
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AMBIANCE, Dezember 2005
PRESSESPIEGEL 2005
NIEDERLANDE VOLKSKRANT, Oktober 2005
WESER KURIER 16.11.2005 Von unserer Mitarbeiterin Annekathrin Gut ALTSTADT. Seit zwei Jahren schwappt verstärkt rheinischer Frohsinn nach Bremen. Zentrum des närrischen Treibens: die „Ständige Vertretung“ im Flett in der Böttcherstraße. Völlig außer Rand und Band: In der „StändigenVertretung“ in der Böttcherstraße haben Karnevalsbegeisterte ihre liebste Jahreszeit eingeläutet.In Zivil kommt niemand zum Karneval, der auf sich hält. Auch nicht in Bremen. FOTOS: ROLAND SCHEITZ EINBLICK Ischa ’n Ding, aber ist ja Freimarkt: Mitten in der Woche und ein volles Haus mit viel Prominenz in der Ständigen Vertretung. Unsere Zeitung hatte eingeladen. Die Botschaft in der Böttcherstraße: Derzeit wird ja in Berlin, aber mit zunehmender Tendenz auch in Bremen, über neue Regierungsbündnisse philosophiert. Alles ist möglich – auch einmal eine schwarz-grüne Verbindung? WESER-KURIER-Ressortleiter Peter Voith erwies sich fast als politischer Hannover hin und her – als bekennender Bayer ist für Luft das Oktoberfest das Maß aller Dinge. Wobei er durchaus einräumt, dass der Freimarkt eindeutig weit oben in der Volksfest-Champions-League spielt. Diese Erfahrung müssen zwei andere offenbar erst noch machen: Peter Wiegand, neuer Pressesprecher der International University Bremen (IUB), und Verena Münsburg, neue Pressesprecherin der Kunsthalle. Der eine kennt bisher nur den Dom aus Hamburg, die andere die Altstadt und die längste Theke der Welt in Düsseldorf. Gestern in der Ständigen Vertretung hatten sie schon mal Gelegenheit, sich ein bisschen einzugewöhnen. Und versprachen: Nächste Woche gehen wir auch mal über die Bürgerweide. P.S. Mit der schwarz-grünen Annäherung (s. o.) war es am späteren Abend dann doch nicht so weit her. Karoline Linnert erinnerte sich dankbar an die Zeit, als Stefan Luft gemeinsam mit Klaus Schloesser im Rathaus arbeitete. Die Grüne: „Als die Senatspressestelle Luft-Schlösser verbreitete – das war wenigstens noch ehrlich.“ SYKER KREISZEITUNG, 13.10.2005 Von Thomas Kuzaj WESER KURIER, 28.09.2005 Zum elften Mal fand Donnerstag das Nachbarschaftsfest im Innenhof zwischen Böttchstraße und Kirchenstraße statt – und es war so voll, dass kein Durchkommen mehr war.Närrisches Treiben nach rheinischem Vorbild
„Ständige Vertretung“ in der Böttcherstraße eröffnete den Kneipenkarneval
Nicht nur Bremer kölscher Herkunft feierten mit
Am 11.11. um – nein nicht 11 Uhr 11, sondern erst um 19 Uhr und 11 Minuten – ertönte in der Kölschkneipe aus Dutzenden Kehlen: „Kölle Alaaf!!“
Die „StäV“ hatte zum zweiten Mal zum Kneipen-Karneval nach rheinländischem Vorbild eingeladen:Männer in Nonnenkostümen, Frauen als Engelchen und Vertreter beiderlei Geschlechts mit roten Wangen und Nasen als Clowns – umgeben von Luftschlangen und bunter Ballondekoration. „Das wird eine ständige Einrichtung in der Ständigen Vertretung“, kalauerte Geschäftsführer Michael Heyna, der dem Anlass entsprechend im Matrosenanzug
erschienen war.
Damit das Motto „Kumm loss m'r fiere“ auch stilecht umgesetzt wurde, hatte das Lokal den waschechten Kölner DJ „Orjelwpieff“ engagiert. Gute Laune-Musik und Polonaise sorgten für Stimmung, auf Büttenreden wurde dagegen verzichtet. Auch der Wirt aus Delmenhorst, der sich als „Rheinländer im Geiste“ versteht, feierte ordentlich mit. „Heute Abend sind wir komplett ausgebucht“, erzählte Michael Heyna. In der Karnevalszeit sei die „Ständige Vertretung“ Anlaufstelle für alle Exilkölner in Bremen. Anders als in der Rheinmetropole konnte er die Menschen allerdings nicht schon amVormittag in die Kneipe locken. „Die kriegen wir hier nicht aus den Büros!“
Nicht nur Kölsche Zugezogene, sondern auch Bremer Karnevalisten, die sich durch ein Wappen mit den Stadtmusikanten auf dem T-Shirt zu erkennen gaben, konnten beim „Viva Colonia“-Singen mithalten. Jedes Jahr fahre er einmal nach Köln zu einer Prunksitzung, erzählte ein Bremer, der sich aber lieber nicht zu erkennen geben wollte. „In Bremen muss einfach mehr passieren in dieser Zeit!“

WESER KURIER 21.10.2005

Mit Wigbert GerlingBotschaft aus der Ständigen Vertretung

Das Theater muss gerettet werden. Kultur-Staatsrätin Elisabeth Motschmann (CDU) ließ beim Kölsch mit
dem stellvertretenden WESER-KURIER Chefredakteur Peter Bauer keine Zweifel an ihren Bemühungen. „Ich habe einen
12–Stunden-Tag hinter mir. Wir tun für das Theater alles, was in unserer Macht steht.“ Kurze Zeit später verlängerte sich der Arbeitstag noch: An einem anderen Tisch in großkoalitionärer Runde plauschte sie mit Kultursenator Jörg Kastendiek und der SPD-Kulturpolitikerin Carmen Emigholz. Das Thema: Drei Mal darf man raten . . . Jens Eckhoff ist zwar Bausenator, hat aber auch derzeit fachlich Theater – und zwar mit der Kostensteigerung bei der runderneuerten Wachmannstraße. Er führt Regie bei den Ermittlungen, wie das kommen
konnte. Eckhoff kam gleich mit dem Hinweis, er müsse bald wieder gehen. Termine, Termine – vermutlich sogar mehr als CDU Parteifreundin Elisabeth Motschmann.In Sicherheit
Eheanbahner, als er es schaffte, den hinhaltenden Widerstand einer Grünen und eines Schwarzen zu brechen. Auf einmal standen neben ihm in Eintracht Karoline Linnert, Fraktionschefin der Grünen in der Bürgerschaft, und Stefan Luft, Wissenschaftler an der Universität und deutlich christdemokratisch geprägt. Vor allem aber: Wenn es einen Bayern in Bremen gibt, dann Luft. Denkt man. Es blieb dem Sprecher des Finanzsenators, Hermann Pape, vorbehalten, den Bayern sozusagen geografisch einzuordnen. Pape verriet, dass Stefan Luft eigentlich Niedersachse ist. Das Tollste: Es stimmt. Luft ist einst in Hannover geboren. Längst hat er gelernt, mit diesem Handicap zu leben. Seine Reaktion auf die Enthüllung: „Scho’ recht, ich bin in Hannover geboren, aber gleich nach der Geburt hat man mich nach Bayern in Sicherheit gebracht.“Gewöhnungsprozess
Ehrliche Zeiten



Berliner Hilfe für die Umzugs-Jury
Tradition: Etwas kleiner als sonst soll er in diesem Jahr ausfallen, der traditionelle Bremer Freimarktsumzug. 142 Gruppen und Wagen - darunter viele aus dem Umland - sind angemeldet für Sonnabend, den 22. Oktober. Das bedeutet: Etwa 4 000 Teilnehmer werden erwartet.
Erwartet wird bei dem Spektakel zudem eine Besucherin von der Spree: Die Berliner Bürgermeisterin und Justizsenatorin Karin Schubert (SPD). Wie kommt das? Nun, es kommt so: Manche Menschen, besonders Rheinländer, halten den Bremer Freimarktsumzug für eine verfrühte Form des Karnevals. Rheinländer sind es auch, die hinter dem Polit-Lokal "Ständige Vertretung" (StäV) im Flett (Böttcherstraße) stehen. Natürlich wollen sie überall die Idee des Karnevals verbreiten. Und: Sie nehmen mit einem "StäV-Truck" am Umzug teil. Eben dazu werden allerlei Karnevalsliebhaber aus der Hauptstadt erwartet. Und auch Karin Schubert ist mit von der Partie.
Wie zu hören war, wird sie den Umzug aber mittendrin verlassen, weil sie eine wichtige und höchst ehrenvolle Aufgabe übernommen hat - sie schließt sich nämlich der Jury an, die über die schönsten Laufgruppen und Wagen des 38. Freimarktsumzugs zu entscheiden hat.
Die Berliner Politikerin wurde zwar 1944 in Erfurt geboren, gilt aber - was die Hinwendung zum Karnevalistischen erklären dürfte - als "gelernte Rheinländerin". Sie studierte Rechtswissenschaften in Köln, verbrachte in der Jecken-Metropole auch ihre Referendarzeit und machte das Zweite Juristische Staatsexamen ausgerechnet bei den Intimfeinden der Kölner - in Düsseldorf. Man weiß es ja: Während es in Köln "Alaaf" heißt, wird in Düsseldorf "Helau" gesagt. Und wehe, jemand verwechselt das.
Nun denn. In Bremen heißt es ja "Ischa Freimaak". Und den Jury-Vorsitz beim Freimarktsumzug haben auch nicht irgendwelche Jecken, sondern ein Bremer: Diese Verantwortung liegt bei Bürgerschaftspräsident Christian Weber (SPD). Die Preisgelder für Laufgruppen übrigens wurden angehoben, um diese Disziplin besonders zu fördern. Die Preisverleihung ist - wie gewohnt - im Bayernzelt auf der Bürgerweide. Obwohl das in Bremen doch eigentlich auch anders heißen müsste.

Kölsch und Kanzler
Das zeigte einmal mehr: Die Party hat sich inzwischen zu einem der erfolgreichsten lockeren Treffen unter freiem Himmel entwickelt.
Der Senator für Wirtschaft, die Handelskammer, die BIG und die Anlieger der Böttcherstraße bleiben dabei nie unter sich, sondern freuen sich stets über gut gelaunte Gäste. Die Einnahmen für Speis und Trank – insgesamt 7000 Euro – kommen hilfsbedürftigen Kindern zu Gute. An und zwischen den Stehtischen plauderten unter anderen Wirtschaftssenator Jörg Kastendiek, Sozialsenatorin Karin Röpke, CDU-Fraktionsvorsitzender Hartmut Perschau, Bürgerschaftspräsident Christian Weber, Klaus Hillermann vom Casino Bremen, Kaufhof- Chef Peter Schneider, Günther Lübbe von der Handelskammer, Oberst Hans-Jürgen Sonne, Claus Kleyboldt (Stadthalle Bremen) und Kolja Beckmann (Vision Parade). Friedel Drautzburg von der „Ständigen Vertretung“ versuchte einmal mehr, die Nordlichter von den Vorzügen eines frisch gezapften Kölsch zu überzeugen, mit originellen Argumenten wie „das ist ein gesellschaftliches Aphrodisiakum“. Drautzburg wusste zudem über den Gemütszustand des Bundeskanzlers Bescheid:
„Ich war neulich bei ihm im Büro, der ist gut drauf.“
AKTUELL - Zeitung für die Bundeswehr, 40. JAHRG. Nr. 44, 07.11.2005


EXBERLINER24 / THE ENGLISH-LANGUAGE PAPER FOR BERLIN / Februar 2005
PRESSESPIEGEL 2004
RHEINISCHER MERKUR, Dezember 2004
KÖLNER EXPRESS, 04.12.2004
MAGAZIN FÜR BIERFREUNDE, Nr.27, November 2004
Wer maischt den Kölsch-Markt neu ein ?
RUND UM DEN DOM ist die Bierwelt noch in Ordnung. Kölsch ist auf Wachstumskurs, seine Kneipen boomen. Erstmals wurde im Kernmarkt Nordrhein Westfalen mehr Kölsch verkauft als Alt
Von Hans Baumann
Nachdem Brau und Brunnen bei der Radeberger Gruppe (Oetker) gelandet ist, interessiert eine Frage: Was wird aus dem Kölner Verbund von Bub, der seit Jahrzehnten kein Geld verdiente, in den letzten zweieinhalb Jahren unter der Leitung des Kölsch Asses Udo Hopf (früher Gaffel) in die schwarzen Zahlen geführt wurde? 2003 präsentierte er eine operative Umsatzrendite von sieben Prozent. Der Kölner Verbund ist mit 670000 hl Ausstoß in 2003 von insgesamt 2,65 (Vorjahr: 2,58) Mio. hl der größte Kölsch Anbieter. Reissdorf folgt mit 550000 hl, auf Rang drei liegen Gaffel und Früh mit je rund 45 000 hl. Rechnet man die Marke Dom hinzu, so vereinen diese fünf Anbietet 90 Prozent der Kölsch Produktion auf sich. Am breitesten ist der Kölner Verbund im Markt vertreten. 13 Marken gehören dazu, die unter Udo Hopf auf eine Braustätte konzentriert wurden.
Und da der Kölsch Markt wächst und wegen seines hohen Faßbieranteils von 50 Prozent ein sehr gefestigter und daher langfristig kalkulierbarer Markt ist, bewerben sich zwei Interessenten den Kölner Verbund. Die Bitburger Brauerei und auch die Krombacher. Bit unterhält seit langem in Köln eine Vertriebsdependance für Bit, kennt den Markt daher nicht nur aus dem Effeff, sondern ist auch strategisch an diesem klassichen Bierterrain mit seiner auch touristisch attraktiven Kneipenszene interessiert, in der nicht nur das Produkt, sondern auch die Preise gepflegt werden. Natürlich freit Bit schon lange um die Edelmarke Gaffel, doch die Gebrüder Johannes und Heinrich Becker wollen Brauer bleiben. Aber Bit ist nicht allein am Ball beim Verbund. Auch Krombacher soll Interesse zeigen. Doch PR Chef Franz - J. Weihrauch winkt ab: "Da ist aktuell nichts in der Pipeline." Vielleicht wird da auch nur gepokert.

KÖLSCH UND KÖBES GEHÖREN IN KÖLN ZUSAMMEN. DENN HIER BRINGT KEIN KELLNER DAS FRISCHE GLAS
Kölsch ist auf Wachstumskurs. Seine Kneipen boomen. Der Markt wird um so interessanter, je schneller die Konzentration vorankommt. Und die Perspektive ist verlockend. Udo Hopf ist sicher, daß Kölsch weiter wachsen wird, "wenn die fünf wichtigsten Player einen guten Job machen". Er schätzt, daß dann Kölsch im Jahr 2006 einen Ausstoß von 2,7 bis 2,8 Mio. hl haben wird.
Für eine weitere Konzentration steht der Markt vor folgender Situation: Der größte Anbieter Kölner Verbund hat sich bereits auf eine Braustätte zurückgezogen. Seine Strategiemarken heißen Sion und Gilden. Sion ist neben Gaffel eindeutig Premium in Qualität und Preis. Es wird zu 90 Prozent (!) über den Zapfhahn der Wirte verkauft, aber neuerdings auch national angeboten. Seit 2002 betreibt Sion auch klassische Werbung. Gilden ist im Verbund die regional orientierte Marke im gehobenen Konsumbierbereich. Auch Gilden hat eine starke Position in der Gastronomie. Gesponsert werden die Kölner Haie (Eishockey), die Rhein Energy (Basketball) und die Kultgruppe Höhner. Der GildenKölsch Preis geht an verdiente Persönlichkeiten der Kulturszene.
Die Marke Küppers Kölsch ist am weitesten distribuiert. Sie hat ihren Schwerpunkt im Handel. Im Preiseinstiegs Segment hat sich Sester sehr positiv entwickelt. Die Marke konzentriert sich auf das Flaschenbiergeschäft. Sie hat 2003 um 56 Prozent erhöhen können. Die Marke wächst auch in 2004 zweistellig. Römer Kölsch ist eine Discountmarke (Aldi exklusiv). Kurfürsten Kölsch und Maximilian Kölsch stehen vor dem Aus. Die Konzentration fordert ihre Opfer. Ins Auge fällt die traditionsreiche Marke Früh, Cölner Hofbräu P. Josef Früh. Rot ist ihr Signal und ihre Werbung spaßig hintergründig. Früh ist die einzige Biermarke, die für sich in Anspruch nehmen kann, im werblichen Auftritt herüberzubringen, daß Bier ein fröhliches sein kann. Der Ausstoß von etwa 420000 hl kommt zu rund zwei Dritteln in der Flasche zum Durst. Den Rest teilen sich Faß und Pittermännchen. Folge: Das Premiumsegment wächst weiter.
Heute schon gehören 59 der Kölsch Marken dazu. Konsumbiere umfassen 35 Prozent. Die Frage wird laut, wann sich die Oettinger Gruppe in Köln etablieren wird, um im unteren Preisbereich tätig zu werden. Die Antwort zur Zeit: Es fehlt den Oettingern an Braukapazität in Köln. Da der Kölsch Konvent seit 1986 vorschreibt, daß Kölsch nur in Köln gebraut werden darf, ist eine Braustätte obligatorisch. So spekuliert der Markt, daß Ingrid, Günter und Dirk Kollmar (64,5, 11,1 und 24,4 Prozent an Oettinger Brauerei GmbH) ein Auge auf Dom Kölsch geworfen haben, die vom Kölner Verbund die alte Küppers Brauerei an der Alteburger Straße erworben hat. Nachdem der rührige Geschäftsführer von "Dom", Jochen Köhler, den Dienst quittiert hat, rechnen Insider damit, daß der Großaktionär von"Dom", Christian Graf Dürckheim Ketelhodt, London, seine Anteile verkaufen wird. Doch ein solcher Deal hätte ein Problem: In der Brauerei an der Alteburger Straße kann nur gebraut werden. Wer "Dom" übernimmt, muß zusätzlich kräftig in eine Abfüllerei investieren. Da bietet es sich also auch an, daß ein etablierter Brauer die Marke "Dom" übernimmt und im eigenen Hause herstellt und abfüllt. Das wäre zum Beispiel der Verbund und damit eventuell Bit.
"Dom" ist eine sehr emotionelle Marke, aus der sich was machen ließe. Und so etwas haben die Bitburger schon im Hause mit Bit selbst, König, Licher, Köstritzer und nicht zuletzt mit dem "Vogtlanddollar" Wernesgrüner.
Die Edelmarke Gaffel (im Mittelalter hieß die Zunft in Köln Gaffel) ist von Haus aus eine saubere Gastronomiemarke. Erst seit 15 Jahren gibt es die Marke auch in der Flasche. Gaffel unterscheidet sich im Geschmack vom übrigen Kölsch durch die etwas herbere Note, was ihm den Ruf einbrachte, das Pilsige Kölsch zu sein.
Die Marke Reissdorf wird nach wie vor als Familienbetrieb geführt. Geschäftsführer ist Michael von Rieff, Stiefsohn des HermannJosef Reissdorf aus der Reissdorf - Dynastie. Sie ist der zweitgrößte Kölsch Anbieter neben dem Verbund. Doch die Marke, die seit mehr als zehn Jahren zum Teil lebhaftes Wachstum meldet, wird zu mindestens 75 Prozent in Flaschen verkauft. Reissdorf ist die größte Einzelmarke und Marktführer im Lebensmitteleinzelhandel und in den Abholmärkten.
Die Marke Richmodis wur von Gaffel Ende der neunziger Jahre von der Karlsberg Gruppe übernommen. Der Ausstoß von "Dom" wird auf 200 000 bis 220 000 hl geschätzt (etwa 130 000 hl Faßbier). Trotz des Zukaufs der Marken Giesler und Rats Kölsch ist der Gesamtabsatz von "Dom" in den letzten Jahren stetig gesunken. Inzwischen hat "Dom" die Vertriebsrechte für Flaschen und Dosenbier (was von den einst 30000 hl geblieben ist) an die Fachgroßhandels Cooperation GHC übertragen. Von positiven Effekten ist noch nichts zu hören.
Wer also maischt den KölschMarkt neu ein? Und wer bedient sich dabei der exzellenten Dienste des alten Hasen Udo Hopf. Den kann man nämlich gleich mitkaufen, da sein Vertrag mit Brau und Brunnen Ende September 2004 endete.
FREIMARKTSSTAMMTISCH IN DER STÄV 2004 WESER KURIER, 22.10.2004

Mit dem Herzen und mit Kölsch
Riesige Papp-"Ischa-Freimaakt"-Herzen, Luftballon-Knäuel in weiß-gelb-rot-blauer Kombination, Luftschlangen, Zuckerstangen: Die "Ständige Vertretung" befindet sich zwar reell in der Böttcherstraße, ideell allerdings lautet ihre Adresse "Bürgerweide". Im Moment jedenfalls. Und gestern Abend ganz bestimmt.
Beim Freimarktsstammtisch unserer Zeitung traf sich alles, was in der Stadt Rang und Namen hat, zum lockeren Beisammensein bei Kölsch, Flammkuchenhäppchen oder auch einem zünftigen Cappuccino. Den hatte Polizeipräsident Eckard Mordhorst in der Rechten, als er von "seinem" Innensenator Thomas Röwekamp erfuhr, wie unerschrocken dieser ist. Denn Röwekamp outete sich als absoluter Hardcore-Freimarktsbesucher: "Ich gehe in jedes Karussell." Auch in den "Top Spin", der - natürlich - "halb so wild ist" und für den er gleich einen Insider-Tipp parat hatte: "Ganz außen hinsetzen, dann wird man nicht nass."
Grüne Plastik-Herzchen mit dem goldenen Aufdruck "Ischa Freimaakt . . . mit dem Herzen dabei" verteilten derweil drei Herren, die gestern Freimarkts-frei hatten: Rudi Robrahn, Carl-Hans Röhrßen und Karl-Heinz Fehrensen vom Schaustellerverband. Abnehmer für die Anstecker fanden sie jede Menge um sich herum, unter anderem WESER-KURIER-Chefredakteur Volker Weise, seinen Stellvertreter Peter Bauer sowie Dietrich Ide, Chefredakteur der Bremer Nachrichten. Nach und nach fanden sich außerdem in der "Ständigen Vertretung" ein: Bürgerschaftspräsident Christian Weber, der Ex-Senator Ralf Borttscheller, die Jetzt-Senatoren Jens Eckhoff, Willi Lemke und Karin Röpke, Staatsrat Arnold Knigge, die Grünen-Politiker Klaus Möhle, Karoline Linnert und Dieter Mützelburg, ihr Kollege Hermann Kleen von der SPD, Stadthallenchef Claus Kleyboldt, Fallturmchef Hans Rath mit seiner Ehefrau, der Autorin Britta Rath.
Mit dabei waren gestern Abend auch viele, die im wahren Leben aufpassen, das ihre Chefs möglichst das Richtige in Richtung Journalisten sagen. Einander kennen lernen, neue Kontakte knüpfen oder einfach mal entspannt Erfahrungen austauschen war das Motto, das Pressesprecher wie Hermann Pape (vom Senator für Finanzen), Markus Beyer (vom Senator für Inneres), Michael Glöckner (Radio Bremen), Frank Lenk (Handwerkskammer), Beate Wolff (IUB) oder Marlene Odenbach (swb) beherzigten.
Auch hier spielten Freimarkt-Eindrücke durchaus eine Rolle in den Gesprächen. Für Stefan Offenhäuser, Pressesprecher der Handelskammer, wird es langsam nämlich ernst: Seine sechsjährige Tochter ist mit Ponyreiten allein nicht mehr abzuspeisen: "Sie möchte jetzt in die Achterbahn." Kommt es noch schlimmer, könnte Offenhäuser den Innensenator um Unterstützung bitten.






BERLINER ZEITUNG, 16.08.2004
DER SPIEGEL 31/2004, 26.07.2004
Friedel Drautzburg, 66, Gastronom, Alt-Juso und Berufs-Rheinländer, hat einen weiteren Beweis für den erfolgreichsten Exportschlager der Bonner Republik. Für seine Kneipe "Ständige Vertretung", kurz StäV, wird nun im Berliner Branchenverzeichnis "Gewusst wo" eine neue Rubrik "Politgastronomie" eingerichtet. Der Gastro-Schlager, Ossis und Wessis zwischen Kölschgläsern und vielen Reminiszenzen an die deutsch-deutsche Teilung zusammenzubringen, hat mittlerweile in Hamburg, Bremen, Hannover und jüngst in Leipzig Resonanz gefunden. Das "rheinischsächsisch-politische Wirtshaus", zwischen "Leipziger Volkszeitung" und Zentralmensa gelegen, hat ein besonders hübsches Souvenir vorzuweisen:
Ein Foto-Triptychon zeigt den früheren SED-Generalsekretär Walter Ulbricht als Vorturner. "Das Lieblingsobjekt unserer Gäste", wie Drautzburgs Leipziger StäV-Wirt Wolfgang Grohmann schwärmt. Unter Anspielung auf die verlorene Olympiabewerbung Leipzigs hat Drautzburg den Ulbricht-Bildern eine lakonische Unterzeile verpasst: "Hat nix genutzt".
BERLINER ZEITUNG, 21.12.2003
PRESSESPIEGEL 2003

WESER KURIER, 21.10.2003 Beim Freimarktstammtisch unserer Zeitung in der "Ständigen Vertretung" feierten (von links): Peter Bauer, stellvertretender Chefredakteur des WESER-KURIER, die Ex-Innensenatoren Peter Sakuth und Helmut Fröhlich, Bürgermeister Hartmut Perschau, Ex-Innensenator Friedrich van Nispen, Bürgerschaftspräsident Christian Weber und Innenstaatsrat Thomas vom Bruch. Fotos: Jochen Stoss Genossen den Abend (von links): Die Pressesprecher Klaus Schloesser (Senat), Lutz Ruminski (BIG), Andreas Lubkowitz (DGzRS), Winnie Abraham (Universität), Wolfgang Wilke (Space Center), Svenja Althaus (Universum), Markus Beyer (Senator für Inneres), Marlene Odenbach (swb Enordia) und Peter Voith, Ressortchef Lokales Bremen. Plauderten nicht nur über Bilanzen (von links): Holger Hinrichs (Bremer Tageszeitungen AG), Stefan Brockmann (Karstadt), Peter Schneider (Kaufhof), WESER-KURIER-Chefredakteur Volker Weise, Matthias Fonger (Handelskammer), Wolfgang Böttjer (Siemens AG Bremen) und Jürgen Roggemann (Handelskammer). Er konnte auf brandaktuelle Freimarkterfahrungen verweisen: Holger Bruns, Pressesprecher bei Bausenator Jens Eckhoff, kam gestern Abend direkt von der Bürgerweide. Volksfestbesuch mit Töchtern hatte der erste Teil seines Feierabendprogramms gelautet – wer einen Beweis brauchte, gab Bruns einfach die Hand. Und zuckte pronto zurück, denn die war eiskalt. Klare Diagnose: Handschuhe vergessen. Doch Bruns hatte Glück. Beim Freimarktstammtisch unserer Zeitung, zu dem wir gestern Abend in die "Ständige Vertretung" in der Böttcherstraße geladen hatten, trafen sich Politiker, Pressesprecher der Behörden und Unternehmen sowie jede Menge Promis aus der regionalen Wirtschaft. Mehr als genug Gelegenheiten also zum Händeschütteln und -aufwärmen – nicht nur für Holger Bruns. Mit dabei unter anderen Bürgermeister Hartmut Perschau, die Ex-Innensenatoren Peter Sakuth und Ralf Borttscheller, Karstadt-Geschäftsführer Stefan Brockmann und sein Kaufhof-Kollege Peter Schneider, Bausenator Jens Eckhoff, Matthias Fonger und Jürgen Roggemann (Handelskammer), CDU-Fraktionsvorsitzender Jörg Kastendiek, Jürgen Lemmermann (BSAG), Andreas Lubkowitz (DGzRS), Marlene Odenbach (swb Enordia), Senatssprecher Klaus Schloesser, Wolfgang Böttjer (Siemens Bremen), Wolfgang Wilke (Space Center Betriebs GmbH), Ingelore Rosenkötter (Landessportbund). Und, schon Achterbahn gefahren und im PowerTower gezittert? Auf diese Frage, die einfach gestellt werden musste, gab es a) stolzes Nicken, b) verlegenes Wegschauen und c) den Satz "ist eigentlich nicht so richtig mein Fall, der Freimarkt, aber vielleicht gehe ich doch mal gucken." Über derartige Zaudereien konnte Bürgerschaftspräsident Christian Weber nur müde lächeln. Auch Weber hatte sich "natürlich" auf der Bürgerweide getummelt. Schon deshalb, weil sein Sohn nicht nur Geisterbahnfan, sondern auch ein wahrer Abräumer an den Schießbuden ist. Sagte der stolze Vater. Und berichtete von den Folgen: kreischbunte Plüschtierarmeen, die inzwischen das Webersche Heim am Alten Postweg bevölkern. Unter der liebevollen Deko aus 99 (oder mehr?) rot-weißen Luftballons, die an der Stäv-Decke zu kleben schienen, und riesigen Lebkuchenherzen (leider leider aus Pappe), fühlte sich Weber jedenfalls gleich heimisch. WESER KURIER APRIL 2003 Die Erleichterung war groß: Zur Eröffnung der "Ständigen Vertretung" gab es keine Rede. Zwar war mit Bürgermeister Henning Scherf ein Politiker anwesend. Der Rathauschef schaute sich in der Kneipe, die ab sofort in den Räumlichkieten des Flett in der Böttcherstraße firmiert, aber lieber die Galerie mit Bildern an, die bedeutende und skurrile Momente deutsch-deutscher Geschichte dokumentiert. Zu sehen ist außerdem eine einzigartige Sammlung von Propagandaplakaten des nun micht mehr real existierenden Sozialismus mit markigen Sprüchen wie " 25 jahre DDR- 25 Jahre antiimerialistische Solidarität!". Die "Ständige Vertretung" (StäV) ist das Projekt von Friedel A. Drautzburg und Harald Grunert. Es gab sie bisher nur in Berlin. Doch die beiden Gastronomen sehen kein Problem, auch den Bremer Ableger erfolgreich auf den Weg zu bringen. In der "StäV" kann man rheinsich und bremisch genießen. Also beispielsweise Kölsch mit Kohl und Pinkel kombinieren oder Becks mit rheinischem Sauerbraten. BILD, 29.4.2003 Ein kichernder Kanzler. Ein knutschender Honecker. Und ein knackig-junger Henning Scherf. Bremen hat eine neue Kult-Kneipe. 300 Fotos lassen in der "Ständigen Vertretung" (Böttcherstraße) nicht nur die Fotografenherzen höher schlagen. Die Einrichtung ist hell, großzügig, viel Stahl. Schwarze und rote Sofas. Überall witzige Bilder aus Bonn, Bremen und Berlin. Dazu Wimpel, Fahnen, Politik-Nippes. Zur Eröffnung schaute Bürgermeister Henning Scherf im ehemaligen Flett vorbei. Und war begeistert: "Ich bin ja nicht der Typ für 'ne Stammkneipe, aber hier komme ich wieder her. Schon allein, weil's so viel zu gucken gibt!" Nicht nur zu gucken. Auch die Speisekarte ist randvoll mit Erlebnissen. Es locken Sauerbraten (12,20 Euro) und "Himmel und Ääd" (Blutwurst mit Kartoffelbrei, 8,70 Euro). Aber auch Knipp (7,20 Euro) steht auf dem Speiseplan. In punkto "Pils" muss sich der Biertrinker zusammenreißen. "Jippet nich", sagt der Rheinländer. Dafür ohne Ende lecker Kölsch (1,80 nEuro)... Täglich von 11 bis 1 Uhr. Melanie Besecke BERLINER MORGENPOST, 29.3.2003 Der Rhein fließt in Berlin bekanntlich entlang des Schiffbauerdamms. Dort nämlich befindet sich das von Exil-Bonnern wie Berlinern gleichermaßen frequentierte rheinische Folklore-Lokal "Ständige Vertretung" der Gastronomen Friedel Drautzburg und Harald Grunert. In den fast sechs Jahren seines Berliner Daseins hat sich der Kneipen-Hit auch zum Exportschlager entwickelt. Nach Filialen in Hamburg und Hannover wird Ende April auch eine Dependance in Bremen eröffnet. "Wir gehen in die Böttcherstraße, nahe dem Paula-Moderson-Becker-Museum, mitten im Bremer Szene-Viertel", gab Drautzburg bekannt. Derzeit sei er mit der Einrichtung des Lokals beschäftigt. Ganz im Stil der Berliner "StäV". Denn wenn es nach Drautzburg und Grunert ginge, wäre ihr Wirtshaus für die Nostalgiker der Bonner Republik das, was das Bierzelt für Bayern ist: eine Oase landesspezifischer Eigenheit - vorsichtig ausgedrückt. WESER KURIER, 7.3.2003 Jüngere Leute wissen wahrscheinlich gar nicht mehr, was das war - die "Ständige Vertretung" der früheren beiden deutschen Staaten in Ostberlin und Bonn. Diplomatische Beziehungen durfte es wegen des besonderen Verhältnisses ja nicht geben. Die DDR ist dahin gegangen und mit ihr auch die "StäV" in Ost und West. Doch als gastronomisches Markenzeichen feiert sie fröhliche Urstände - ab 28. April auch in der Böttcherstraße. Wie schon kurz berichtet, übernehmen die Berliner Gastronomen Friedel Drautzburg und Harald Grunert das nicht sonderlich florierende "Flett" an der Böttcherstraße und funktionieren es zu einer Kölsch-Kneipe mit Politflair um. Das war langsam durchgesickert, weil in Bremen nichts geheim bleibt. Doch bis zur endgültigen Vertragsunterzeichnung mit der Böttcherstraßen GmbH als Vermieterin wurde gestern bis kurz vor der offiziellen Bekanntgabe im "Flett " verhandelt. Friedel Drautzburg und Harald Grunert: Zwei linke Vögel aus der 68er-Szene. Drautzburg (Jahrgang 1938) brachte es als Jurastudent zum Geschäftsführer des Sozialistischen Hochschulbundes und dann zum Mitarbeiter bei der SPD-Bundestagsfraktion. Unter anderem war er mit Günter Grass Wahlkämpfer für Willy Brandt. 1970 übernahm er aus einer Bierlaune heraus die Bonner Edel-Kneipe "Schumann-Klause". Grunert (Jahrgang 1949) gab alternative Blätter heraus und stieg Anfang der 80er ebenfalls in die Bonner Promi-Gastronomie ein. Der Regierungsumzug nach Berlin spülte die beiden überzeugten Rheinländer an die Spree, wo sie 1997 mit der "Ständigen Vertretung" einen sensationellen Erfolg landeten. Es folgten Außen-Vertretungen in Hamburg und Hannover - und nun also auch für Bremen. Grunert und Drautzburg sind überzeugt, dass ihr Konzept mit obergärigem Kölsch, deftiger Kost, fotografierter Geschichte an den Wänden und lockerer Atmosphäre in Sichtweite des Marktplatzes auch hier ein Renner wird. Kommunikation steht oben an. "Deshalb", so Grunert (nicht verwandt mit einem ehemaligen Bremer Gastronomen gleichen Namens), "wird es auch keine Musik geben. WESER KURIER, 4.3.2003 WESER KURIER, 4.3.2003 Jetzt ist das Geheimnis gelüftet: Am 28. April übernehmen die beiden Berliner Gastronomen Harald Grunert und Friedel Drautzburg das Restaurant "Flett" an der Böttcherstraße. Am Donnerstag werden sie ihr Konzept der Presse vorstellen. Wie berichtet, hatten die beiden Kneipiers lange ein Geheimnis daraus gemacht, in welchem "berühmten Lokal im Herzen der Hansestadt" sie künftig ihre Gäste verwöhnen wollen. Grunert und Drautzburg betreiben - wie berichtet - in Berlin, Hamburg und Hannover nach dem gleichen Konzept Politkult-Kneipen mit dem Namen "Ständige Vertretung", kurz "StäV" genannt. Dass das vierte Lokal an der Weser ein Flopp werden könnte, halten die beiden für unmöglich. Schließlich seien die drei anderen Kneipen stets "proppenvoll". WESER KURIER, 1.3.2003 von Dietrich Eickmeier „Eines der letzten Abenteuer der Menschheit“, sagt Friedel Drautzburg, „ist es, in diesen Zeiten einen Gastronomiebetrieb zu eröffnen“. Wagen will der Mann, den sie in Berlin für den Inbegriff alles Rheinischen halten, das Abenteuer dennoch: Zusammen mit seinem Partner Harald Grunert will Drautzburg das Erfolgskonzept der Politkult-Kneipe „Ständige Vertretung“, kurz „StÄV“ genannt, von Berlin nach Bremen exportieren. Am 28. April soll es an der Weser losgehen, in „einem berühmten Lokal im Herzen“ der Hansestadt. Mehr mögen Drautzburg und Grunert noch nicht verraten. Außer, dass am Abend der Bürgerschaftswahl in ihrem Lokal, dass optisch die „aufregende Bremer Nachkriegsgeschichte“ ebenso dokumentieren soll wie die von Bonner und Berliner Republik, eine große Wahlparty steigen soll. Das Konzept der Polit-Gastronomie oder Gastro-Politikkunst mit Kölsch und auch Karneval, das in der Hauptstadt so einschlug, sagt Drautzburg, „kann man vervielfältigen“. Dass die nach Berlin, Hamburg und Hannover vierte „StäV“ an der Weser etwa ein Flop werden könnte, darauf verschwendet das rheinische Schlitzohr eigentlich auch gar keinen Gedanken. Denn seine Kneipen zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass sie vom ersten Tag an immer „proppevoll“ sind. Das „Interessante“ daran, sagt der Mann, dem Journalisten schon zu Bonner Hauptstadtzeiten, in denen einst „Tagesthemen“-Moderator Ulrich Wickert für Drautzburg kellnerte, den Namen „Friedel Gastro“ verpassten, „dass keiner diese Idee anfangs für erfolgreich realisierbar hielt“. Wie eigentlich alle ihre Ideen. Dass es Drautzburg und Harald Grunert gelingen könnte, den Preußen an der Spree auch den Karneval irgendwie beizubringen, hatte vor ihm zunächst auch niemand für möglich gehalten. So erntete der vor drei Jahren ausgeheckte Plan, einen Karnevalsumzug durch Berlin zu veranstalten, auch bei Freunden erst mal nur Kopfschütteln und in der Berliner Presse hämische Kommentare. Es kamen aber an die 200 000 Zuschauer, morgen bei der dritten Auflage, werden es wohl schon eine halbe Million sein und der SFB wird live übertragen. Inzwischen hat Berlin Grunert die gewünschten Umzugstermine bis zum Jahr 2049 rechtlich verbindlich zugesichert. „Harald I.“ hatte zunächst die vorhandenen Alt-Berliner Karnevalsvereine aus Ost und West mit den vom Rhein zugezogenen Jecken vereinigt, anfangs auch Schunkelkurse für Preußen veranstaltet und auch Karnevalslieder einüben lassen. Inzwischen reichen die vier Lokale des Gastro-Duos im „rheinischen Viertel“ der Hauptstadt nicht mehr aus, den närrischen Andrang aufnehmen zu können. Gefeiert wird jetzt auch am anderen Spreeufer, im legendären „Tränenpalast“, dem einstigen Grenzübergang am Bahnhof Friedrichstraße. Der Karneval war es schließlich, der die „StÄV“ in Berlin mit berühmt gemacht hatte. Kurios hatte es vor fünf Jahren begonnen. Weil Anwohner des Lokals am Schiffbauerdamm Lärmbelästigung durch allzu frohsinnige Rheinländer befürchteten, erwirkten sie eine gerichtliche Verfügung gegen die aus Bonn zugereisten Kneipiers. Danach durfte in der „StÄV“ zwar geschunkelt, die Musik aber nur ganz leise angestellt werden. Drautzburg und Grunert setzten ihren Gästen kurzerhand Kopfhörer auf und sorgten dafür, dass genügend Presse und Fernsehen dabei waren. Bundesweite Schlagzeilen waren die nicht unerwünschte Folge. Und dabei sprach sich dann auch nach und nach bis in die Reiseführer herum, welche Gäste da zuweilen zu sehen sind. Polit-Prominenz wie Kanzler Gerhard Schröder und sein Wirtschaftsminister Wolfgang Clement gehören ebenso zu den Stammgästen wie Bundespräsident Johannes Rau, der als einziger Gast nicht Kölsch trinken muss, sondern sein geliebtes Pils aus einer Nachbarkneipe serviert bekommt. Ruth Brandt feiert hier schon mal mit Freunden Geburtstag. Musiker, Abgeordnete, Minister oder Schriftsteller wie Günter Grass schauen öfter mal vorbei, um zu plaudern oder sich zwischen Touristen, Medienleuten und Köln-Bonner Heimwehleidern mit rheinisch-berlinerischer Küche zu stärken. Denn auf der Speisekarte (Motto: „Wenn wir schon leben müssen, dann wenigstens gut“) finden sich Rheinischer Sauerbraten, Halver Han oder Flammkuchen ebenso wie deftige Bouletten oder Havel-Zander. Ganz enge Freunde der beiden Wirte haben am Tresen ihren per Messingschild reservierten „Kölsch-Abstellplatz“. So wie Bremens früherer Bevollmächtigter Erik Bettermann. Zum „StäV-System“ gehört nicht nur das Wissen, dass „man hier immer einen trifft“, wie Drautzburg sagt, sondern dass seine Lokale auch zugleich eine Art Museum von fünf Jahrzehnten Bundesrepublik sind. Politikerporträts blicken von den Wänden auf die Gäste herab, der Sessel des Abgeordneten Jakob Kaiser aus dem 1. Deutschen Bundestag und ein Fenster aus dem Bonner Wasserwerk finden sich dort ebenso wie grafische Politkunst und zahlreiche Reliquien des rheinischen Karnevalwesens. In der künftigen Bremer Filiale wird sich denn auch, sagt Drautzburg, der Stuhl einfinden, auf dem der frühere Bundestagsabgeordnete Claus Grobecker gesessen habe. Für Grunert wird zugleich die Eröffnung der Bremer „StÄV“ eine Reise in die Stadt seiner Vorfahren. Immerhin hat die Hansestadt in der Neustadt eine Straße nach seinem Großvater benannt: Professor Dr. Karl Grunert, Pionier der Augenheilkunde.Kalte Hände und Kölsch



Zur lockeren Stimmung an den Tischen trugen zudem die Flammkuchenhäppchen und natürlich die Spezialität des Hauses bei: Kölsch. Eigentlich, so Stäv-Mitbetreiber Harald Grunert, müsste hinter den Namen des Obergärigen aus der Domstadt auch in Bremen inzwischen ein dickes Ausrufezeichen gesetzt werden. (Also noch mal von vorne: Kölsch!)
Denn, so Grunert gestern sichtlich zufrieden nach sieben Monaten in der Böttcherstraße, "die Bremer trinken inzwischen angstfrei Kölsch (!)". Vor allem die Bremerinnen hätten die leichte Süße des Getränks lieben gelernt. Der Gastronom hatte den vielen lokalpatriotischen Stadtmusikanten-Schlipsen gestern übrigens etwas entgegenzusetzen. Er trug eine kleine goldene Anstecknadel am Revers. Das Motiv: der Kölner Dom.
Kölsch trinken, bremisch essen
Isis Hetscher
Jetzt hat auch Bremen seine "Ständige Vertretung" und Henning Scherf ist längst dabei...
Berlins rheinischer Bierpapst missioniert jetzt ...
Obergäriges in der Böttcherstraße Ende April öffnet die "StäV"
Volker Junck
"Berliner Kneipiers übernehmen das Flett"
Politkult-Kneipe "Ständige Vertretung" wird von Berlin nach Bremen exportiert
„Friedel Gastros“ Einmarsch in Bremen
Rezept der rheinisch-berlinerischen Politkult-Kneipe „StÄV“ soll bald auch an der Weser Erfolg haben Berlin/Bremen.
BERLINER MORGENPOST, 13.09.2002
Fünf Jahre «StäV»: Rhein trifft Spree im Tränenpalast
Wenn Friedhelm Drautzburg und Harald Grunert zu einer Party einladen, kommen sie ganz schnell auf 1200 Gäste. Kunststück: Die beiden Rheinländer eröffneten vor fünf Jahren am Schiffbauerdamm in den ehemaligen Räumen einer Zigarrenfabrik ihre «Ständige Vertretung», die längst zur Stammkneipe der Politiker, Journalisten, Wirtschaftler und Showsternchen geworden ist.
Gestern Abend fanden sich denn auch viele der treuen Tresengänger im Tränenpalast ein, wo ihnen die Kölner-Kultband «Bläck Fööss» zum fünften Geburtstag der «StäV» einheizen sollte. Als Moderator der Feier konnten die Gastgeber den ehemaligen Arbeitsminister Norbert Blüm gewinnen. Als «Karnevals-Redner» fungierte der Intendant der Berliner Philharmoniker, Franz Xaver Ohnesorg. Der bekennende Köln-Bonn-Fan versuchte, den Gästen (unter anderem Thomas Koschwitz, Jürgen Möllemann, Wiltraud Lueg, Klaus Wowereit, Bärbel Dieckmann, Uwe-Karsten Heye) den Unterschied zwischen Berliner Humor und rheinländischem Witz zu erläutern. Mut
BERLINER MORGENPOST, 12.09.2002
Kölsch, Politik und Promis: Ständige Vertretung feiert Geburtstag
Wenn Harald Grunert vor 22 Jahren nicht als Kellner bei Friedhelm «Friedel» Drautzburg in Bonn angeheuert hätte, gäbe es in Berlin eine legendäre Kneipe weniger. Grunert wäre Sozialarbeiter geblieben und Drautzburg nie nach Berlin gezogen. Gott sei Dank lernten die beiden sich kennen, wurden Kollegen, später Freunde. Heute vor fünf Jahren verließen sie das Rheinland und eröffneten ihre «Ständige Vertretung» am Schiffbauerdamm neu. Zum Geburtstagsfest ab 18.30 Uhr sind heute 1200 Gäste in den Tränenpalast geladen.
Wurde die «StäV» in ihren Anfängen noch als Auffangbecken für heimatlose Bonner Politiker und Touristen belächelt, die ihren Kummer mit der neuen Hauptstadt beim vertrauten Kölsch am Tresen ertränkten, ist sie heute längst das Kultlokal in Mitte. Die «StäV» ist schon lange kein Geheimtipp mehr.
«In der StäV sind rivalisierende Politiker befreundet. Hier kommen wildfremde Menschen am Tresen ins Gespräch, diskutieren und feiern zusammen», sagt Drautzburg. Worauf der studierte Philosoph und Psychologe besonders stolz ist: «Die Formel 1 der Gastronomie: drei Generationen in einer Kneipe zu versammeln. Das ist uns gelungen.» Das und noch mehr: In der StäV sitzen Abgeordnete neben Studenten, feiert Bundespräsident Johannes Rau Geburtstag, zapft Hollywood-Star Ben Kingsley Kölsch am «Pittermännche», liest Hermann Otto Solms in aller Seelenruhe den Bonner «General-Anzeiger», schneit Hermann Gerbaulet, der ehemalige Präsident der Trabrennbahn Mariendorf, mit Kollegen auf einen Absacker herein, trifft Schauspieler Otto Sander auf Kanzler Gerhard Schröder und Regiermeister Klaus Wowereit auf seine Bonner Amtskollegin Bärbel Diekmann.
Einzige Einschränkung der großen Freiheit: «Frauen haben in unserem Betrieb nichts zu sagen, aber Höflichkeit erleichtert das Zusammenleben. Und wir beide haben einen unterschiedlichen Frauengeschmack, deshalb kommen wir uns nie ins Gehege», sagt Drautzburg. Grunert nickt. Das Besondere der «StäV» kann man nicht erklären, man muss es erleben. wieder nach oben
Friedel Drautzburg hat wieder einen Grund zum Feiern: Seine Ständige Vertretung wird fünf Jahre alt
„Hier spricht die Stimme der Vernunft“, pflegte sich Friedel Drautzburg damals am Telefon zu melden. Den Ehrentitel „Stimme der Vernunft“ hatte sich der Bonner Prominentenwirt als Mitbegründer und Motor der Initiative „Ja zu Bonn“ verdient. Jahrelang kämpfte er gegen den Regierungsumzug nach Berlin. Und nun. Nun schlug der Rhein heftige Wellen des Widerwillens, nachdem bekannt geworden war, dass Friedel eine Dependance an der Spree eröffnen wollte. Ausgerechnet. Im Feindesland. „Hochverräter“ nannte man ihn.
Am Telefon klang er ganz freundlich. „Kommse ruhig nach Bonn, kriegense wenigstens mal was Ordentliches zu essen“, beschied er die Reporterin, die ihn kennen lernen wollte. Es gab dann Himmel und Äad im Haus Daufenbach. Auf der Terrasse propere Bonner, im Keller kämpferische Plakate: „Den Umzug können wir uns nicht leisten.“
Drautzburg wirkte live weniger kauzig als am Telefon, gab sich rasch als Alt-Linker zu erkennen, der mit Günter Grass Wahlkampf für Willy (Brandt) gemacht hatte. nsbombardement war eine seiner Spezialitäten. Aber nur zu verstehen von Leuten, die Politikern in einer Ruhmeshalle die Spitzenplätze geben würden. Was wusste er alles zu erzählen über Völkerchen Hauff und die Matthäus-Meier. Friedel war stolz darauf, dass er vier Zeitungen täglich las und schon freitags wusste, was montags im Spiegel stehen würde. Darauf wollte er auf keinen Fall verzichten. Und einige Stammgäste wollten auf ihn nicht verzichten, deshalb hatten sie den Vorschlag mit der Berliner Dependance gemacht. Damals glaubten allerdings auch viele Berliner nicht mehr daran, dass der Umzug tatsächlich stattfinden würde. Nachmittags tranken wir Kaffee in seinem zweiten Restaurant, dem idyllischen Amadeus mit friedlichster Vorstadt-Atmosphäre. Wenn jemand vorausgesagt hätte, wie sich die Dinge entwickeln würden, hätte er wie ein kitschversessener Phantast da gestanden.
Ein Meer von Tränen
Als Student hatte er in Berlin studiert, war kurz nach dem Mauerbau mit einer Isetta gelandet, aber nach zwei Jahren wieder losgedüst. 68 hat er in Bonn seine erste Kneipe aufgemacht, und was da nächtens bei serbischer Bohnensuppe diskutiert wurde ...
Sind ja, wie man in Friedels ureigenstem Politmilieu sieht, doch alle groß und vernünftig geworden. Im Juni 1990 aß man im eleganten Amadeus lieber Tranchen von der Entenbrust als serbische Bohnensuppe. Nur nicht am 20. Juni 1991. Da fieberten sie alle gemeinsam vorm Fernseher. Am Ende gab es ein Meer von Tränen und als Trost die Hoffnung, dass es mit dem Bekenntnis „Ja zu Bonn“ vielleicht doch noch zu verhindern sein werde. Sieben Jahre später dann das nackte Entsetzen über Friedels Pläne.
Während die Amadeus-Familie an jenem warmen Sommerabend vor fünf Jahren bei gepflegten Saltimbocca die Schwernisse der Zeit zu vergessen trachtete, landete das Flugzeug aus Bonn wieder in Tegel. Von da ging’s schnurstracks zum Osvaldo, einer Kneipe Ecke Albrechtstraße und Schiffbauerdamm, in der Friedel seine Ständige Vertretung eröffnen wollte. Nach dem freundlichen Bonner Nachmittag war das ein echter Absturz. Auf der Straße hatten junge Russen einen Haufen blutiger Knochen ausgekippt und kommandierten ihre Hunde herbei. Im Osvaldo gab es sonst keinen einzigen Gast. En face des heruntergekommenen Hauses auf der anderen Straßenseite: in dieser menschenverlassenen Gegend wollte auch ein schnelles Glas Rotwein nicht schmecken.
Zwei Jahre später tobte hier der Bär. Politiker kamen, viele heimwehkranke Rheinländer, aber eben auch Touristen. Das Essen war okay, aber nicht doll, am besten noch die Flammkuchen. Natürlich gab es auch Himmel und Äad. Rut Brandt feierte hier Geburtstag, und der Bundespräsident traf sich mit dem Kanzler zum Bier. Inzwischen hieß die Gegend Rheinisches Viertel, jedenfalls inoffiziell, dafür hatte Friedel mit seinem urgewaltigen PR-Talent gesorgt. Die Aktion, Karneval mit Kopfhörern zu feiern, um den muffeligen Anwohnern Paroli zu bieten, hatte ihm Lacher und Beifall im ganzen Land eingebracht. Außerdem hörte das Telefon nicht auf zu klingeln, weil Friedel Drautzburg inzwischen für alle Fragen, die mit dem Einleben der Bonner zu tun hatten, ein gesuchter Gesprächspartner war. Berlin hatte ihm den jahrelangen Kampf nicht übel genommen. Auch in Bonn verzieh man ihm. Fortan galt er als Botschafter rheinischer Lebensart. Er dozierte über die Schrecken der Berliner Bürokratie mit der gleichen Verve wie über die Rüpelhaftigkeit und die modischen Schwächen der Stadt, die im Sommer mehr Kurzbehoste hervorbringt als es dem empfindlichen Ästheten Friedel gut tut.
Bald schuf er sich mehrere Überlaufbecken für die StäV, das Piccolo mit anspruchsvollerem Essen und gediegenem Ambiente, die WeinBotschaft und, direkt gegenüber, in dem einst so verfallenen Haus, den „Kölschen Römer“ mit schlichten italienischen Gerichten für Leute, die an Gesprächen interessierter sind als an Gaumenfreuden. Es folgten Lizenzvergaben für Ständige Vertretungen in Hannover und Hamburg, die ähnlich gut laufen.
Der geschäftliche und gesellschaftliche Erfolg war aber nicht das Wichtigste. Das Wichtigste war, dass Friedel Drautzburg im Alter von 60 Jahren zum ersten Mal Vater wurde. Vater einer kleinen Berlinerin. Gefunkt hatte es im ICE zwischen Köln und Berlin, „ungefähr in der Höhe von Magdeburg“, als sich „Bonns begehrtester Junggeselle“ unbedingt an einen Zweiertisch setzen wollte, der indes schon von einer jungen Brandenburgerin besetzt war. Erst reagierte sie genervt. Als der Zug in Berlin eintraf, stand die erste Verabredung. Es war ein Bild für die Umzugsgötter als Friedel, nunmehr frisch gebacken Vater, etwa zwei Jahre nach der Eröffnung der StäV den Kinderwagen mit seiner „kleinen Rotznase“, auch Sophie Marie geheißen, durch sein Viertel schob und noch philosophischer redete als ohnehin schon. Noch drei weitere Jahre später hat Sophie Marie offenbar gelernt, sich zu wehren. Ganz verklärt vor Glück spricht der an Worten niemals arme Vater stolz: „Die quasselt mich tot“.
So zeigte das Leben der im Ruhestand befindlichen „Stimme der Vernunft“, was ein anständiges Happy Ending ist.
Gefeiert wird der Geburtstag der StäV mit Kölsch und Kölnern, Bonnern und Berlinern im Tränenpalast. Zugesagt haben 600 mehr als reinpassen. Elisabeth Binder
MANAGER MAGAZIN, Nr. 6/1999 vom 01.06.1999, Seite 282
Kessel unter Dampf
Wo einst Boulette und Broiler die Leitwährung der Eßkultur abgaben, regt sich neues Leben. Allenthalben öffnen feine Restaurants, zieht es Spitzenköche in die Hauptstadt. Berlin zelebriert den Aufbruch, auch kulinarisch.
...
Nicht nur Hackescher und Gendarmenmarkt sind die Tummelplätze im Berliner Osten, sondern auch das von Ostberlinern bevorzugte Nikolaiviertel, die Touristendomäne Kollwitzplatz und die Kneipenmeile Schiffbauerdamm am S-Bahnhof Friedrichstraße.
Dort hat der Bonner Wortführer gegen den Regierungsumzug, der Wirt Friedel Drautzburg, mit der "Ständigen Vertretung", kurz "StäV" genannt, eine Heimstatt für heimwehgeschüttelte Rheinländer eröffnen wollen; doch bevor die kamen, war das Lokal schon von den Berlinern erobert, die lernen konnten, dass man ein Bier namens Kölsch auch aus Gläsern trinken kann, die fast so schmal sind wie Reagenzgläser.
... (Autor: Wolf Thieme)
DIE ZEIT, 34/1997 - 14. August 1997
http://www.zeit.de/1997/34/Trommeln_im_August
Trommeln im August
VON GUNTER HOFMANN
Das erste Kamelrennen im Lande wird demnächst am künftigen Regierungssitz, in Berlins Hoppegarten, ausgetragen. Schirmherrschaft: die Herren Diepgen und Stolpe. Das soll wirklich nur aus Chronistenpflicht mitgeteilt werden, um auch jeden Hauch eines Mißverständnisses zu vermeiden, man delektiere sich in unlauterer Absicht an dem Gedanken, wie die Kulturmetropole sich allmählich in die Hauptstadtrolle hineinfindet. Also: Ende der reinen Nachricht.
Auch das ist eine Nachricht: Günter Grass will wieder trommeln, diesmal für Rot-Grün. Und Friedel Drautzburg, Mitstreiter von Grass' erstem Werbefeldzug für die SPD ("Tagebuch einer Schnecke") und legendärer Bonner Politwirt, richtet sich in Berlin ein. Gemeinsam mit Harald Grunert eröffnet Drautzburg, der immerhin die "Ja-zu-Bonn"-Bürgerinitiative begründete, am Schiffbauerdamm demnächst eine Kneipe: "Ständige Vertretung - Rheinisch-Berliner Wirtschaft". Manche politisch korrekte Bonner klagen jetzt über Verrat. Ganz im Gegenteil.
So sind sie, die Rheinländer. Tausend Unterwandererstiefel!
Einen "Betriebsunfall" hat der Mannheimer Richter Wolf Wimmer sein eigenes Urteil genannt, in dem es hieß, den typischen Vorderpfälzer kennzeichne "extreme Antriebsarmut" und "chronischer Unfleiß", er versuche sich durchzuwursteln. Auf den flammenden Protest des Landesvaters Kurt Beck folgt also die lustige Entschuldigung Wimmers: Er bedaure das Mißverständnis zutiefst, sei kein Volkskundler, habe die Sache ein bißchen schnell herunterdiktiert, aber andererseits liebten die Leute doch "eine klare Sprache".
Kamele, das neue "STÄV" in Berlin, die faulen Vorderpfälzer, das hat nichts miteinander zu tun, bloß mit der Augusthitze. Ach, übrigens: Wolfgang Schäuble möchte über die Rolle des Bundesrats debattieren, Helmut Kohl aber nicht. Gern wird der Kanzler sich auch nicht auf den Vorstoß der CSU einlassen, das Kabinett umzubilden. Da werden sie wieder sagen: Wimmer hat recht, die Pfälzer! Dabei ist Kohl, weiß die Volkskunde, zuallererst Realist.
ZEIT ONLINE 1997
Friedel Drautzburg - Ein Bonner in Berlin























































































































